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Gymnasium in der Telemannstraße erhält Namen von Gerda Taro

Gerda-Taro-Schule in Leipzig.

Das neue Gymnasium in der Telemannstraße wird nach der Fotografin Gerda Taro benannt. Das Schild vor der Schule wurde bereits Ende vergangene Woche enthüllt. Wirksam wird die Benennung erst zum Beginn des Schuljahres 2018/19. Doch wer war eigentlich Gerda Taro?

Nach den Sommerferien gehen die Schüler des neu gebauten Gymnasiums in der Telemannstraße neben der Rennbahn offiziell in die Gerda-Taro-Schule. In einer Mitteilung der Stadt heißt es, Eltern und Lehrer hätten nach einem „identitätsstiftenden Namen“ gesucht, der für „Toleranz, Engagement und Weltoffenheit steht.“ Am Ende habe sich die Schulkonferenz schließlich für Gerda Taro entschieden. Nicht wenige werden sich allerdings fragen: Wer war die Frau eigentlich?

Gerda Taro gilt als Pionierin der modernen Kriegsfotografie. Internationale Bekanntheit erlangte sie gemeinsam mit ihrem prominenteren Lebensgefährten Robert Capa für Fotoaufnahmen vom Spanischen Bürgerkrieg in den 1930er-Jahren. Bei ihrer Arbeit in Spanien kam sie auch ums Leben. Während eines Luftangriffs der Deutschen Wehrmacht überrollte sie versehentlich ein republikanischer Panzer. Sie starb am 26. Juli 1937 kurz vor ihrem 27. Geburtstag an den erlittenen Verletzungen.

Gerda Taro
Gerda Taro auf einem Bild aus dem Jahr 1937. (Foto: unbekannt)

Gerda Taro nur wenige Jahre in Leipzig

In Leipzig verlebte Gerda Taro, die eigentlich Gerta Pohorylle hieß, lediglich wenige Jahre. Die gebürtige Stuttgarterin zog mit ihrer Familie 1929 nach Leipzig und wohnte hier in der Springerstraße im Zentrum-Nord. Die jüdischen Eltern waren 1909 aus Ostgalizien nach Deutschland eingewandert, um den Pogromstimmungen in ihrer Heimat zu entgehen.

In Leipzig unterhielt Taro Kontakte sowohl zum Sozialistischen Schülerbund als auch zur linken Studentenschaft. Sie verteilte Flugblätter gegen die Nationalsozialisten. Diese verhafteten sie 1933 kurzzeitig. Danach erst ging sie ins französische Exil, wo sie Robert Capa kennenlernte. Ihre Eltern sowie ihre zwei Brüder wurden später von den Nazis ermordet.

Anwohnerin: „Nüscht dagegen“

Gerda-Taro-Schule in Leipzig.
Die Gerda-Taro-Schule von der Karl-Tauchitz-Straße aus betrachtet. (Foto: Karli.blog/Alexander Laboda)

Eine Benennung der Schule nach Clara Zetkin wäre aufgrund der Lage der Schule womöglich naheliegender gewesen. Eine Anwohnerin berichtete im Gespräch mit dem Karli.blog, dass auch sie erstmal nachschauen musste, wer Gerda Taro war. Ihr Urteil zur Benennung hinterher: „Also, ich hab‘ nüscht dagegen.“

Die Gerda-Taro-Schule war der erste Neubau eines Gymnasiums in Leipzig seit 20 Jahren. Die Schule ist für 1.200 Schüler konzipiert. Zurzeit lernen hier 360 Schüler. Jedes Schuljahr kommt ein weiterer Jahrgang dazu. 2023 entlässt das Gymnasium die ersten Abiturienten.

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