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Stadt Leipzig lässt Leuchtreklamen auf der Karli entfernen

Fehlende Leuchtreklame in der Karl-Liebknecht-Straße in Leipzig.

Erst am Freitag feierte die Stadt Leipzig mit einem Feuerwerk die Neu-Installation der historischen Leuchtreklame „Mein Leipzig lob‘ ich mir“ an den Höfen am Brühl. An anderer Stelle sorgt die Stadtverwaltung derweil dafür, dass leuchtende Schriftzüge verschwinden. So geht das Ordnungsamt seit Monaten gegen die Außenwerbung von Gewerbetreibenden auf der Karl-Liebknecht-Straße vor. Einige Händler mussten ihre Leuchtreklame bereits entfernen. Vielen weiteren Geschäftsleuten droht ebenfalls Ärger.

Als Thomas Steinhof im Januar den Brief der Leipziger Stadtverwaltung in Händen hielt, war die Verblüffung groß. Unter Androhung eines Zwangsgeldes in Höhe von 200 Euro, forderte das Ordnungsamt den Geschäftsmann schriftlich auf, die Leuchtreklame an seinem Laden in der Karl-Liebknecht-Straße 93 zu entfernen. Dort betreibt Steinhof seit 2004 ein Geschäft für Wasserpfeifen und anderes Rauchzubehör mit angeschlossenem Piercing-Studio. Fast ebenso lange warb draußen der Leuchtkasten mit der Aufschrift „Piercing & Headshop“ für Steinhofs Dienste – und bisher störte das auch niemanden: „Der Kasten hing dort über zehn Jahre. Ich muss gestehen, dass ich die Anbringung nie beantragt hatte. Aber da ist nie jemand vom Amt gekommen, um das zu beanstanden“, erzählt Steinhof.

Eine Leuchtreklame mit der Aufschrift "Piercing und Headshop".
Liegt nun im Abstellraum: Die Leuchtreklame von Thomas Steinhof. (Foto: Karli.blog/Alexander Laboda)

Steinhof reagierte pragmatisch. Er bezahlte das Zwangsgeld, ignorierte aber die Aufforderung zur Demontage. „Ich hätte sogar weiterhin alle paar Monate das Geld bezahlt, weil der Leuchtkasten sehr wichtig ist, damit uns die Leute finden“, sagt er. Doch es kam anders. Wenige Monate nach dem ersten Brief ließ das Ordnungsamt einen weiteren folgen, dieses Mal mit einem zu zahlenden Betrag von über 500 Euro. „Das wurde mir dann zu viel und wir haben den Kasten abgenommen“, erklärt Steinhof. Folgenlos blieb das nicht: „Da kamen dann die Leute und fragten, ob wir den Laden schließen. Das ist definitiv geschäftsschädigend.“

Keine Genehmigung, fehlender Denkmalschutz

Das alles ist kein Einzelfall. Nach Recherchen des Karli.blog haben mehrere Gewerbetreibende auf der Karli Post oder gar persönliche Besuche vom Ordnungsamt bekommen. Zusätzlich betroffen sind die beiden italienischen Restaurants „La Strada“ und „L’Angolo“ auf Höhe des Südplatzes sowie der Pub „Pie Maker“ in der Karl-Liebknecht-Straße 70. Dem Vernehmen nach haben auch das Restaurant „Devino“ im selben Haus sowie die bekannte Tischfußall-Kneipe „Kickers In“ Ärger mit dem Amt. Der Grund ist überall derselbe: Nicht genehmigte „Anlagen der Außenwerbung“, wie es im Amtsdeutsch heißt, die gegen den Denkmalschutz verstoßen.

Das Restaurant „La Strada“ hat seine Leuchtreklame bereits abgenommen. Nebenan im „L’Angelo“ weigert sich der Geschäftsführer bislang noch, der Aufforderung des Amtes zur Entfernung nachzugeben, wie die langjährige Angestellte Doreen Wölm berichtet: „Der Chef ignoriert das gerade noch. Strafe haben wir aber bereits bezahlt. Auch ein Rechtsanwalt gab die Auskunft, das da wohl nichts zu machen ist“. In der italienischen Gaststätte ist das Unverständnis groß: „Das Schild über unserer Tür hängt da schon seit 20 Jahren. Wie kommt man jetzt auf die Idee, das zu beanstanden?“

Weitere Händler könnten Post vom Amt bekommen

Diese Frage beantwortet die amtierende Leiterin des Amtes für Bauordnung und Denkmalpflege, Kathrin Rödiger, auf Nachfrage des Karli.blog schriftlich. Sie verweist auf die umfassende Neugestaltung der Karli in den vergangenen Jahren und schreibt: „Durch diese Arbeiten war das Erscheinungsbild beziehungsweise die Wirkung des denkmalgeschützten Straßenzuges sowie der denkmalgeschützten Gebäude leider stark beeinträchtigt.“ Und weiter:

„Mit der Aufwertung des Erscheinungsbildes gewinnt das Vorgehen gegen ungenehmigte Werbeanlagen nun an Gewicht.“

Gegen wie viele Händler auf der Karli die Stadt Leipzig in diesem Jahr Maßnahmen eingeleitet hat, will das Amt nicht verraten. Die Ausführungen der Amtsleiterin deuten aber daraufhin, dass demnächst weitere Gewerbetreibende mit Kostenbescheiden und Zwangsgeldandrohungen rechnen müssen.

