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Anna-Juliane Hubert: „Der Süden ist in vielen Fällen Vorbild“

Porträt von Anna-Juliane Hubert

Der Leipziger Süden soll bei der Verkehrswende und anderen Themen in Leipzig eine Vorreiterrolle einnehmen, wünscht sich Anna-Juliane Hubert. Außerdem möchte die Kandidatin der Piraten für Schulsozialarbeiter und Begegnungsstätten sorgen. Siebter und letzter Teil des Karli.blog-Kandidatenchecks zur Stadtratswahl.

Der Countdown zur Leipziger Stadtratswahl am 26. Mai läuft. Doch wer tritt im südlichen Wahlkreis 4 an, zu dem unter anderem die Südvorstadt und Connewitz gehören? Und wofür wollen sich die Parteien und Politiker einsetzen? Der Karli.blog hat die Kandidatinnen und Kandidaten der im Stadtrat vertretenen Parteien angeschrieben und sie nach ihren Vorhaben und Positionen befragt. Im siebten und abschließendem Teil stellt sich Anna-Juliane Hubert vor, die für die Piratenpartei antritt.

Frage: Wie wollen Sie das Leben der Menschen im Leipziger Süden in den kommenden Jahren konkret verbessern, falls Sie gewählt werden?

Anna-Juliane Hubert: Eins vorweg: ich bin stolz auf meinen Wahlkreis. Der Süden der Stadt ist in vielen Fällen Vorbild und hat heimlich ja auch ein bisschen „Laborfunktion“ für den Rest der Stadt. Was da klappt, wird oft auch woanders eingeführt. Deswegen finde ich es wichtig, dort die geschaffenen und verteidigten Freiräume auch zu halten. Und vor allem zu schauen, was funktioniert oder nicht funktioniert. Ich könnte mir vorstellen, dass der Leipziger Süden also in den kommenden zu verhandelnden Fragen in Sachen Verkehr wieder diese Vorreiterrolle einnimmt. Da muss ja einige getan werden. Mit Kürzung der Linie 9 war das eher Rolle rückwärts. Wenn wir da kluge Antworten finden, wird sich das Leben im Süden weiter verbessern.

Aber auch der Mietdruck ist zu spüren. Die Erhaltungssatzungen werden im Juni das heiße Thema sein. Ob sie für den Süden die erhofften und versprochenen Entlastungen bringen, ist leider noch unklar. Vielleicht aber wirken sie wenigstens so weit, dass es nicht noch mehr Belastungen gibt. Ich bin mal gespannt, was von den großen Fraktionen und Parteien in diesen beiden Fragen da so kommt.

Ich möchte aber auch besonders die Kleingewerbe im Süden stützen. Diese kleinen Betriebe und Läden sind für unsere Stadtstruktur immens wichtig. Ich würde schauen, dass die Wirtschafsförderung diese in den Fokus nimmt.

„Milieuschutzsatzungen sind auch kein Allheilmittel.“

In der Südvorstadt stiegen die Mieten in den vergangenen Jahren kräftig. Was würden Sie tun, damit Wohnen in der Stadt bezahlbar bleibt?

Wie alle wissen, kann der Stadtrat nur bedingt eingreifen. Die eben angesprochenen Milieuschutzsatzungen sind auch kein Allheilmittel. Es wird als ein solches verkauft, sie verhindern aber auch teilweise so sinnvolle Änderungen wie den Anbau eines Balkons. Gerade für Familien mit Kindern ist das doch nicht als Luxus einzustufen, abends auch mal an der frischen Luft zu sitzen. Warum soll man das unterbinden? Ich setze da eher darauf, dass die Stadt endlich mal gegenüber Investoren aktiv wird und Grenzen aufzeigt. Warum müssen denn statt Wohnungen immer Hotels genehmigt werden? Ein wenig steuern kann man das ja durchaus.

Wie bewerten Sie den Vorschlag des Jugendparlaments, die Karl-Liebknecht-Straße zu einer Fahrradstraße umzuwidmen?

Eine interessante Idee! Das wäre ja schon mal eine der „Teststrecken“ von denen ich bei der ersten Frage sprach. Immerhin wäre die Karli damit die erste große Ausfallstraße, wo man sowas versuchen würde. Ich hoffe, die Stadtverwaltung prüft das sorgfältig und bügelt es nicht von vornherein ab. Das wäre schade. Wenn ich auch keine zeitnahe Umsetzung sehe, so wäre ich doch für eine schrittweise. Die Karli ist eine Bummelstraße, man schlendert hierhin, kauft etwas, setzt sich ins Café, trifft Freunde. Sie ist gut erschlossen mit ÖPNV und man hat eher schlechte Parkmöglichkeiten. Ideale Voraussetzungen also für diesen Vorschlag.

„Realistisch gesehen können wir nicht jedem Autobesitzer eine Stellfläche in Wohnnähe zur Verfügung stellen.“

Vergangenes Jahr hat die Stadt in der Südvorstadt neue Straßenbäume gepflanzt. Daran gab es auch Kritik, weil Pkw-Stellplätze wegfielen. Soll die Stadt in Zukunft weitere Straßenbäume pflanzen, auch wenn dadurch Stellflächen verschwinden?

