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„Haus Steinstraße“ ruft um Hilfe

Aufruf vom "Haus Steinstraße" im Internet.

Dem soziokulturellen Zentrum „Haus Steinstraße“ in der Südvorstadt droht die Schließung. Grund dafür sind Pläne der Stadtverwaltung, die Fördermittel im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe zu kürzen. Mehrere Einrichtungen im gesamten Stadtgebiet wären davon betroffen. Mit einer Online-Petition wehren sich die Mitarbeiter des Vereins jetzt gegen die Kürzungen.

Diane Hentschel kümmert sich beim „Haus Steinstraße“ um die Finanzen. Sie ist in großer Sorge um die Zukunft des Kulturzentrums: „Bei uns geht es um eine vierstellige Summe. Wenn wir das Geld vom Jugendamt nicht kriegen, ist unser gesamtes Projekt gefährdet. Wir brauchen die Zuwendungen, weil wir damit einen Großteil unserer weiteren Drittmittel einwerben“, erklärt sie im Gespräch mit dem Karli.blog.

Höhere Standards, mehr Projekte – aber weniger Geld

Für die Alarmstimmung im „Haus Steinstraße“ hat die Stadt Leipzig mit ihrem aktuellen Haushaltsentwurf gesorgt. Darin hat das Rathaus keine zusätzlichen Mittel in diesem Bereich vorgesehen. Aufgrund mehrerer Faktoren gleicht dies aber praktisch einer Etatkürzung.

Das "Haus Steinstraße" in der Südvorstadt.
Das „Haus Steinstraße“ in der Südvorstadt. (Foto: Verein Haus Steinstraße)

So hat die Zahl der Kinder und Jugendlichen in der Stadt in den vergangenen Jahren zugenommen, wodurch die Arbeit in den Einrichtungen zunimmt. Zugleich hat der Jugendhilfeausschuss der Stadt dieses Jahr höhere Standards für die offene Kinder- und Jugendarbeit festgelegt. Das bedeutet zum Beispiel, dass mehr qualifiziertes pädagogisches Personal eingesetzt werden muss, wodurch die Personalkosten steigen. Außerdem will die Stadt mit den bisher vorhandenen Mitteln weitere Angebote finanzieren, die bislang aus anderen Töpfen versorgt wurden, zum Beispiel begleitete Jugendwohnprojekte. Kurzum: Bei gleichbleibenden Mitteln, aber zusätzlichen Aufgaben, Projekten und Anforderungen bleibt aber Ende wesentlich weniger Geld für jede Einrichtung übrig.

Das Problem betrifft also nicht nur das „Haus Steinstraße“, sondern viele weitere Einrichtungen von freien Trägern der Kinder- und Jugendhilfe. Auch deshalb formiert sich bereits politischer Widerstand. SPD, Grüne und Linke stellten gemeinsam einen Haushaltsantrag, der die Erhöhung des Budgets um 3 Millionen Euro für 2019 und 3,5 Millionen Euro für 2020 vorsieht.

Linke, SPD und Grüne stellen Antrag

Linken-Stadträte Juliane Nagel, spricht in einer Presseerklärung von bis zu 30 gefährdeten Projekten der Kinder- und Jugendhilfe im gesamten Stadtgebiet. „Die Kinder- und Jugendhilfe darf nicht länger das 5. Rad am Wagen sein. Neben Kitabetreuung und Schule ist sie ein wichtiger Faktor für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu selbstbestimmten Persönlichkeiten“, schreibt Nagel.

Ähnlich äußerten sich SPD und Grüne in eigenen Mitteilungen. „Wir wollen nicht zulassen, dass es zur Schließung von Jugendeinrichtungen oder einer starken Ausdünnung der Angebote für Jugendliche kommt“, erklärte SPD-Fraktionschef Christopher Zenker. Wir wolle qualitativ gute Angebote und fair entlohnte Mitarbeiter. Zudem gelte es, die Angebote wegen der steigenden Nachfrage maßvoll auszubauen.

Grünen-Stadtrat Michael Schmidt richtete deutliche Worte an die Verwaltung. Diese vollziehe „genau das Gegenteil des politischen Auftrages.“ Schmidt weiter: „Das Budget einfach ohne jegliche Dynamisierung fortzuschreiben und zusätzlich noch bislang außerhalb des Budgets finanzierte Projekte dort reinzustopfen, empfinde ich nicht nur als Affront gegen die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses, sondern gegen die Freien Träger der Jugendhilfe im Ganzen.“

„Haus Steinstraße“ sammelt Unterschriften

Im „Haus Steinstraße“ hoffen Eltern, Kinder und alle weiteren Betroffenen selbstverständlich darauf, dass sich die Parteien mit ihrem Antrag durchsetzen. Mit einer Online-Petition wollen sie aber auch selbst Druck auf die Verwaltung ausüben. Seit Donnerstag bitten die Mitarbeiter des Vereins um Unterschriften von Unterstützern. Freitagmittag hatten schon über 80 Bürger unterschrieben – mit stark steigender Tendenz.

Den Verein „Haus Steinstraße“ gibt es bereits seit 1991. Er wendet sich mit seinen Angeboten grundsätzlich an alle Generationen. Kinder und Jugendliche können dort unter anderem in Werkstätten basteln, Theater spielen oder an Tanz- und Bewegungskursen teilnehmen. Bei Projekten der politischen Bildung geht es etwa um demokratische Grundkenntnisse, Beteiligung an Entscheidungsprozessen oder gewaltfreie Konfliktlösungen.

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