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„femMit“-Frauenrechtskonferenz: „Es passiert gerade etwas Wunderbares“

Romina Stawowy

In der Südvorstadt treffen sich vom 12. bis 13. April voraussichtlich hunderte Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur „femMit“, einer Konferenz für mehr Frauen in Medien und Politik. Zahlreiche prominente Persönlichkeiten haben zugesagt und diskutieren das Verhältnis der Geschlechter unter dem Motto „Stereotype – das Denken in Schubladen“. Der Karli.blog hat vorab mit Initiatorin Romina Stawowy gesprochen.

Zum Internationalen Weltfrauentag demonstrierten in der Südvorstadt tausende Menschen für Gleichberechtigung und die Rechte vor Frauen. Vom 12. bis 13. April soll von hier aus erneut ein Zeichen für die Gleichheit der Geschlechter ausgesendet werden. In der MDR-Mediacity findet dann erstmals die „femMit – Die Konferenz für mehr Frauen in Medien und Politik“ statt. Zugesagt haben viele bekannte Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter zahlreiche Spitzenpolitiker wie Ministerpräsident Michael Kretschmer, Petra Köpping oder Dorothee Bär und andere Prominente wie Schauspielerin Maria Furtwängler, MDR-Intendantin Karola Wille oder die Journalistin Teresa Bücker. Initiatorin Romina Stawowy erklärt vorab im Gespräch mit dem Karli.blog, warum das Thema Frauenrechte gerade jetzt so heiß diskutiert wird, was die Ziele der Konferenz sind und warum sie gerade im Leipziger Süden stattfindet.

Frage: Im Moment wird sehr stark über das Thema Geschlechtergerechtigkeit diskutiert. Liegt das nur an Anlässen wie dem Jubiläum des Frauenwahlrechts oder steckt da mehr dahinter?

Romina Stawowy: Es passiert gerade etwas ganz Wunderbares. Durch die sozialen Medien erfahren wir viel schneller, wenn irgendwo auf der Welt Frauen für Ihre Rechte einstehen. Seien es die Frauen in Indien, die demonstriert haben, weil sie auch die Paläste betreten wollen. Oder die Frauen im Irak, die unter #whitewednesday demonstrativ am Mittwoch ihre Kopftücher abnehmen oder weiße tragen, um ihren Unmut gegenüber dem System zu zeigen, und die Videos bei Facebook und Twitter posten. Oder seien es die Frauen in Amerika, die gegen Trumps Politik demonstrieren. Solche Bilder regen zum Nachdenken an und ermutigen. Frau fühlt sich nicht als Einzelkämpferin – eine Art sozialer Zusammenhalt, ich finde es toll!

„In der Regel sind es doch Männer, die die Macht haben. Oft folgt auf den Mann auch wieder ein Mann, egal ob es eine Frau gegeben hätte, die den Job auch kann.“

Natürlich sprechen wir hier in Deutschland über andere Probleme: Sei es eine Quote in Parlamenten oder die gleiche Bezahlung, überall regt sich etwas. Das steckt an. Das Jubiläum des Frauenwahlrechtes gab wieder einen Anlass, den Bereich Politik näher zu betrachten. Fakt ist doch, wir dürfen uns auf den letzten 100 Jahren nicht ausruhen, von einer richtigen Gleichberechtigung kann noch niemand sprechen.

Was wollt Ihr mit der femMit erreichen?

Ziel der femMit ist es Vorbilder zu zeigen, Mut zu machen und eine Vernetzung herzustellen. Ich habe für siebte Ausgabe des Politik- und Medienmagazin FUNKTURM, bekannt als FUNKTURMin, eine Reihe Landes- und Bundespolitikerinnen gefragt, was denn passieren müsste, damit mehr Frauen in die Politik gehen. Was von vielen kam war: Mut und Vorbilder. In der Regel sind es doch Männer, die die Macht haben. Oft folgt auf den Mann auch wieder ein Mann, egal ob es eine Frau gegeben hätte, die den Job auch kann. Das müssen wir aufbrechen und ein Bewusstsein dafür entwickeln, ob wir vielleicht gerade nach alten Denkmustern und Rollenbildern handeln. Deswegen ist es auch wichtig, dass sich die Männer an dem Thema beteiligen. Gleichberechtigung geht nur gemeinsam.

Video: Demonstration in der Südvorstadt zum Weltfrauentag

 

Findet die Konferenz nur wegen der guten Verkehrsanbindung und der Nähe zum MDR im Leipziger Süden statt oder hat das auch etwas mit dem politischen Umfeld zu tun?

Tatsächlich war es die Nähe zum MDR und dem Medienstandort. Prof. Karola Wille (Intendantin des MDR) war eine der ersten, die ich auf meine Idee zu dieser Konferenz ansprach und sie war sofort dabei und begeistert.

CDU und AfD führen in Sachsen die Umfragen zur Landtagswahl an. Gerade diese beiden Parteien haben zur Wahl nur wenige Frauen aufgestellt. Ist unser Bundesland besonders rückständig beim Thema Geschlechtergerechtigkeit?

Grundsätzlich halte ich Sachsen für ein sehr tolles Bundesland, was sich gut entwickelt. Die AfD leistet meiner Meinung nach keinen Beitrag dazu, dass es so bleibt, eher im Gegenteil.
Die CDU hat bei ihrer Listenaufstellung für die Landtagswahl auf jedem zweiten Platz bis 20 eine Frau. Das zeigt, dass ein Bewusstsein für das Thema da ist. Übrigens unterstützt auch Michael Kretschmer, der sächsische Ministerpräsident, die femMit und wird vor Ort sein.

„Würde der gesellschaftliche Wandel alleine funktionieren, bräuchte es keine feste Regelungen.“

Brauchen wir einen gesellschaftlichen Wandel oder gesetzliche Regelungen, um mehr Gleichberechtigung von Frauen zu erreichen?

Würde der gesellschaftliche Wandel alleine funktionieren, bräuchte es keine feste Regelungen. Das tut er aber nicht. Ich denke, es wird nur mit einer Mischung funktionieren, auch wenn ich kein Quoten-Fan bin. Aber zeitweise könnte das vielleicht eine gute Wahl sein, um alte Muster aufzubrechen.

Weitere Informationen zur Konferenz gibt es hier.

Transparenzhinweis: Der Autor des Interviews arbeitet regelmäßig für die Dresdner Agentur Stawowy, deren Geschäftsführerin Romina Stawowy ist.

Titelbild: Amac Garbe

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