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Connewitzer demonstrieren am Leopoldpark für bezahlbare Wohnungen

Mehr als 100 Menschen haben am Reformationstag vor dem (ehemaligen) Leopoldpark in Connewitz für bezahlbaren Wohnraum demonstriert. Bei dem spontanen Protest wurde die Wolfgang-Heize-Straße für mehrere Stunden blockiert. Aktivisten der Initiative „Vernetzung Süd“ stellten klare Forderungen an die Kommunalpolitik. Ein Aufruf ging auch an die Bewohner der Südvorstadt.

Eine von „Vernetzung Süd“ angekündigte „Stadtteilversammlung“ sollte eigentlich im UT Connewitz stattfinden. Weil zeitgleich eine Protestaktion gegen die Bebauung des Leopoldparks stattfand, wurde die Veranstaltung kurzerhand dorthin verlegt. Auf dem Areal baut ein privater Investor 111 Wohnungen – allesamt ohne Sozialbindung. Vor diesem Hintergrund brachten die Aktivisten Transparente und Schriftzüge an. Einer lautete: „Niemand hat die Absicht Luxuswohnungen zu errichten“.

Transparent am Leopoldpark in Connewitz.
Transparente und Schriftzug an der Baustelle am Leopoldpark.
Foto: Karli.blog/Alexander Laboda

Mehrere Vertreter von Anwohner- und Bürgerinitiativen prangerten auf der Veranstaltung eine verfehlte Wohnungsmarktpolitik an. Eine Sprecherin von „Vernetzung Süd“ sagte:

„Wir wollen nicht länger dabei zusehen, wie Flächen mit Wohnungen bebaut werden, die wir uns alle nicht leisten können.“

Der Neubau luxuriöser Miet- und Eigentumswohnungen treibe die Mieten in der gesamten Stadt in die Höhe.

Forderungen an die Politik

Die Aktivisten fordern stattdessen eine veränderte Wohnungsmarktpolitik. „Die Stadt muss alle Instrumente nutzen, um den Mietmarkt zu entspannen“, sagte die Sprecherin der Initiative. Dazu gehörten unter anderem ein Mietendeckel und Milieuschutz. Weitere Forderungen bezogen sich etwa auf die LWB. Das städtische Wohnungsunternehmen habe noch rund 300 Wohnungen in der Südvorstadt und Connewitz im Besitz, die insbesondere für ärmere Menschen wieder bewohnbar gemacht werden sollten.

Demonstranten vor dem Leopoldpark in Connewitz halten ein Transparent hoch.
Über rund drei Stunden wurde die Wolfgang-Heinze-Straße in Connewitz blockiert. Foto: Karli.blog/Alexander Laboda

Die versammelten Bürger berieten außerdem darüber, wie sie ihr Anliegen noch stärker in die Öffentlichkeit bringen können. Ein weiterer Vertreter von „Vernetzung Süd“ ermutigte in diesem Zusammenhang insbesondere die Bewohner in der Südvorstadt, der Initiative von Problemen auf dem Mietmarkt zu berichten: „Wir brachen Informationen darüber, wo Entmietung stattfindet. Unser erstes Ziel muss sein, die Missstände zu dokumentieren und zu kartieren.“

Nagel bekräftigt Forderung nach Milieuschutz

In einer Mitteilung äußerte sich am Abend auch Stadträtin und Landtagsabgeordnete Juliane Nagel zu dem Protest, an dem sie selbst teilnahm. Nagel erklärte: „Ich begrüße, wenn sich Bewohner*innen dieser Stadt zusammenschließen und gemeinsam Forderungen artikulieren. Es geht um ihre Lebensumfelder und ihre Wohnungen! Ich fordere von der Stadtverwaltung, dass die Verzögerungstaktik beim Erlass der Milieuschutzsatzungen aufhört und dass auch Connewitz zum Milieuschutzgebiet wird.“ Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) solle seine ablehnende Haltung zum Mietendeckel überdenken. Leipzig brauche eine Diskussion „über das Einfrieren und Absenken von Mieten“.

Leopoldpark zurückkaufen

Konkret für das Bauprojekt am Leopoldpark – vom Investor „Bella Vista“ genannt – forderten einige Aktivisten, dass die Stadt das Gelände zurückkauft und in genossenschaftliche Besitzverhältnisse überführt. Motto: „Ciao Bella Vista“.

Dieser Zug – das erklärten auch andere Teilnehmer – dürfte jedoch abgefahren sein. Die Bauwagen stehen. Auf einer Internetseite wirbt der Investor bereits um Käufer. Dort heißt es: „Lernen Sie La Vida – Bella Vista kennen. Ein hochwertiges Neubauprojekt, das Ihnen optimale Rendite-Chancen bietet.“ Geworben wird unter anderem mit Fußbodenheizung und Echtholzparkett im „begehrten Stadtteil Connewitz“.

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