Realistisch gesehen können wir nicht jedem Autobesitzer eine Stellfläche in Wohnnähe zur Verfügung stellen. Noch nicht mal jedem zweiten, um genau zu sein. Was wir aber tun können: den Nahverkehr verbessern, so dass mehr Menschen den Umstieg auch tatsächlich vollziehen. Da durch die Bebauung von bisher als Grünfläche oder verwilderte Brachfläche genutzten Grundstücken immer mehr Grün wegfällt, ist das Pflanzen von Straßenbäumen wichtig. Gerade im Süden, der nun mal dicht bebaut ist. Wir haben als Stadt ein Straßenbaumprogramm beschlossen und daran sollten wir festhalten.

Der Verein Haus Steinstraße verlässt mittelfristig die Südvorstadt. Das Haus gehört der Stadt. Was soll mit der Liegenschaft passieren?

Ganz klar: Wohnungen. Das gehört in die Hände der LWB gelegt. Das Haus ist meines Wissens nicht barrierefrei umzubauen, also für eine dauerhafte öffentliche Nutzung daher sowieso ungeeignet. Es war auch früher ein Wohnhaus und sollte wieder als solches genutzt werden.
Es ist schon ärgerlich genug, dass viele große Wohnungen in älteren Häusern von Kanzleien oder Arztpraxen belegt sind, das muss ja hier nicht so weitergehen.

Viele Menschen ärgern sich über die vielen illegalen Graffiti und Schmierereien im Leipziger Süden. Halten Sie das ebenfalls für ein Problem und falls ja, was soll dagegen unternommen werden?

Ich finde es auch ärgerlich, wenn ein frischrenoviertes Haus gleich wieder privat „umgestaltet“ wird, also mit Graffiti versehen. Mit dem Graffitiverein gibt es da ja zumindest einen Ansatz für mehr Miteinander statt gegeneinander. Das ist es wiederum wenig hilfreich, wenn die Stadt dauernd ein bestimmtes Graffiti am Kreuz wieder und wieder überpinseln lässt. Ein insgesamt eher aussichtloses Unterfangen (He Connewitz, wie ist eigentlich genau der Spielstand?).
Also ja, Teile der Graffiti sind sicher ein Problem. Wir wollen daher mehr legale Flächen und glauben, dass zumindest ein Teil der Verursacher sich nicht an Häusern bedienen würde, wenn es mehr davon gäbe.

Aber auch Hausbesitzer und Händler können was tun: Aufträge an legale Künstler bringen schöne Ergebnisse. Das sieht man an vielen Häusern, die mit Auftragswerken dekoriert wurden. Diese sind deutlich weniger mit „Fremd-Graffiti“ besprüht.

„Großbetriebe wie BMW und Amazon sind weder nachhaltig noch zukunftsorientiert.“

Außerhalb des Zentrums gibt es nirgends so viele Einzelhändler wie im Zentrum-Süd und der Südvorstadt. Wie wollen Sie die Händler aus dem Stadtrat heraus unterstützen?

Wie schon weiter oben angemerkt: kleine und Kleinstunternehmen sollten in den Fokus der Wirtschaftsförderung rutschen. Großbetriebe wie BMW und Amazon sind weder nachhaltig noch zukunftsorientiert. Sie können jederzeit in einer andere Stadt oder ein anderes Land ziehen, wenn sich hier die Bedingungen für sie als ungünstig erweisen. Das hat man an Nokia gesehen.
Wir brauchen Unternehmen jeder Größe, die sich lokal engagieren, die hier ihren Betriebsmittelpunkt haben und die sich auch für die Stadt verantwortlich fühlen statt nur hier die besten Deals bekommen zu haben.

Wenn Sie im Stadtrat sofort drei Maßnahmen oder Vorhaben umsetzen könnten, welche wären das?

(1) Das wäre zuallererst mal der Einsatz für mehr Schulsozialarbeiter, beginnend ab der Grundschule. Wir müssen diese einstellen, das halte ich für wichtig für die spätere Entwicklung der Kinder. Es wirkt sich auch positiv auf die Familien aus.
(2) Als zweites stelle ich mir mehr Stadtteilläden oder Begegnungscafés vor, insbesondere natürlich in den Stadtteilen, die sonst immer ziemlich „außen vor“ sind. Spontan denke ich da an Sellerhausen, Grünau oder Wahren. Es geht mir dabei um die Personen, die zu Fuß nicht die Möglichkeit haben spontan in die Stadt zu fahren, um dort ihren Kaffee trinken zu gehen (z.B. ältere Personen). Ich stelle mir vor, dass man dafür auch die leerstehenden Stadtteilrathäuser umfunktionieren könnte.
(3) Drittens möchte ich an der beschlossenen Umsetzung des 365-Euro-Tickets mitwirken und zwar mit dem Ziel des letztlich fahrscheinlosen ÖPNV.

Das sagen andere Kandidaten:

Rudi Ascherl (FDP): „Vieles muss komplett neu gedacht werden“
Juliane Nagel (Linke): „Milieuschutz zuerst für Connewitz, dann für die Südvorstadt
Karsten Albrecht (CDU): „Baumaßnahmen in Leipzig dauern zu lange
Christopher Zenker (SPD): „Verkehrswende in Leipzig rasch realisieren
Roland Ulbrich (AfD): „Tanz und Theater sind keine zu subventionierenden Aufgaben“
Gesine Märten (Grüne): „Wir kämpfen um jeden Straßenbaum!“

Quelle des Titelfotos: Piratenpartei/Anna-Juliane Hubert

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