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Landtagswahl: CDU gewinnt den Leipziger Süden

Wahlplakate zur Landtagswahl in der Südvorstadt.

Die Landtagswahl endete im Leipziger Süden mit einem überraschenden Ergebnis: In der Hochburg von Linken und Grünen wurde die CDU stärkste Kraft. Linken-Kandidatin Juliane Nagel konnte dennoch wieder das Direktmandat holen. Ergebnisse und Reaktionen im Überblick.

Die CDU hat bei der Landtagswahl im Leipziger Süden die meisten Stimmen erhalten. In der Südvorstadt und Connewitz sowie den Ortsteile Probstheida, Dölitz-Dösen, Liebertwolkwitz, Lößnig, Marienbrunn und Meusdorf erzielte die Partei 22,9 Prozent. Knapp dahinter landeten mit 21,5 Prozent die Grünen und die Linken mit 20 Prozent. Die AfD bekam 13 Prozent der Stimmen, die SPD 10,6 Prozent.

Ergebnis der Zweitstimmen zur Landtagswahl im Leipziger Süden

Bei der Direktwahl stellte sich das Ergebnis am Sonntagabend deutlich anders dar. Juliane Nagel verteidigte hier mit deutlichem Vorsprung ihr Landtagsmandat. Die Linken-Politikerin bekam 27,4 Prozent der Stimmen. Nagel schlug ihre Mitbewerber Karsten Albrecht von der CDU und Paula Piechotta damit deutlich. Albrecht kam als Zweitplatzierter auf lediglich 21,1 Prozent der Stimmen.

Ergebnis der Erststimmen zur Landtagswahl im Leipziger Süden

Taktische Wähler?

Der Kontrast zwischen Erst- und Zweitstimmenergebnis spricht in der Analyse dafür, dass viele Wählerinnen und Wähler im Leipziger Süden taktisch gewählt haben. Sie wollten offenbar verhindern, dass die AfD sachsenweit stärkste Partei wird.

Für diese These spricht auch die extreme Diskrepanz zu den Ergebnissen bei der Stadtratswahl und der Europawahl. Bei der Stadtratswahl Ende Mai erreichte die CDU im Leipziger Süden nur einen Stimmenanteil von 12,3 Prozent. Die Linke triumphierte seinerzeit mit 30,4 Prozent. Bei der Europawahl wurden hingegen die Grünen mit Abstand stärkste Partei in der Südvorstadt, Connewitz und den weiteren südlichen Ortsteilen. Die CDU rangierte hinter Grünen und der PARTEI nur als vierte Kraft.

Enttäuschte Linke

Juliane Nagel zeigte sich trotz ihrer Wiederwahl tief enttäuscht vom Wahlergebnis. Am Montagmorgen twitterte sie mit Blick auf das Ergebnis im gesamten Freistaat: „Ich muss gerade weinen. Das Ergebnis für meine Partei ist bitter. Der rechte Block immens groß. Bitte helft mit, dass Leipzig-Süd widerständig bleibt.“

Am Abend zuvor hatte sich Nagel allerdings auch kämpferisch präsentiert. Dem MDR sagte sie: „Meine Aufgabe für die nächsten fünf Jahre: Die Entzauberung der AfD und natürlich auch der Partei, die die Verhältnisse in Sachsen über 30 Jahre geprägt hat. Gegen diesen Machtblock mit fast 60 Prozent will ich ankämpfen und dem politisch etwas entgegensetzen“

Parteikollegen von Nagel äußerten sich ähnlich. Sören Pellmann, Bundestagsabgeordneter der Linken aus dem Leipziger Süden, sagte dem „Neuen Deutschland“ zum Wahlausgang:

„Es macht mich schon traurig, dass jeder Vierte in Sachsen rechtsextrem, beziehungsweise Rechtsaußen gewählt hat.“ – Sören Pellmann

Grünen-Kandidatin Paula Piechotta, die den Einzug in den Landtag verpasste, gab sich angesichts des Wahlergebnisses entschlossen: „Liebe Menschen im Leipziger Süden, vielen Dank für all eure Stimmen! Wir sind heute im Süden erstmals zweitstärkste Partei geworden! Und zum landesweiten Ergebnis so insgesamt: Es wäre nicht Sachsen, wenn es einfach wäre. Wir bleiben und kämpfen weiter.“

SPD unter ferner liefen

Lange Gesichter gab – fast schon wie gewohnt – bei der SPD. Die Leipziger Bundestagsabgeordnete Daniela Kolbe schrieb bei Twitter von einem „krassen Rechtsruck“. Dies sei aber „ein Ansporn für die gesamte politische Linke, überzeugende Antworten auf die Fragen unserer Zeit zu erarbeiten“.

Der Leipziger SPD-Chef Holger Mann schob das schlechte Ergebnis seiner Partei auf das oben erwähnte taktische Wahlverhalten. „Ich glaube, dass der Zweikampf zwischen CDU und AfD viele zu einer strategischen Wahl veranlasst hat. Und profitiert haben wir davon nicht“, sagte Mann der LVZ.

Christopher Zenker, SPD-Stadtrat aus dem Süden, postete bei Facebook einen Beitrag zum Beginn des Zweiten Weltkrieges vor 80 Jahren und schrieb dazu: „Wohin Rechtspopulismus, Rechtextremismus und Nationalismus führen können haben offenbar viel zu viele vergessen.“

Freude bei CDU und AfD

Große Freude gab demgegenüber bei der CDU. Die Leipziger Christdemokraten schrieben bei Facebook: „Ein großes Dankeschön an alle Wählerinnen und Wähler, die uns bei der Landtagswahl ihre Stimme und ihr Vertrauen gegeben haben. Wir sind klar stärkste Kraft in Sachsen geworden.“ und weiter:

„Es ist ein starkes Votum für unseren Ministerpräsident Michael Kretschmer.“
– CDU Leipzig

Auch die AfD war in Feierlaune. Roland Ulbrich, AfD-Stadtrat aus dem Leipziger Süden, schaffte über die Landesliste seiner Partei den Einzug in den Landtag. Ulbrich schrieb bei Facebook: „Sprung in den sächsischen Landtag geschafft! Dank an Wähler und Unterstützer!“

Thomas Kumbernuß holte als Kandidat der Satire-Partei PARTEI im Leipziger Süden beachtliche 4,2 Prozent. Er sagte der LVZ zum Wahlergebnis; „Jeder Dritte, Vierte, der gewählt hat, ist bekennender Faschist. Das ist sehr traurig.“

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