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Jugendparlament will Karli zur Fahrradstraße machen

Ein Mann fährt mit seinem Fahhrad auf der Karl-Liebknecht-Straße in Leipzig.

Nirgends in Leipzig fahren so viele Radfahrer wie auf der Karl-Liebknecht-Straße. Das Leipziger Jugendparlament möchte die Karli deshalb zur Fahrradstraße umwidmen. Autos sollen dort aber auch weiter fahren.

Fahrradfahrer sollen auf der Karl-Liebknecht-Straße Vorfahrt bekommen – zumindest, wenn es nach dem Willen des Leipziger Jugendparlaments geht. Einen entsprechenden Antrag reichte das neu gewählte Jugendparlament kurz vor Ostern bei der Stadtverwaltung ein. Demnach soll das Rathaus bis Ende des Jahres prüfen, ob auf der Karli sowie dem Peterssteinweg eine Fahrradstraße ausgewiesen werden kann.

In dem Antrag heißt es: „Die Karl-Liebknecht-Straße erweist sich immer mehr als eine durch den Radverkehr vielbefahrene Straße. Häufig reicht der enge Fahrradweg nicht aus, um die Menge an Radfahrer*innen zu fassen. Ganz zu schweigen von PKW und LKW, die regelmäßig den Fahrradweg verstellen. Wir schlagen daher vor zu prüfen, ob die Karl-Liebknecht-Straße, auch abschnittsweise, zur Fahrradstraße umgewidmet werden kann.“

Vorfahrt fürs Rad und Tempo 30

Fahrradstraßen sind normalerweise ausschließlich dem Radverkehr vorbehalten. So weit wollen die Abgeordneten des Jugendparlaments aber nicht gehen. Autos sollen die Karli weiter befahren dürfen. Es geht laut des Antrags aber darum, dem „Radverkehr Vorrang zu gewähren, das überholen zu ermöglichen und dadurch den Verkehr für Radfahrer*innen sicherer zu machen.“

Konkret würde das bedeuten, dass Radfahrer jederzeit nebeneinander fahren dürfen und die Geschwindigkeit vorgeben. Die Karli und der Peterssteinweg im Abschnitt zwischen Dimitroffstraße und Emilienstraße würden zu einer Tempo-30-Zone werden.

Diskussion vor Karli-Sanierung

Ganz neu ist der Vorschlag nicht: Vor dem großen Umbau der Karli vor vier Jahren wurde ebenfalls diskutiert, aus der Karli eine Fahrradstraße zu machen. Seinerzeit verwies die Stadt aber auf Pläne, stattdessen die parallel verlaufende Bernhard-Göring-Straße für Radfahrer herzurichten. Daraus wurde jedoch, trotz guter Absichten, bis heute nichts. Die Krux: Würde man die Bernhard-Göring-Straße zur Fahrradstraße und damit zur Tempo-30-Zone machen, würde der Verkehr auf der Arthur-Hoffman-Straße zunehmen. In der Folge würden dort laut eines Gutachtens der Stadt die Stickoxid-Grenzwerte überschritten werden.

Fahrradstraßen haben in Leipzig Seltenheitswert. Bislang gibt es lediglich Fahrradstraßen am Dittrichring in der Innenstadt sowie auf zwei Abschnitten der Straße des 18. Oktober. Weitere Umwidmungen beschloss der Stadtrat für das Gebiet rund um die Albertina im Musikerviertel – ebenfalls auf Antrag des Jugendparlaments.

Focke- und Kochstraße mögliche Fahrradstraßen

Allerdings sieht der Radverkehrsentwicklungsplan 2010 – 2020 (PDF) der Stadt eigentlich eine ganze Reihe von Fahrradstraßen vor. Nach Stand von 2012 (!) sollte etwa auch für die Fockestraße und die Kochstraße geprüft werden, ob dort Fahrradstraßen eingerichtet werden können.

Auf der Karl-Liebknecht-Straße könnte indes in den kommenden Jahren eine Abstimmung mit Pedalen erfolgen. Seit kurzem misst die Stadt nämlich, wie viele Radfahrer tatsächlich auf der Karli fahren. Falls die realen Zahlen weit über den stichprobenartigen Zählungen liegen, dürfte das dem Anliegen des Jugendparlaments Schub geben.

1 Kommentar zu “Jugendparlament will Karli zur Fahrradstraße machen

  1. Peter Komarowski

    Sehr cool, vielen Dank Jugendparlament! Ich kann den Vorstoß nur begrüßen. 🙂
    Seit Jahren bin ich als Radfahrer mehrfach täglich auf der Karli unterwegs und die Situation hat sich im Laufe der Zeit deutlich verschärft. Der Autoverkehr hat zugenommen und damit leider auch die Zahl derer, die wenig Rücksicht auf Radfahrer nehmen und Sicherheitsabstände oder Vorfahrtsregeln nicht einhalten. Auf wirklich jeder Fahrt stoße ich auf mindestens ein Fahrzeug, das den Radweg zuparkt. Hinzu kommt die ständige Angst, dass die Tür von einem der rechtsparkenden Autos plötzlich aufgeht – oft genug hatte ich schon brenzlige Situationen deswegen. Und nicht zuletzt natürlich die zahlreichen Schlaglöcher. Alles in allem fühle ich mich als Radfahrer auf der Karli nicht so sicher, wie ich es gern würde. Und ich vermisse die Zeit, als die Karli noch eine Baustelle war. 😉

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