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Stadt will Karli nicht zur Fahrradstraße machen

Ein Schild weist auf eine Fahrradstraße hin.

Fahrradfahrer erhalten auf der Karl-Liebknecht-Straße alsbald keine zusätzlichen Rechte. Die Stadtverwaltung lehnt den Vorschlag des Leipziger Jugendparlaments für eine „fahrradfreundliche Karli“ rundweg ab. Der ADFC Leipzig bezweifelt die Darstellung der Stadt. Der Ökolöwe sieht großes Potential für den Radverkehr im Süden.

Das Baudezernat der Stadt Leipzig hat sich dagegen ausgesprochen, die Karl-Liebknecht-Straße oder den Peterssteinweg abschnittsweise zu Fahrradstraßen zu erklären. Die Verwaltung empfiehlt, einen entsprechenden Antrag des Jugendparlaments abzulehnen. In dem Verwaltungsstandpunkt dazu heißt es wörtlich: „Auch wenn der Radverkehr zweifellos eine große Bedeutung auf der Karl-Liebknecht-Straße hat, liegt eine grundlegende Veränderung der Verkehrssituation, der Anforderungen an den Straßenraum und der vorzunehmenden Bewertung nicht vor.“ Und weiter:

„Eine Prüfung zur Einrichtung einer Fahrradstraße ist daher entbehrlich, sie kann zu keinem anderen Ergebnis führen.“

Im Klartext: Die Verwaltung möchte ein solches Vorhaben derzeit nicht einmal genauer prüfen. Dazu müssten nämlich die Radfahrer gezählt werden, um zu beurteilen, ob „der Radverkehr die vorherrschende Verkehrsart ist oder dies alsbald zu erwarten ist“. So lautet jedenfalls die gesetzliche Regelung.

Fahrradfahrer auf der Fahrradstraße in der Beethovenstraße.
Die Beethovenstraße an der Albertina machte die Stadt vor kurzem zu einer Fahrradstraße. Bild: Karli.blog/Alexander Laboda

ADFC Leipzig widerspricht

Dabei ist die Karli nach früheren amtlichen Erhebungen die Straße mit dem meisten Radverkehr in Leipzig. Auf Höhe des Südplatzes zählte man in der Vergangenheit bis zu 9.000 Radfahrer täglich. Zudem nahm der Radverkehr in den vergangenen Jahren nochmals kräftig zu. Nach Zählungen des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs Leipzig (ADFC Leipzig) fahren auf der Karli aktuell täglich bis zu 12.000 Radfahrer. Nach Ansicht des Verbandes würde das knapp ausreichen, um eine Fahrradstraße zu rechtfertigen.

Auf Anfrage des Karli.blog hat der ADFC Leipzig allerdings schon früher auf die grundsätzlich schwierige Gesetzeslage hingewiesen. Der Verband zitierte aus einem Fachartikel zum Thema, in dem es heißt:

„Wenn Voraussetzung und Ergebnis einer Maßnahme nahezu identisch sind, ist es für die Verwaltung in der Tat schwer, diese umzusetzen.“

Oder anders formuliert: Um Fahrradstraßen einzurichten, soll der Radverkehr dominierend sein – was aber erst durch die Maßnahme selbst herbeigeführt würde. Die Katze beißt sich in den Schwanz.

Ökolöwe sieht viele Möglichkeiten

Der Leipziger Umweltverband Ökolöwe plädiert auch vor diesem Hintergrund für andere Maßnahmen, um dem gestiegenen Radverkehr auf der Karli Rechnung zu tragen. Tino Supplies, verkehrspolitischer Sprecher, sagte dem Karli.blog vor der Entscheidung der Stadtverwaltung: „Man sollte darüber nachdenken, die Radwege in der Karli breiter zu machen. Gleichzeitig muss dafür gesorgt werden, dass die Radwege nicht mehr gefährlich zugeparkt werden. Da darf gern auch mal abgeschleppt werden. Auch die Ampelschaltung ist noch nicht gut gelöst. Warum nicht mal die Grüne Welle für den Radverkehr in der Karli testen?“

Radfahrerin auf der Karl-Liebknecht-Straße.
Auf der Karl-Liebknecht-Straße sind immer mehr Menschen mit dem Rad unterwegs. Foto: Karli.blog/Alexander Laboda

Daneben könnte der Radverkehr nach Einschätzung des Ökolöwen sehr gut an anderen Stellen im Leipziger Süden gefördert werden. So plädiert der Umweltverband  seit Jahren dafür, die Bernhard-Göring-Straße in eine Tempo-30-Zone zu verwandeln und für Radler in beide Richtungen zu öffnen. Außerdem bringt der Ökolöwe die Fockestraße als weitere Süd-Nord-Trasse ins Spiel. Dort dominiere der Radverkehr bereits. Außerdem brauche die Arthur-Hoffmann-Straße als weitere „wichtige Magistrale“ dringend ordentliche Radfahrstreifen und Straßenbäume.

Weiterhin plädiert der Ökolöwe dafür, in der Südvorstadt auch Ost-West-Verbindungen in den Blick zu nehmen. Dabei sollten Anschlüsse an das neue Viertel am Bayerischen Bahnhof berücksichtigt werden, erklärt Verkehrsexperte Supplies: „Wenn man sich das anschaut, fallen die Hohe Straße, die Körnerstraße oder die Steinstraße ins Auge.“

Ratsversammlung könnte anders entscheiden

Und wie geht es mit der Karli weiter? Der ADFC Leipzig weist daraufhin, dass die Ratsversammlung der Empfehlung der Verwaltung nicht zu folgen braucht. Die Stadträte könnten beschließen, dass eine Zählung des Radverkehrs durchgeführt werden muss. Eine händische Erfassung wäre dabei nicht einmal zwingend notwendig. Seit April gibt es auf Höhe der Braustraße Messtellen für den Radverkehr.

Der Karli.blog hat übrigens bei der Stadt bereits vor einem Monat angefragt, ob und wo die Verwaltung Potential für Fahrradstraßen in Leipziger Süden sieht. Eine Antwort kam bislang nicht.

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