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Mieten in der Südvorstadt steigen kräftig

Der aktuelle „Monitoringbericht Wohnen“ der Stadt bestätigt, was viele bereits wussten oder ahnten: Wer bereits eine Wohnung in Leipzig hat, sollte aus finanzieller Sicht lieber nicht umziehen, schon gar nicht in einen Neubau. Auch im Leipziger Süden sind die Mieten deutlich gestiegen. SPD und Linke fordern die Einführung der Mietpreisbremse.

Wohnen in Leipzig wird kontinuierlich teurer. Wie aus dem Ende vergangener Woche veröffentlichten „Monitoringbericht Wohnen“ der Stadtverwaltung hervorgeht, stieg die durchschnittliche Nettokaltmiete von 2013 bis 2017 in Bestandswohnungen um über zehn Prozent auf 5,62 Euro pro Quadratmeter. Bei Neuvermietungen sind durchschnittlich 6,59 Euro pro Quadratmeter fällig. Einen ganz eigenen Markt bilden die Neubauten. Wohnungen, die nach 2005 gebaut wurden, kosteten 2017 im Schnitt 10 Euro pro Quadratmeter.

Hohe Mieten in der Südvorstadt

Der Leipziger Süden gehört laut dem Bericht zu den teuersten Gegenden. In der Südvorstadt bewegten sich die durchschnittlichen Bestandsmieten 2017 zwischen 6,00 Euro und 6,49 Euro pro Quadratmeter. 2015 lagen die Mieten noch bei 5,50 bis 5,99 Euro. