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Biomare nimmt Produkte von AfD-Funktionär aus dem Regal – und erntet Kritik und Lob

Hinweisschild im Biomare zur Herausnahme der Hirse aus dem Sortiment.

Der Leipziger Lebensmittelhändler Biomare hat Produkte aus dem Sortiment genommen, weil der Inhaber des Herstellers ein Funktionär der AfD ist. Politiker der Partei äußern sich empört. Die Leipziger AfD vergleicht den Vorgang mit der Judenverfolgung in Nazi-Deutschland.

Im Biomare-Markt auf der Karl-Liebknechtstraße werden die Kunden offensiv über die Maßnahme informiert. Dort wo früher die Produkte der „Spreewälder Hirsemühle“ im Regal standen, ist nun ein Hinweis über die „Auslistung“ der Hirseprodukte zu lesen (siehe Titelbild). Darauf heißt es: „Der Inhaber der Spreewälder Hirsemühle ist AfD-Funktionär, diese Partei leugnet den menschengemachten Klimawandel. Damit stellt sich der maßgebliche Entscheider der Spreewälder Hirsemühle gegen die Werte von Biomare und der gesamten Biobranche“.

Zuerst berichteten am Montag offenbar die rechtsgerichteten Medien „Junge Freiheit“ und „Die Tagesstimme“ über das Thema. Daraufhin startete in AfD-Kreisen eine Empörungswelle. Der Berliner AfD-Bundestagsabgeordnete Götz Frömming twitterte: „Unfassbar! Faschistoider Bio-Laden listet Händler aus, die in der AfD aktiv sind“. Auch der Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Christian Lüth, twitterte ein Foto von dem Hinweisschild mit dem offenbar ironischen Kommentar: „Ökos! Wehrt Euch! Kauft nicht bei AfDlern!“

In die gleiche Kerbe schlug am Dienstag die Leipziger AfD. Sie schrieb bei Facebook: „Früher hieß es ‚Kauft nicht bei Juden!‘, heute heißt es ‚Verkauft keine Produkte von AfD-Mitgliedern!‘ Dieses Vorgehen erinnert uns an unsägliche und dunkle Zeiten…“

Biomare auf der Karl-Liebknecht-Straße.
Der Biomare-Markt auf der Karl-Liebknecht-Straße. (Foto: Karli.blog/Alexander Laboda)

Biomare stellt Korrespondenz online

Biomare reagierte bei Facebook wiederum auf die Kritik. „Wir sehen die aktuelle Empörungswelle sehr gelassen, denn es ist nicht das erste Mal, dass uns aufgrund einer klaren Positionierung Anfeindungen entgegenschlagen. In der Sache ist die Empörung durch nichts gerechtfertigt, denn transparente Listungsentscheidungen nach den Kriterien einer nachhaltigen Unternehmensführung unserer Lieferanten sind Kern unserer Aufgabe.“

Das Unternehmen verweist in dem Beitrag auch auf die eigene Website. Nachzulesen ist dort der gesamte E-Mail-Verkehr zwischen Biomare-Geschäftsführer Malte Reupert und dem namentlich nicht bekannten Hirse-Händler. Die Korrespondenz ist einigermaßen kurios und füllt mehrere Seiten.

Reupert informierte die „Spreewälder Hirsemühle“ demnach bereits im Juli über die anstehende Maßnahme. Er schrieb:

„Sie machen sich selbst als ökologischer Unternehmer höchst unglaubwürdig. Dies macht uns eine weitere Zusammenarbeit mit Ihnen unmöglich.“

Zudem räumte Reupert dem Lieferanten die Möglichkeit ein, „eventuelle Irrtümer oder falsche Schlussfolgerungen aufzuklären“. Reupert selbst trat übrigens zur Landtagswahl als Kandidat der Grünen im Landkreis Nordsachsen an.

Hirse-Hersteller spricht von „totalitärem Weltbild“

Der Angeschriebene wollte aber nichts ausräumen, sondern lieber austeilen:

„Mit Erstaunen muss ich ihre offensichtlich linksradikale persönliche Einstellung zur Kenntnis nehmen.“

Und weiter: „Nach demokratischen Grundsätzen ist ihr Schreiben und ihr angekündigtes Handeln eine absolute Zumutung und offenbart ein totalitäres Weltbild. Ihr Schreiben ist eher ein Fall für den öffentlichen Pranger und/oder den Verfassungsschutz (…).“

