Alle Artikel Relevant

Hoteliers im Leipziger Süden heißen Gästetaxe nicht willkommen

Hotel in der Südvorstadt, in dem es bald eine Gästetaxe geben könnte.

Die geplante Gästetaxe in Leipzig stößt bei Hoteliers in der Südvorstadt auf Kritik. Die Hotelbesitzer befürchten sinkende Übernachtungszahlen und vermissen ein Konzept zur Verwendung der Einnahmen. Die Stadt will ab nächstem Jahr von jedem Touristen und Geschäftsreisenden drei Euro pro Tag verlangen.

Hans Schnakenberg betreibt in der Fichtestraße die Pension „Leipzig Süd“ mit 13 Apartments. Er ist überzeugt, dass die Gästetaxe für große Schwierigkeiten sorgen wird. „Die Touristen achten auf jeden Cent. Da sind drei Euro pro Nacht abschreckend. Einer Familie mit zwei oder drei Kindern tut das richtig weh“, sagt der Unternehmer im Gespräch mit dem Karli.blog.

Schnakenberg verweist auf das Beispiel Dresden. Dort habe eine eingeführte Bettensteuer zu sinkenden Besucherzahlen geführt. „Hotels und Pensionen am Stadtrand mussten bereits schließen“, berichtet Schnakenberg. Angesichts der großen Zahl an Ferienwohnungen in Leipzig und weiterer Hotelneubauten werden auch viele Betriebe in Leipzig Probleme bekommen, prophezeit er:

„In vielen großen Häusern drehen die Mitarbeiter doch heute schon Däumchen, wenn nicht gerade Messe ist oder Helene Fischer auftritt.“

Michael Reinhold, Geschäftsführer des Hotels Michaelis in der Paul-Gruner-Straße, zweifelt die sinnvolle Verwendung der Einnahmen aus der Gästetaxe an. „Es wäre ja in Ordnung, wenn die Einnahmen zweckgebunden genutzt werden, um touristische Projekte voranzubringen. Im Augenblick erscheint mir das ganze Konzept aber inhaltlich recht oberflächlich“, sagt der Hotelier. Es gäbe bislang überhaupt keinen ausgereiften touristischen Entwicklungsplan mit konkreten Maßnahmen.

Verzerrter Wettbewerb

Außerdem befürchtet Reinhold Wettbewerbsverzerrungen. Das Erheben der Taxe vergrößere im Gastgewerbe den bürokratischen Aufwand und die Kosten. Daher müssten alle Übernachtungsbetriebe gleichermaßen einbezogen werden, auch Ferienwohnungen und die zahlreichen Airbnb-Unterkünfte. „Wenn das nur die Hotellerie schultern muss, wäre das ungerecht“, sagt Reinhold.

Die Verwaltung hatte dem Stadtrat diese Woche einen Entwurf für eine Gästetaxe ab 1. Januar 2019 vorgelegt. Alle Besucher der Stadt sollen drei Euro pro Tag bezahlen, inklusive des An- und Abreisetages. Auch bei nicht gewerblich betriebenen Unterkünften, also bei privaten Airbnb-Vermietungen, soll die Gebühr fällig werden. Das Stadtparlament könnte bereits im August oder September darüber entscheiden.

Gästetaxe würde Millionen in Stadtkasse spülen

Die Stadt rechnet im ersten Jahr mit Einnahmen von rund neun Millionen Euro. Das Geld soll zweckgebunden in die touristische Infrastruktur fließen, und zwar eine Hälfte in den Erhalt und die zweite in den Ausbau. Ein „Forum Gästetaxe“ soll darüber entscheiden, wohin das Geld genau fließt. Darin sollen Mitarbeiter der Stadt sowie Vertreter verschiedener Interessensgruppen sitzen, unter anderem vom Deutschen Hotel- und Gaststätten Verband (DEHOGA), der IHK oder der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH sowie der Leipziger Messe GmbH.

Zentrales Problem bei der Ausgabe der Mittel: Die Einrichtungen und Angebote müssen „zielgerichtet und vordergründig touristische Bedarfe“ abdecken. Dies ist im Zweifelsfall nicht immer genau zu belegen, wie sich bereits bei der Kalkulation der Höhe der Gästetaxe zeigte. Bei vielen Einrichtungen, etwa den Museen, der Messe oder dem Zoo, gibt es keine genauen Zahlen darüber, wie hoch der Anteil der Besucher von außerhalb ist. Eine weitere Einschränkung: Die Einnahmen dürfen nicht für das Tourismusmarketing ausgegeben werden, weil diese Ausgaben aktuellen Besuchern der Stadt nicht zugutekommen.

Steigende Übernachtungszahlen

Der Tourismus ist in Leipzig in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Die Stadt verzeichnete 2017 rund 3,2 Millionen Übernachtungen. Fünf Jahre zuvor waren es lediglich 2,4 Millionen.

0 Kommentare zu “Hoteliers im Leipziger Süden heißen Gästetaxe nicht willkommen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.