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Straße am Floßplatz wird ab Juli saniert

Östliche Umgehungsstraße vom Floßplatz.

Am Floßplatz im Zentrum-Süd wird ab Juli gebaut. Die Stadt saniert für rund 770.000 Euro die östliche Umfahrung des Platzes, an der unter anderem die Petrischule und eine Grundschule liegen. Um den Schulweg der Kinder sicherer zu machen, fallen dort erneut Parkplätze für Autos weg, teilt die Verwaltung auf Anfrage des Karli.blog mit. Dem Umweltverband Ökolöwe gehen die Pläne indes nicht weit genug.

Im Zuge der Bauarbeiten saniert die Stadt grundlegend die Fahrbahn und die Gehwege auf der östlichen Seite des Floßplatzes. Darüber hinaus werden Leitungen und die Straßenbeleuchtung erneuert. Die Arbeiten werden voraussichtlich in zwei Abschnitten zwischen Juli 2019 und August 2020 durchgeführt. Grundsätzlich ändere sich an der bisherigen Aufteilung der Flächen nichts, erklärt das Dezernat für Stadtentwicklung und Bau auf Anfrage des Karli.blog. In der schriftlichen Antwort heißt es jedoch auch:

„In Abweichung zum Bestand wird ein Teil des Straßenraums vor den beiden Schulen, zwischen der Hohe Straße und dem Schulhofzugang aus Gründen der Schulwegsicherheit als Mischverkehrsfläche ohne Stellplätze gestaltet.“

Darüber hinaus werde der Stich Hohe Straße – also die Fläche zwischen südlichem und nördlichem Floßplatz – dem Kfz-Verkehr entzogen. An den Kreuzungsbereichen wollen die Stadtplaner außerdem sogenannte Gehwegnasen bauen, um das Überqueren der Straße sicherer zu machen.

Pkw-Stellplätze in der Hohen Straße in Leipzig.
Die Stellplätze in dieser Sackgasse der Hohen Straße fallen zukünftig weg. (Foto: Karli.blog/Alexander Laboda)

20 Parkplätze weniger

In Summe entfallen laut Baudezernat durch die Maßnahmen rund 20 Parkplätze. Einige Anwohner hätten dies am 15. November zwar bei einer Informationsveranstaltung bemängelt. Doch beim Thema Schulwegsicherheit macht die Stadt keine Kompromisse, wie aus der Antwort der Verwaltung hervorgeht:

„Hinweise aus der Bürgerveranstaltung, die den Erhalt von Stellplätzen fordern und dadurch die Schulwegsicherheit gefährden, können aus Sicht der Verwaltung in der weiteren Planung keine Berücksichtigung finden.“

Außerdem habe es bei der Veranstaltung auch zahlreiche positive Äußerungen von Bürgern zu den Plänen gegeben, die sich insbesondere auf die Sicherung der Schulwege bezogen.

Straßenübergang mit parkenden Autos und einem Schulkind an der Grundschule am Floßplatz.
Die Kinder der Petrischule und der Grundschule am Floßplatz sollen künftig besser durch den Verkehr kommen. (Foto: Karli.blog/Alexander Laboda)

Ökolöwe möchte Spiel- und Sportfläche

Wenn es um Pkw-Stellflächen geht, sitzen die Planer der Stadt stets zwischen den Stühlen. Denn während viele Bürger fehlende oder wegfallende Parkmöglichkeiten beklagen, fordert zum Beispiel der Leipziger Umweltverein Ökolöwe mehr Freiflächen. Das gilt auch für den Floßplatz. Vor der Petrischule hätte der Ökolöwe gerne eine große Sport- und Spielfläche gesehen – ähnlich wie vor dem Kantgymnasium in der Südvorstadt. In einer Mitteilung von Ende Januar heißt es:

„Vor der Petrischule gilt es einen autofreien Floßplatz als erweiterten, öffentlich zugänglichen Schulhof einzurichten. Egal ob Basketball, Tischtennis oder Skateboarding als Sport- und Spielmöglichkeiten – die Straße ist in dem Bereich zwischen Hohe Straße und Paul-Gruner-Straße für den Kfz-Verkehr zu entwidmen.“

Der Verein begründet die Forderung mit der regen Bautätigkeit im gesamten Quartier. Immer mehr Frei- und Grünflächen gingen verloren. Die Menschen bräuchten Orte „für Kommunikation, Sport und Spiel“.

Verwaltung sieht keinen Bedarf

Angesprochen auf diese Forderungen, verweist das Baudezernat auf die vorhandenen Grünflächen. Mit dem Floßplatz selbst gäbe es in direkter Nähe eine 8.000 Quadratmeter große Parkanlage. Mit Bänken und der Tischtennisplatte biete die Fläche „bereits die Funktionen bezüglich Kommunikation, Erholung, Sport und Freizeit.“

Bei den Planungen sei überdies eine Erweiterung des Schulhofs der beiden angrenzenden Schulen geprüft worden. Diese Variante habe aber nicht realisiert werden können, weil in direkter Nähe die stark befahrenen Hauptverkehrsstraßen Wundtstraße beziehungsweise Harkortstraße liegen. Aus Sicherheitsgründen hätte ein solcher erweiterter Schulhof umzäunt werden müssen.

Genügend Aufenthaltsqualität? – Bildergalerie vom Floßplatz:

Kampf um Flächen

Der Streit um Parkplätze und Freiflächen erhitzt seit Längerem die Gemüter im Leipziger Süden. Laut der aktuellen kommunalen Bürgerumfrage gehören fehlende Stellflächen zu den größten Sorgen der Bewohner in der Südvorstadt, Connewitz und dem Zentrum-Süd. Erst im Herbst sorgte die Pflanzung von einigen Dutzend neuen Straßenbäumen in der Kochstraße und der Steinstraße für Aufregung. Weil die neuen Bäume im Bereich der Straße gepflanzt wurden, fielen nach Angaben der Stadt 30 bis 40 Stellplätze weg.

Flyer gegen Verlust von Pkw-Stellplätzen.
Diese Flyer wurden Ende 2018 in der Südvorstadt verteilt. (Foto: Philipp Böhme)

Ein oder mehrere Unbekannte verteilten Flyer in der Südvorstadt und riefen zum Protest auf. Ein paar wütende Autobesitzer schrieben die Stadtverwaltung an. Zugleich – und hier zeigt sich das Konfliktpotenzial bei dem Thema – meldeten sich mehrere Bürger und Initiativen beim Amt für Gewässer und Stadtgrün, die das Pflanzen der Bäume ausdrücklich lobten.

Floßplatz fast 150 Jahre alt

Den Floßplatz gibt es als begrünten Stadtplatz übrigens seit fast 150 Jahren. Er wurde 1873 angelegt. Die Geschichte des Platzes reicht allerdings noch viel weiter zurück. Ab 1610 wurde das Areal als Anlade- und Stapelplatz für Holz genutzt, das über den Elsterfloßgraben nach Leipzig kam. Daher stammt auch der Name. Damals erstreckte sich die Fläche noch bis zum Pleißemühlgraben. Erst später wurde ein großer Teil westlich des heutigen Platzes mit der breiten Straße und den Gründerzeithäusern bebaut.

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