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Coronakrise: Gerade eröffnet und schon in Not

Nicole Blümel und Marius Rommel

Fast alle Firmen und Geschäfte stecken mitten in der Coronakrise. Manche haben jedoch besonders großes Pech gehabt. Das gilt etwa für all jene, die ihr Geschäft gerade erst eröffnet haben oder eröffnen wollten. Drei Beispiele aus der Südvorstadt.

Bis das Virus und die Ausgangsbeschränkungen alle Pläne über den Haufen warfen, verlief der Start bei Café Nimo vielversprechend. Am 15. Februar eröffneten Nicole Blümel und Marius Rommel (oben im Bild) das kleine Café in der Ausgust-Bebelstraße 1. Schnell konnten die beiden an den Erfolg ihrer Vorgänger vom Marshalls Mum anschließen, die an gleicher Stelle zuvor hauptsächlich wegen Behördenfrust und Überforderung das Geschirrhandtuch geworfen hatten. Dann kam die Coronakrise: „Wir ärgern uns sehr. Die ersten drei Wochen ging die Kurve bei uns stetig nach oben“, erzählt Nicole Blümel. „Ich will nicht wissen, was wir ohne die Einschränkungen an den ersten warmen Tagen verdient hätten.“

Café Nimo: Keine Soforthilfen für neu geöffnete Geschäfte

Der Umsatzeinbruch ist allerdings nicht nur ärgerlich, sondern existenzbedrohend. Zumal das Café Nimo Schwierigkeiten hat, staatliche Corona-Hilfen zu erhalten. „Für Unternehmen, die weniger als drei Monate bestehen, gibt es keine staatlichen Hilfen“, berichtet Blümel. Sowohl der Soforthilfe-Zuschuss des Bundes als auch das Landesprogramm „Sachsen hilft sofort“ beziehen sich auf den Umsatz und die wirtschaftliche Gesundheit eines Unternehmens im Vorjahr. Bei den Zuwendungsvoraussetzungen des Landesprogramms heißt es beispielsweise lapidar: „Der Antragsteller war zum 31. Dezember 2019 wirtschaftlich gesund.“ Ein Unternehmen, das erst danach gegründet wurde, kann das selbstverständlich nicht nachweisen.

Das Café Nimo hat dennoch staatliche Hilfen beantragt, weil in anderen Bundesländern kulant mit diesem Problem umgegangen wurde. Einen Bescheid haben Nicole Blümel und Marius Rommel aber noch nicht bekommen. Deshalb müssen sie sich momentan in erster Linie selbst helfen. Ende März starteten die beiden Gastronomen zunächst die Crowdfunding-Aktion „Rettet das Café NiMo“. Bis Gründonnerstag kamen bereits über 2.500 Euro zusammen. Das Ziel liegt bei 10.000 Euro bis zum 20. April. Das Geld soll helfen, die monatlichen Fixkosten von rund 5.000 Euro zu decken. Unterstützer sind nach wie vor willkommen.

Seit Ende März verkauft das Café außerdem Kaffee und Kuchen durch die Eingangstür zum Mitnehmen. Die Umsatzeinbußen gleicht das nur ansatzweise aus. Aber die Geschäftsleute sind zuversichtlich, sich so noch weiter über Wasser halten zu können: „Wir erfahren gerade ganz viel Liebe und Solidarität. Einige Stammkunden kommen jeden Tag und viele andere fragen, wie sie helfen können“, freut sich Nicole Blümel. Trotzdem wären die Café-Inhaber froh, wenn die wirtschaftlichen Einschränkungen nach dem 20. April gelockert würden.

Weikert Studio: Produktdesigner mit Glück im Unglück

Das hofft auch Stephan Weikert. Der Produktdesigner wollte seinen neuen Laden am Südplatz am 20. März öffnen. Die Coronakrise machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Bis heute war kein Kunde im „Weikert Studio“, in dem unter anderem Lederwaren, Schmuck und Mode oder Küchenzubehör zum Verkauf bereit liegen. „Wir sitzen auf Warenlieferungen im Wert von 20.000 bis 30.000 Euro“, sagt Weikert. Einen Straßenverkauf darf das Studio nicht organisieren. Weikert versucht stattdessen seinen Online-Shop auszubauen. „Das klappt schon, bringt aber kaum Umsatz. Unsere hochwertigen Waren wollen die Leute vor Ort anfassen. Kein Mensch kauft ein Küchenmesser für 300 Euro, das er nicht vorher gesehen hat.“

Stephan Weikert
Stephan Weikert, Inhaber von Weikert Studio. Foto: Karli.blog/Alexander Laboda

Immerhin hat Weikert Glück im Unglück. Der Laden am Südplatz ist seine zweite Filiale. Das erste Geschäft in Plagwitz eröffnete er bereits 2017. Staatliche Hilfen flossen daher problemlos. „Man muss aber sehen, dass es die Hilfen nur für Fixkosten gibt, also hauptsächlich die Miete. Die verlorenen Umsätze kriegen wir nicht wieder“, erklärt Weikert. Aus diesem Grund kann er die Situation auch nur noch eine Zeit lang überstehen: „Alles über den 20. April hinaus wird schwierig. Einen großen Puffer haben wir nicht.“

Kosmetikerin: „Es ist eine Katastrophe“

Nur zwei Eingänge neben dem Studio Weikert liegt das Kosmetikstudio von Nadine Feldmann. Sie eröffnete ihr Geschäft am 18. Februar, ebenfalls wenige Wochen vor Ausbruch der Coronakrise. „Es ist eine Katastrophe“, sagt die Unternehmerin im Gespräch mit dem Karli.blog. „Viele Kunden haben ihre Termine zwar nur verschoben. Aber kein Mensch weiß ja, wie lange das noch so geht.“

Die Kosmetik- und Wellness-Branche trifft die Krise besonders hart. Gesichtsbehandlungen und Massagen sind ohne engen Kundenkontakt unmöglich. Wenigstens bekommt auch Nadine Feldmann staatliche Hilfen. Als Kosmetikerin ist sie schon seit mehreren Jahren selbstständig, zuletzt als Untermieterin in einem Friseursalon. Mit dem eigenen Studio wollte die Geschäftsfrau nun einen „großen Schritt nach vorne machen“. Nun sorgt sie sich sehr um die Zukunft: „Es ist eine sehr schwierige Lage, für andere vielleicht noch mehr als für mich. Ich könnte mir vorstellen, dass viele in extreme Schwierigkeiten kommen.“

Die Kosmetikerin selbst stemmt sich mit dem Verkauf von Gutscheinen und der Lieferung von Pflegeprodukten an Stammkunden gegen den Umsatzeinbruch. Wie lange sie durchhalten kann? „Ich bleibe stark, bis alles vorbei ist. Das Wichtigste ist jetzt, dass alle gesund bleiben.“

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