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Christopher Zenker: „Verkehrswende in Leipzig rasch realisieren“

Bild von Christopher Zenker

Christopher Zenker will möglichst schnell die Voraussetzungen für ein 365-Euro-Ticket in Leipzig schaffen. Außerdem möchte sich der SPD-Politiker für den Bau von Sozialwohnungen einsetzen. Der vierte Teil des Karli.blog-Kandidatenchecks zur Kommunalwahl.

Der Countdown zur Leipziger Stadtratswahl am 26. Mai läuft. Doch wer tritt im südlichen Wahlkreis 4 an, zu dem unter anderem die Südvorstadt und Connewitz gehören? Und wofür wollen sich die Parteien und Politiker einsetzen? Der Karli.blog hat die Kandidatinnen und Kandidaten der im Stadtrat vertretenen Parteien angeschrieben und sie nach ihren Vorhaben und Positionen befragt. Christopher Zenker, Spitzenkandidat der SPD, gibt im vierten Teil seine Antworten.

Frage: Wie wollen Sie das Leben der Menschen im Leipziger Süden in den kommenden Jahren konkret verbessern, falls Sie gewählt werden?

Christopher Zenker: Ich sehe vor allem den Bedarf an bezahlbarem Wohnraum im Leipziger Süden, denn unser Stadtbezirk gehört zu den attraktivsten Quartieren Leipzigs, weil unser Süden lebendig und bunt ist. Die Folge dessen ist, dass Wohnraum im Süden knapp wird und die Mieten überdurchschnittlich gestiegen sind. Mehr Einwohner heißen auch mehr Verkehr und weniger freie Parkplätze in den Wohngebieten.

„Durch die Nachverdichtung in unserem Stadtteil sind Brachflächen und grüne Inseln verschwunden.“

Ich setze mich deshalb gemeinsam mit meiner Partei für einen attraktiveren ÖPNV zu erschwinglichen Preisen ein. Wir wollen damit erreichen, dass der eine oder die andere künftig vielleicht auf ein eigenes Auto verzichtet beziehungsweise verzichten kann, wodurch sich die Verkehrs- und Parksituation verbessern kann. Ich setze mich zudem für mehr Stadtgrün im Leipziger Süden ein. Durch die Nachverdichtung in unserem Stadtteil sind Brachflächen und grüne Inseln verschwunden. Mit ist daran gelegen, dass für weggefallene Grünflächen attraktiver Ersatz geschaffen wird.

In der Südvorstadt stiegen die Mieten in den vergangenen Jahren kräftig. Was würden Sie tun, damit Wohnen in der Stadt bezahlbar bleibt?

Für die SPD und für mich steht das Thema Wohnen bereits seit Jahren ganz oben auf der Agenda und das wird so bleiben. Die Fortschreibung des wohnungspolitischen Konzepts und dessen Anpassung an die aktuellen Gegebenheiten hat die SPD vorangebracht und dabei zahlreiche konkrete Vorschläge gemacht, wie mehr bezahlbarer Wohnraum in Leipzig, auch im Süden, geschaffen werden kann.

Wir haben die kooperativen Baulandentwicklung in Leipzig initiiert, durch die Investoren bei größeren Bauvorhaben auf eine konkrete Quote für Sozialwohnungen festgelegt werden. Kürzlich haben wir beantragt, dass die Verwaltung sich intensiv um den Kauf bundeseigener Liegenschaften bemühen soll, um Flächenreserven unter anderem für den Wohnungsbau und vor allem sozialen Wohnungsbau zu schaffen. Wir wollen, dass die LWB ihre Wohnungsbestände ausbaut, um ihre steuernde Funktion für den Wohnungsmarkt entfalten zu können. Wir setzen uns für ein Zweckentfremdungsverbot ein, um eine zusätzliche Verknappung von Wohnraum, unter anderem durch Ferienwohnungen, verhindern zu können. Weitere Maßnahmen sind Kappungsgrenzen, soziale Erhaltungssatzungen und eine funktionierende Mietpreisbremse.

