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Kita-Eklat um Sozialwerk: Stadt rechnet mit nahtlosem Übergang

Die Kita "Familiengarten" in der Leipziger Südvorstadt.

Hoffnung für 600 Kinder und ihre Eltern in der Südvorstadt, Connewitz und Mölkau: Die Stadt Leipzig geht davon aus, dass die bisher von der Sozialwerk gGmbH betriebenen Kitas in den Stadtteilen nach dem 31. Juli nahtlos weiter betrieben werden. „Es gibt momentan keine Anzeichen, daran zu zweifeln. Die Verhandlungen laufen gut“, sagte die Leiterin der Abteilung Kindertagesstätten in der Stadtverwaltung, Petra Supplies, am Mittwochabend im Stadtbezirksbeirat Süd. Elternvertreter zeigten sich hingegen skeptisch und kritisierten den aus ihrer Sicht laschen Umgang der Stadt mit dem in die Kritik geratenen Kita-Träger.

Die Stadt rechnet nach Angaben der Abteilungsleiterin Ende kommender Woche mit einer Entscheidung darüber, welcher Träger die Einrichtungen von der Sozialwerk gGmbH übernimmt. In der engeren Auswahl stehen demnach zwei Träger, die bereits mehrere Kitas in der Stadt betreiben: die zur Diakonie gehörenden BBW-Kindertagesstätten sowie die Fröbel-Gruppe, die Mitglied des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes ist.

Entscheidung über Nachfolger liegt bei Sozialwerk gGmbH

Die Kita "Familiengarten" in der Schenkendorfstraße wurde bisher von der Sozialwerk gGmbH betrieben.
Die Kita „Familiengarten“ in der Schenkendorfstraße soll erhalten bleiben nachdem der bisherige Träger, die Sozialwerk gGmbH, hingeschmissen hat. (Foto: Karli.blog/Alexander Laboda)

Wenn es nach der Stadt Leipzig geht, werden alle Einrichtungen vom selben Träger übernommen. „Wir sind als Stadt aber leider nicht Herr des Verfahrens. Die Entscheidung liegt bei der Sozialwerk gGmbH“, sagte Petra Supplies. Betroffen sind die Kita „Familiengarten“ in der Schenkendorfstraße samt der dazugehörigen Tagespflege und Autismusambulanz, die Kita „Biedermann“ in der Biedermannstraße sowie der Bauernhofkindergarten in Mölkau. Die BBW will offenbar sämtliche Einrichtungen übernehmen, die Fröbel-Gruppe lediglich die drei Kitas.

Sorge um Verbleib der Erzieher

Elternvertreter machten in der Beiratssitzung ihrem Unmut Luft. „Wir sind von einer stabilen Betreuungssituation weit entfernt“, berichtete eine Mutter aus der Kita „Biedermann“. Viele Erzieher seien im Urlaub oder krankgeschrieben. Die Sorge sei groß, dass sich die Pädagogen  aufgrund der ungeklärten Situation neue Stellen suchen und die Kita ab August ohne Personal dasteht.

Elternvertreter fordern Sanktionen

Eine Vertreterin des Stadtelternrates stellte den Umgang der Stadt mit der Sozialwerk gGmbh infrage. Der Träger habe immerhin Fördergelder erhalten und sich verpflichtet, Kitas an den Standorten zu betreiben. Die Stadt müsse daher notfalls Vertragsstrafen androhen oder auf anderem Wege Druck aufbauen, etwa mit Betriebsprüfungen. Auch eine Übernahme der Kitas durch die Stadt sei in letzter Konsequenz rechtlich möglich, sagte die Elternvertreterin.

Stadt prüft rechtliche Mittel

Kita-Abteilungsleiterin Supplies wies siede Forderungen zurück. Es gehe nun in erster Linie darum, den Übergang zu einem neuen Träger nicht zu gefährden. „Da ist es kontraproduktiv, zu drohen oder irgendwelche Druckmittel einzusetzen. Zumal die Gespräche nach unserer Ansicht ordentlich verlaufen“, sagte Supplies. Die Stadt prüfe gleichwohl selbstverständlich ihre rechtlichen Möglichkeiten.

Auslöser: Betriebsratsgründung

Die Sozialwerk gGmbH hatte Mitte Mai völlig überraschend – und dem Vernehmen nach teilweise rechtswidrig – allen Mitarbeitern der Kitas gekündigt und der Stadt mitgeteilt, die Einrichtungen nicht weiter betreiben zu wollen. Auslöser war nach Angaben der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW), dass die Mitarbeiter einen Betriebsrat gründen wollten. Der Träger stand dafür heftig in der Kritik. Das Unternehmen wies die Vorwürfe zurück.

1 Kommentar zu “Kita-Eklat um Sozialwerk: Stadt rechnet mit nahtlosem Übergang

  1. Es ist gut das die BBW Leipzig Gruppe die Autismusambulanz und Fröbel die 3 Kindergärten übernommen haben.
    Ich reinige die Autismusambulanz (ich arbeite selbst für die BBW Gruppe) in der Schenkendorfstraße 10 und war über die gesamte Stimmung während der Ungewissheit erschrocken..

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