Alle Artikel Relevant

Karli-Beben 2018: Ein bisschen Open-Air, ein wenig Protest

Open-Air-Konzert beim Karli-Beben. (Foto: Hafenbar)

Die Karli soll am 14. April erneut zum Party-Epizentrum der Stadt werden. Rund 20 Kneipen, Bars und Geschäfte laden zum Karli-Beben 2018. Auf der Richterskala dürfte die Stärke des Bebens einige Stufen schwächer sein als in den Vorjahren. Das Volksfest findet größtenteils drinnen statt – und wird so auch zum Protest gegen allzu strenge Sicherheitsauflagen.

Seit Ende Mitte März gibt es eine offizielle Facebook-Seite für das Karli-Beben 2018. Dort versprechen die Organisatoren vom Verein KarliBeben e.V. „jede Menge Programm – von Live-Rock und Klassik über Kinderanimation und Late-Night-Party.“ Außerdem wollen viele Geschäfte länger öffnen und Besucher mit Rabatt-Aktionen locken. Das komplette Programm soll noch veröffentlicht werden. Mehr als 3.000 Menschen interessieren sich bei Facebook bereits für die Veranstaltung.

Ärger um Sicherheitsauflagen für Karli-Beben

Abwechslungsreiches Programm und Menschen in Massen – alles wie immer also? Nein, denn anders als in den Vorjahren können Besucher nicht auf der gesperrten Karli flanieren oder ihre Getränke an Ständen unter freiem Himmel trinken. Das Karli-Beben 2018 ist zum größten Teil ein Indoor-Event. Die Organisatoren umgehen damit verschiedene Auflagen der Stadt Leipzig, wegen der das Fest zuletzt abgesagt werden musste.

Die Verwaltung hatte 2017 unter anderem mehr Sicherheitskräfte und Sanitäter sowie Einfahrtsperren am Anfang und Ende der Karli gefordert. Die Veranstalter sahen sich nicht imstande, diese Auflagen zu erfüllen. Sie sagten die für September geplante achte Auflage des Karli-Bebens im Juli ab. In einer Stellungnahme hieß es damals: Der Verein sei mit den „damit im Zusammenhang stehenden und teilweise unkalkulierbaren finanziellen Belastungen sowie dem Haftungsrisiko bei Zwischenfällen oder außergewöhnlichen Ereignissen schlichtweg überfordert.“

Rückeroberung des öffentlichen Raums

Der Ärger darüber ist bei den Verantwortlichen bis heute nicht verflogen. Die Sicherheitsauflagen für öffentliche Veranstaltungen würden generell immer strenger werden, erklärt Cesare Stercken, Inhaber der Hafenbar und Vorstand im Verein Karlibeben:

„Wir kümmern uns gerne um Straßenumleitungen oder um den entstehenden Müll. Es kann aber nicht sein, dass wir einen Hochsicherheitstrakt einrichten und das alles auch noch als Veranstalter bezahlen müssen. Die Sicherung des öffentlichen Raums ist Polizeiarbeit.“

Durch die hohen Auflagen entstehe eine „Einschränkung des öffentlichen Lebens“.

Ist das Karli-Beben 2018 als Indoor-Event also auch ein Protest gegen die Politik der Stadt? Auf diese Frage hin gibt sich Cesare Stercken zurückhaltend: „Wir würden uns schon wünschen, dass das Ergebnis ist, dass wir die Veranstaltung wieder regelmäßig durchführen können“, sagt er. „Wenn tausende Menschen friedlich auf der Straße feiern, ist das doch toll.“

Auf der Facebook-Seite der Hafenbar steht gleichwohl, dass das Karl-Beben 2018 mit zwei Fragen verbunden sei: Wem gehört die Stadt? Und: Muss es nicht möglich sein, mit vielen Menschen den öffentlichen Raum nutzen zu können?

Stadt sieht sich nicht in der Pflicht

Das Ordnungsamt der Stadt verweist derweil auf die Gefahr von Terroranschlägen durch die Terror-Miliz Islamischer Staat (IS). „Insofern müssen aufgrund der latenten Gefahrenlage auch öffentliche Veranstaltungen in Leipzig im Einzelfall hinsichtlich höherer Sicherheitsauflagen geprüft werden“, antwortet die Verwaltung auf eine Anfrage von Karli.blog.

Karli-Beben 2018: Ein bisschen Open-Air, ein wenig Protest
Ganz friedlich: Besucher beim Karli-Beben. (Foto aus dem Archiv der Hafenbar)

Im Hinblick auf die Finanzierung von Sicherheitsmaßnahmen schiebt die Stadt den Schwarzen Peter dem Land Sachsen und dem Bund zu: „Es mehren sich Stimmen, die eine Kostenübernahme für terrorbedingte Sicherungsmaßnahmen von Bund und Ländern einfordert“, antworten die Beamten. Es sei unzweifelhaft, dass die Kosten zur Terrorabwehr eine zusätzliche Belastung für Veranstalter und Kommunen darstellten. Terroranschläge richteten sich gegen die Bundesrepublik Deutschland und ihre Bürger und Bürgerinnen und nicht gegen einzelne Städte oder Veranstalter. Und weiter:

„Daher tragen Bund und Länder die Verantwortung für die Finanzierung von Sicherungsmaßnahmen, die über die übliche Gewährleistung von Sicherheit und Ordnung sowie die Vorsorge vor veranstaltungstypischen Gefahren hinausgehen.“

Dass die Stadt die Kosten zur Sicherung einer Veranstaltung trage, sei hingegen nur „im Einzelfall“ und bei „weiträumigeren Maßnahmen“ möglich.

Freiluft-Bühnen am Volkshaus und der Hafenbar

Vielen Besuchern des Karli-Bebens, zuletzt waren es geschätzt 20.000, dürfte diese Debatte egal sein. Sie hätten gerne – wie in den Vorjahren – friedlich auf der Karli gefeiert. Ein kleiner Trost: Zumindest ein bisschen Open-Air-Feeling kann am 14. April aufkommen. Sowohl die Hafenbar als auch das Volkshaus bauen auf ihren Grundstücken Freiluft-Bühnen auf.

Auf der Bühne im Hinterhof des Volkshauses treten die Leipziger Bands „The Residudes“ und „WILHELM“ auf. Auf der Bühne der Hafenbar stehen laut einer Ankündigung bei Facebook die Country-Gruppe „Helmut Duty“, die Folk-Band „Lotta Sleeps“ und der Electro-Pop-Musiker „Bird Berlin“. Der Eintritt ist überall kostenlos.

Das Karli-Beben fand erstmals 2014 während der Sanierung der Karl-Liebknecht-Straße statt. Mit dem Straßenfest machten die Ladeninhaber und Kneipenbetreiber darauf aufmerksam, dass trotz der Bauarbeiten alle Geschäfte geöffnet haben.

0 Kommentare zu “Karli-Beben 2018: Ein bisschen Open-Air, ein wenig Protest

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.