„Grundsätzlich bin ich für eine Stärkung des Radverkehrs, da ich selber fast ausschließlich mit dem Rad unterwegs bin.“

Wie bewerten Sie den Vorschlag des Jugendparlaments, die Karl-Liebknecht-Straße zu einer Fahrradstraße umzuwidmen?

Die Karl-Liebknecht-Straße ist eine wichtige Nord-Süd-Verbindung für alle Verkehre und das wird auch so bleiben. Durch die Neugestaltung der Straße in den vergangenen Jahren, wurde die Straße ein Stück weit verkehrsberuhigt und die Situation für die Radfahrer hat sich deutlich verbessert. Auch die Aufenthaltsqualität hat sich positiv entwickelt. Ich halte es für sinnvoller beispielsweise die Bernhard-Göring-Straße in eine Fahrradstraße umzuwidmen, um den Radverkehr im Süden zu stärken. Sinnvoll ist dafür auch die geplante Fahrradschnellstraße entlang des bayrischen Bahnhofs, um so auch überörtlich zu Verbesserungen der Radverbindungen zu kommen.

Grundsätzlich bin ich für eine Stärkung des Radverkehrs, da ich selber fast ausschließlich mit dem Rad unterwegs bin. Als großes Problem empfinde ich in dem Zusammenhang das zuparken von Radwegen, da dies, insbesondere wenn man mit Kindern unterwegs ist, für Radfahrende gefährlich ist.

Vergangenes Jahr hat die Stadt in der Südvorstadt neue Straßenbäume gepflanzt. Daran gab es auch Kritik, weil Pkw-Stellplätze wegfielen. Soll die Stadt in Zukunft weitere Straßenbäume pflanzen, auch wenn dadurch Stellflächen verschwinden?

Um den Luftreinhalteplan umsetzen und mögliche Fahrverbote umgehen zu können, ist die Stadt gezwungen weitere Straßenbäume zu pflanzen. Ich halte es für richtig, dass Bäume auch in bisher sehr baumarmen Straßen gepflanzt werden. In der Tat ist der negative Nebeneffekt dessen, dass die Zahl der Parkplätze dadurch sinkt. Bäume sorgen jedoch für Abkühlung der Luft, Verschattungen und sie binden CO2 und Feinstaub, was sich positiv auf die Luftqualität und das Stadtklima auswirkt.

Das Parkplatzproblem hat im Grunde weniger mit den neuen Bäumen zu tun. Der Mangel an Stellflächen hat sich durch den starken Zuzug  in den letzten Jahren entwickelt, denn statistisch gesehen bringt jeder zweite bis dritte, der nach Leipzig zieht, ein Auto mit. Die SPD-Fraktion hat sich deshalb für die Einführung des Anwohnerparkens in besonders betroffenen Stadtteilen ausgesprochen. Damit wird zwar noch immer nicht jeder einen Parkplatz nahe seiner Wohnung finden, aber die Chance darauf steigt.

Der Verein Haus Steinstraße verlässt mittelfristig die Südvorstadt. Das Haus gehört der Stadt. Was soll mit der Liegenschaft passieren?

Bisher sind mir dazu noch keine Pläne bekannt, aber ich bin definitiv gegen einen Verkauf des Gebäudes. Ich kann mir verschiedene Nutzungen vorstellen. Das reicht von einer öffentlichen Nutzung für beispielsweise kulturelle Themen, über eine soziale Einrichtung bis hin zu sozialem Wohnraum.

Viele Menschen ärgern sich über die vielen illegalen Graffiti und Schmierereien im Leipziger Süden. Halten Sie das ebenfalls für ein Problem und falls ja, was soll dagegen unternommen werden?

Illegale Graffiti sind ein Problem. Wenn man sich viele Teile des Leipziger Südens anschaut, gab es in den vergangenen Jahren eine Entwicklung dahin, dass immer mehr Häuser davon betroffen sind. Ich sehe hier mehrere Ansatzpunkte um dem entgegenzuwirken. Einerseits möchte ich mehr legale Graffiti-Wände im Leipziger Süden haben, dass sich die Leute dort ausprobieren können und nicht irgendwelche Hausfassaden besprühen, sowie andere präventive Projekte, wie beispielsweise die legale künstlerische Zwischennutzung von Objekten, die in absehbarer Zeit ohnehin saniert werden sollen. Der Kommunale Präventionsrat hat dazu auch eigens eine AG Graffiti ins Leben gerufen, die hier ein guter Ansprechpartner ist. So gibt es auch Angebote für Hausbesitzer, damit Häuser regelmäßig von illegalen Graffitis gereinigt werden.