Auf die Frage, warum gerade gegen die bislang bekannten Geschäfte vorgegangen wurde, antwortet die Stadt nämlich: „Das Vorgehen gegen ungenehmigte Werbeanlagen orientiert sich an einer ganzen Reihe unterschiedlicher Kriterien. Dazu gehört beispielsweise der denkmalpflegerischer Wert des Gebäudes, der Sanierungszustand, die grundsätzliche Genehmigungsfähigkeit oder auch das Maß der Beeinträchtigung des Kulturdenkmals. Anhand dieser und weiterer Aspekte werden systematisch Prioritäten festgelegt, die nun abschnittsweise umgesetzt werden.“

Viel Denkmalschutz, aber keine einheitlichen Regeln

Das mögliche Ausmaß des Problems zeigt eine Datenbank auf der Internetseite des sächsischen Landesamtes für Denkmalpflege. Dort sind alle denkmalgeschützten Gebäude im Freistaat erfasst. Auf einer Karte lassen sich auch einzelne Stadtteile und Straßen darstellen. Wer hier nach der Karl-Liebknecht-Straße sucht, sieht vor allem eines: viele rot markierte Gebäude. Diese Farbmarkierungen bedeuten, dass auf der Karli die weit überwiegende Zahl der Gebäude unter Denkmalschutz steht (siehe Screenshot).

Eine Karte zeigt die denkmalgeschützten Gebäude in der Leipziger Südvorstadt.
Denkmalgeschützte Gebäude in der Leipziger Südvorstadt auf einer Karte des Landesamtes für Denkmalpflege. (Screenshot: Karli.blog)

Was heißt das nun für die Gaststätten und Geschäfte auf der Karli, die vielfach mit auffälliger Außenwerbung auf sich aufmerksam machen? Das lässt sich im Moment kaum sagen. Denn die Stadtverwaltung entscheidet im Einzelfall. „Einheitliche Regelungen für zum Beispiel Größe oder Art der Beleuchtung von Werbeanlagen gibt es nicht, da im jeweiligen Einzelfall zum Beispiel Architekturgliederungen der betreffenden Gebäude sowie das gestalterische Einfügen der Werbeanlage in die denkmalgeschützte Umgebung zu beurteilen sind“, erläutert Amtsleiterin Kathrin Rödiger.

Viel Aufwand und hohe Kosten

Vor Strafen sicher sind diejenigen Geschäfte, die über eine amtliche Genehmigung verfügen. Sie genießen in jedem Fall Bestandsschutz, und zwar auch dann, wenn ihre Genehmigungen etwa noch aus DDR-Zeiten stammen und heutigen Vorschriften und Vorstellungen des Denkmalschutzes nicht mehr entsprechen.

Außenwerbung an einem Bäcker. Die einzelnen Buchstanben entsprechen dem Denkmalschutz.
So ist es richtig: Einzelne Buchstaben, indirekt beleuchtet. Leuchtreklame der Bäckerei Wendl unweit des Headshops von Thomas Steinhof. (Foto: Karli.blog/Alexander Laboda)

Headshop-Betreiber Thomas Steinhof hat sich bereits beim Amt informiert. „Ich darf nur Einzelbuchstaben auf einer Metallschiene anbringen, die wiederum nur indirekt beleuchtet werden. Eine Werbeagentur müsste mir dazu aber erstmal Entwürfe anfertigen, die dann von der Stadt begutachtet und genehmigt werden müssen“, berichtet er. Bis zu drei Monate könne das Genehmigungsverfahren dauern. „Ein riesiger bürokratischer Aufwand“, findet Steinhof. Er rechnet mit Kosten für seine neue Leuchtreklame von mindestens 2.000 Euro.

2 Kommentare zu “Stadt Leipzig lässt Leuchtreklamen auf der Karli entfernen

  1. Oh man, den Bürokraten steigt echt die Hitze zu Kopf…

  2. Ich denk, die Superbürokraten hätten sich erst der Innenstadt widmen können. Denkmalsschutz??? Wenn die Damen und Herren vom „Bauordnungsamt“ ihre Geldeintreiberei wirklich konsquent bewerkstelligen würden, wäre die Peterstrasse als erstes fällig. Aber dafür sind diese Leute sicher zu feig.

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