Auf den weiteren Seiten erklärt der Händler Klimaschutzmaßnahmen in Deutschland für „Spinnerei“. Davon abgesehen hätte der Firmeninhaber gerne genauer erklärt, „was ein Engagement eines Menschen in einer Partei mit dem Produkt zu tun hat, das in seinem Unternehmen hergestellt wird (…).“

Lob und Kritik in der Online-Gemeinde

Unter den Beiträgen bei Facebook und Twitter diskutierten übrigens Kunden und Bürger sehr kontrovers. Ein Nutzer schrieb etwa: „Respekt für den Umgang mit diesen Leuten. Sauber und sachlich argumentiert, die Antwort des ehemaligen Lieferanten spricht Bände und entlarvt ihn als das, was er ist. Nicht unterkriegen lassen!“

Eine andere Nutzerin erklärte: „Vielen Dank für Ihre offene und klare Positionierung. Das erleichtert mir die Entscheidung beim nächsten Einkauf. Ich werde bevorzugt Produkte der Spreewälder Hirsemühle kaufen und weiterempfehlen. Richtig gute Negativwerbung für Ihr Geschäft.“

Biomare betreibt in Leipzig drei Märkte. Neben der Filiale in der Südvorstadt gibt es noch jeweils einen Laden in Connewitz und Plagwitz.

4 Kommentare zu “Biomare nimmt Produkte von AfD-Funktionär aus dem Regal – und erntet Kritik und Lob

  1. Manchmal wird man genötigt eine Stellungnahme abzugeben.
    Ich werde als Großkunde ohne lange Briefe die Geschäfte mit Biomare kündigen. Nach einigen Anfragen kann ich jetzt bestätigen – das ich nicht der einzige sein werde – auch zwei große Zulieferer sind dabei. Mit geistigen Tieffliegern muss man keine Geschäft machen. Politisch betrachtet ist der Geschäftsführer von Biomare äußerst gefährlich schon weil er das eine nicht vom anderen trennen kann.
    MfG

    • Dieses Statement ist ein Märchen und soll wohl zur Einschüchterung dienen. Keiner unserer Lieferanten hat die Belieferung eingestellt und als Einzelhändler haben wir Zehntausende Leipziger als Kunden -jedoch keine „Großkunden“.
      Die Kassenabschlüsse der letzten Woche zeigen: Geschadet hat uns dieser Medienrummel auf keinen Fall! Malte reupert, Inhaber von Biomare.

  2. Karsten Teubner

    Wenn man den E-Mail-Verkehr der beiden Beteiligten liest, wird einem schnell klar, dass Herr Reupert von Biomare nicht nur sprachlich und diskursiv seinem ‚Gegner‘ hochgradig überlegen ist, sondern in seiner klaren und sachlichen Art auch die weitaus besseren Argumente besitzt – wohingegen der Produzent der Spreewälder Hirsemühle auf beinahe absurde Weise den falschen Opfermythos und die Hysterie eines typischen AfD-lers vorführt. Dass die völlig nachvollziehbare und freie Entscheidung von Biomare, Unternehmen nicht zu listen, die die eigenen Unternehmensgrundsätze bezüglich gesellschaftlicher Verpflichtungen nicht erfüllen (ein Geschäftsverhalten übrigens, welches von allen großen deutschen Einzelhändlern bezüglich zahlreicher Produkte so gehandhabt wird und eindeutig in den Bereich ‚marktwirtschaftliche Freiheit‘ fällt), von der Gegenseite mit Praktiken des deutschen Faschismus verglichen wird, ist an Perversion von einer Partei, die für alle erkennbar faschistische Gehalte in ihrer Politik vertritt, kaum zu überbieten. Respekt Herr Reupert! Ich kaufe von nun an verstärkt bei Ihnen ein.

    • Spreewälder

      Kaufen Sie gerne bei Herrn Reupert klimafreundliche Hirse aus der Ukraine, oder aus Österreich und Ungarn, oder aus China.
      Wenn die drei Läden von Herrn Reupert nicht in Ihrer Nähe sind, können Sie auch Produkte von Alnatura oder Denree einkaufen. Diese beiden Firmen haben die fragliche Hirse ebenfalls ausgelistet und sind auf politisch korrekte Importhirse umgestiegen. Sie erhalten die Produkte bei verschiedenen Anbietern in ganz Deutschland. Etwas Vorsicht ist bei Goldhirse allerdings geboten. Denn es gibt Gerüchte, dass die AfD-Hirse gar nicht wirklich ausgelistet wurde sondern umverpackt wurde und neu etikettiert angeboten wird..

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