„Ich gehe lieber in den Laden an der Ecke einkaufen, als meine Einkäufe im Internet zu erledigen, denn ich möchte belebte Straßen und Plätze.“

Außerhalb des Zentrums gibt es nirgends so viele Einzelhändler wie im Zentrum-Süd und der Südvorstadt. Wie wollen Sie die Händler aus dem Stadtrat heraus unterstützen?

Der Stadtrat kann keine einzelnen Händler unterstützen, aber er kann Rahmenbedingungen schaffen, die es für kleine Einzelhändler einfacher macht, Fuß zu fassen. Kürzlich hat der Stadtrat einen Antrag meiner Fraktion beschlossen, der zu mehr Einzelhandelsvielfalt in der Innenstadt und auf den Magistralen beitragen soll. Die Stadt soll nun gemeinsam mit verschiedenen Interessenvertretern ein Konzept zu erarbeiten, wie dies umgesetzt werden kann. Auch der Stadtentwicklungsplan Zentren hat einen Einfluss darauf, wo sich was ansiedelt. Das soll vor allem verhindern, dass kleine Einzelhändler von großen Ketten verdrängt werden.

Wichtig ist für kleinere Einzelhändler, dass sie fußläufig beziehungsweise mit dem ÖPNV oder Rad gut zu erreichen sind. Dafür müssen Strukturen geschaffen werden und das hat auch mit der Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum zu tun. Mir ist es ein Anliegen, die Einzelhandelsvielfalt zu stärken. Ich gehe lieber in den Laden an der Ecke einkaufen, als meine Einkäufe im Internet zu erledigen, denn ich möchte belebte Straßen und Plätze.

Wenn Sie im Stadtrat sofort drei Maßnahmen oder Vorhaben umsetzen könnten, welche wären das?

(1) Erstens würde ich den Ausbau des ÖPNV deutlich forcieren, um die Verkehrswende in Leipzig rasch realisieren zu können. Das Ziel: Die Voraussetzungen für ein 365-Euro-Jahrestickets schaffen. Ein starker ÖPNV entlastet die Straßen und sorgt dafür, dass auch die gut vorankommen, die auf ihr Auto angewiesen sind.
(2) Zweitens würde ich endlich das Projekt Kita in der Windscheidstraße umsetzen. Seit Jahren kämpfe ich um die Kita auf der kommunalen Brache hinter dem Werk II. Neben der Kita sollen dort auch Jugendwohngruppen und ein Elterncafé entstehen. Gerade im Leipziger Süden sind Plätze noch rar.
(3) Drittens möchte ich sozialen Wohnungsbau auch im Leipziger Süden voranbringen. Auf mindestens zwei Grundstücken im Süden, darunter in der Wolfgang-Heinze-Straße, die aktuell noch dem Bund gehören, könnte sozialer Wohnraum entstehen. Der Clou: Der Bund verkauft ohne Spekulation zum Verkehrswert an Kommunen und gewährt für jede Sozialwohnung 25.000 Euro Rabatt auf den Kaufpreis.

Das sagen andere Kandidaten:

Rudi Ascherl (FDP): „Vieles muss komplett neu gedacht werden“
Juliane Nagel (Linke): „Milieuschutz zuerst für Connewitz, dann für die Südvorstadt
Karsten Albrecht (CDU): „Baumaßnahmen in Leipzig dauern zu lange
Roland Ulbrich (AfD): „Tanz und Theater sind keine zu subventionierenden Aufgaben“
Gesine Märtens (Grüne): „Wir kämpfen um jeden Straßenbaum!“
Anna-Juliane Hubert (Piratenpartei): „Der Süden ist in vielen Fällen Vorbild“

Quelle des Titelfotos: Christopher Zenker

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