Alle Artikel Relevant

Zukunft von Haus Steinstraße ungewiss

Das Haus Steinstraße in der Außenansicht.

Den Verein „Haus Steinstraße“ zieht es nach Grünau. Offen ist, was danach aus der Immobilie in der Steinstraße wird. Es gibt zwar Interessenten für die zukünftige Nutzung. Doch ein Problem bleibt: Das Haus kann nicht behindertengerecht umgebaut werden.

Der Verein Haus Steinstraße will bis Ende 2020 von der Südvorstadt nach Grünau umziehen. Das hat das soziokulturelle Zentrum bereits Anfang Februar auf seine Internetseite bekannt gegeben. Hauptgrund ist, dass die namensgebende Immobilie in der Steinstraße 18 nicht barrierefrei ist und auch nicht entsprechend umgebaut werden kann. „Daher mussten wir uns entschließen, einen neuen Tätigkeitsort zu finden, an dem Barrierefreiheit gesichert ist und unsere Arbeit ebenfalls gebraucht wird“, heißt es in der Mitteilung.

Für den Verein ergeben sich in Grünau große Möglichkeiten. In zwei denkmalgeschützten Gebäuden auf dem Gelände des Robert-Koch-Parks soll unter dem Titel „Kultur und Bildung für alle“ ein neues Zentrum entstehen. Der Stadtrat hat dafür Fördermittel von bis zu 1,25 Millionen Euro bewilligt. Die „Leipziger Volkszeitung“ hat die Pläne in einem Bericht ausführlich vorgestellt.

Barrierefreier Umbau in der Steinstraße scheiterte

Ulrike Bernard, Geschäftsführerin des Vereins Haus Steinstraße, erklärt im Gespräch mit dem Karli.blog, dass der Verein ursprünglich gerne in der Südvorstadt geblieben wäre. „Aber selbst bei bestem Willen aller Beteiligten ist es baulich nicht möglich, das Haus Steinstraße barrierefrei umzubauen.“ Für einen entsprechenden Umbau waren 2015 schon Fördermittel in Höhe von 25.000 Euro bewilligt. Die Architekten fanden jedoch keine Lösungen. „Immer war eine tragende Wand im Weg.“

In der Konsequenz wird der Verein die Verbindung zum Haus in der Steinstraße 18 abbrechen. Ulrike Bernard sagt scherzhaft:

„Entweder wird in Grünau eine Straße umbenannt oder es läuft wohl auf eine Namensänderung des Vereins hinaus.“

Bei allen Zukunftsentscheidungen sollen allerdings auch die Menschen in Grünau einbezogen werden.

Interesse von Theatergruppen und anderen Initiativen

Bleibt also die Frage: Wie kann das Haus in der Steinstraße 18 zukünftig genutzt werden? Eine Antwort gibt es bislang nicht. Besitzer der Liegenschaft ist die Stadt Leipzig. Die Verwaltung teilt auf Anfrage des Karli.blog kurz und bündig mit, dass es bisher keine Pläne oder Ideen zur weiteren Nutzung des Gebäudes gibt.

Auffahrt des Haus Steinstraße.
Der Außenbereich des Hauses Steinstraße ist kunstvoll gestaltet. (Foto: Karli.blog/Alexander Laboda)

Ulrike Bernard berichtet hingegen, dass es durchaus Interessenten gibt. „Bei uns haben sich schon freie Theatergruppen, Vereine und Bürgerinitiativen gemeldet. Wir haben das auch an die Stadt Leipzig weitergeleitet – aber das liegt natürlich nicht mehr in unserer Hand.“ Der Bedarf sei da, weil es nur recht wenige Räume für die freie Szene in der Stadt gäbe. Jeder Nachnutzer hätte allerdings weiter das Problem der fehlenden Barrierefreiheit. „Wir müssen auch in Leipzig die UN-Behindertenkonvention umsetzen. Und da läuft es darauf hinaus, dass freie Träger, die damit nicht konform arbeiten, zukünftig weniger Fördergelder bekommen“, erklärt Bernard.

Auf der anderen Seite eignet sich das Haus Steinstraße wohl kaum als profane Wohnimmobilie. Das Gebäude verfügt unter anderem über ein Café, einen Tanzsaal und ein kleines Theater unterm Dach, wie auch auf der Internetseite des Vereins auf Fotos zu sehen ist.

Menschen hängen am Zentrum im Haus Steinstraße

Außerdem hängen die Menschen in der Südvorstadt und den angrenzenden Stadtteilen am Haus Steinstraße als soziokulturellem Zentrum. Das wurde Ende vergangenen Jahres deutlich, als der Verein wegen drohender finanzieller Kürzungen der Stadt um Hilfe rief. In kürzester Zeit unterschrieben hunderte Menschen eine Petition, um Druck auf Stadtrat und Verwaltung auszuüben.

Der Protest war erfolgreich. Ende Januar stellte der Stadtrat für 2019 und 2020 zusätzliche 6,5 Millionen Euro für die freie Kinder- und Jugendhilfe zur Verfügung. „Wir mussten anders als befürchtet keine Angebote streichen“, sagt Ulrike Bernard zur aktuellen Finanzlage. „Weil das Landesministerium für Wissenschaft und Kunst uns außerdem zusätzliche Fördermittel zugesprochen hat, können wir dieses Jahr sogar einige neue Ideen und Konzepte ausprobieren.“

Der Verein Haus Steinstraße wurde 1991 gegründet. Er bietet für Kinder und Jugendliche unter anderem Theater-, Tanz- und Bewegungskurse sowie Veranstaltungen zur politischen Bildung an.

0 Kommentare zu “Zukunft von Haus Steinstraße ungewiss

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.