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Bayerischer Bahnhof: Der schlechte Ruf von Vonovia

Architekturentwurf zu Bauprojekt Bayerischer Bahnhof

Mit wem hat sich die Stadt Leipzig da nur eingelassen? Diese Frage stellt sich unwillkürlich mit Blick auf das Engagement des Immobilienkonzerns Vonovia beim Bauprojekt am Bayerischen Bahnhof. Den Ruf des Unternehmens als miserabel zu bezeichnen, ist eine Untertreibung.

Mitte Februar hat die Stadt Leipzig gemeinsam mit privaten Investoren die Pläne für das Mega-Bauprojekt zwischen Bayerischem Bahnhof und MDR-Mediacity vorgestellt. Seitdem ist bekannt, dass die BUWOG Group als Partner mit an Bord ist. Das österreichische Unternehmen übernimmt auf dem Areal vor allem den Wohnungsbau. Später will sie die Wohnungen auch vermieten und verwalten. Die BUWOG Group wiederum wurde erst 2018 komplett von Deutschlands größten Privatvermieter, der Vonovia, übernommen. Und das gibt Anlass zur Sorge: Sollte die BUWOG Group in Zukunft nämlich ähnliche Geschäftspraktiken an den Tag legen wie ihr Mutterkonzern, droht Mietern der neuen Wohnungen am Bayerischen Bahnhof viel Ärger.

Bildergalerie: Brachfläche Bayerischer Bahnhof

Ärger überall im Land

Belege für diese These gibt es zu Hauf. Egal ob München, Kiel oder Dresden – deutschlandweit steht die Vonovia als Wohnungsverwalter massiv in der Kritik. Die Vorwürfe sind immer die gleichen: Zu hohe Mieten und Betriebskostenabrechnungen. In Dresden hat der Fall Vonovia jüngst die politische Ebene erreicht. Die Stadtratsfraktion der Linken startete eine Plakat-Aktion gegen das Geschäftsgebaren der Vonovia und beantragte eine aktuelle Stunde im Stadtparlament (zu der es dann aber nicht kam). Der Dresdner Fraktionsvorsitzende der Linken, André Schollbach, sagt:

„Der Wohnungskonzern presst die Mieterinnen und Mieter aus wie eine Zitrone. Es wird Zeit, dass die dubiosen Geschäftspraktiken einer eingehenden Untersuchung unterzogen werden.“

Es müsse insbesondere geprüft werden, ob und inwieweit systematisch Betriebskosten überhöht abgerechnet sowie Mieterhöhungen rechtswidrig vorgenommen wurden, etwa durch unzutreffende Einstufungen bei der Wohnlage, falsche Einordnungen bei der Ausstattung oder die Überschreitung rechtlich zulässiger Mieterhöhungen.

Gewinnmaximierung durch überhöhte Nebenkosten

Erst im November widmete auch der „Spiegel“ der Vonovia eine große Magazingeschichte. Darin ist von einer „regelrechten Gewinnmaschine“ die Rede, die der Konzern geschaffen habe. Und das geht laut dem Bericht des Nachrichtenmagazins so: „Neben der Kaltmiete hat Vonovia die Nebenkosten seiner Mieter als Einnahmequelle entdeckt. Statt externe Firmen zu beauftragen, übernimmt der Immobilienkonzern viele Aufgaben mittlerweile mit eigenen Tochterfirmen und streicht die Profite ein.“ Die Vonovia behauptet selbstverständlich, dass dies im Interesse der Mieter sei. Man habe Kosten und Qualität der erbrachten Leistungen in der eigenen Hand.

Die Mieter der Vonovia sind davon alles andere als überzeugt. Die Wut auf das Unternehmen kanalisiert sich in Internetforen, wie dem Bewertungsportal Trustpilot. Dort hat die Vonovia über 450 Einträge, 93 Prozent davon mit der schlechtesten Bewertung „ungenügend“. Drei Beispiele:

  • „Eine kriminelle Vereinigung ist das, die die Mieter aufs übelste abziehen.“
  • „Fehlerhafte Betriebskostenabrechnungen, vermüllte Häuser, unangemessene Mieterhöhungen, unfreundliche Mitarbeiter… – Vonovia!“
  • „Seit der Übernahme durch Vonovia sind wir gefühlt einmal im Monat beim Mieterbund vorstellig, ob der vielen Briefe und teilweise abstrusen Forderungen. Zum größten Teil sind diese unberechtigt und nur ein Versuch, die Bilanz der AG aufzubessern und die Aktionäre zu befrieden.“

Die Venovia, die ehemals als Deutsche Annington einen ebenso zweifelhaften Ruf hatte, weist alle Vorwürfe in öffentlichen Stellungnahmen zurück. Bezüglich drastisch gestiegener Nebenkosten in teilt der Konzern in einer undatierten Pressemitteilung auf der Website mit:

„Unser Anspruch ist es, dass unsere Nebenkostenabrechnungen transparent, nachvollziehbar und vor allem richtig sind.

Vonovia rechne nur Leistungen ab, die auch erbracht wurden. Das Unternehmen habe ein hohes Interesse daran, die Nebenkosten niedrig zu halten, „denn hohe Nebenkosten verringern die Attraktivität der Wohnung.“

Vonovia weist Kritik zurück

Über sich selbst schreibt das Unternehmen außerdem: „Das Geschäftsmodell von Vonovia basiert auf zwei Säulen: Der bundesweiten Vermietung von gutem und vor allem bezahlbarem Wohnraum und das in Verbindung mit wohnungsnahen Dienstleistungen zu einem fairen Preis. Die Kundenzufriedenheit der Mieter steht dabei im Zentrum aller Anstrengungen.“

Es wird sich erst in Zukunft zeigen, ob dieses Versprechen bei den neuen Mietern der BUWOG Group am Bayerischen Bahnhof eingelöst wird. Hoffnung macht, dass die BUWOG selbst bislang nicht sonderlich durch unlautere Methoden, zu hohe Mieten oder falsche Nebenkostenabrechnungen aufgefallen ist.

Pläne für das Gesamtareal Bayerischer Bahnhof.
Pläne für das Gesamtareal Bayerischer Bahnhof. Entwurf: Wessendorf/Loidl, Berlin

Wie entwickelt sich die BUWOG?

Allerdings hat die Venovia bei der BUWOG bereits schnell Veränderungen vorangetrieben. Wie die österreichische Zeitung „Die Presse“ berichtet, wurde die vormalige BUWOG AG zum 25. Januar von einer Aktiengesellschaft in eine GmbH umgewandelt. Der bisherige BUWOG-Vorstandschef Daniel Riedl wechselte im Zuge der Übernahme in den Vorstand der Vonovia. Riedl ist dort unter anderem für die Immobilienentwicklung in Deutschland zuständig.

Titelfoto: 1. Preis des Architektenwettbewerbs zum Stadtraum Bayerischer Bahnhof, Urheber:  Wessendorf/Loidl, Berlin.

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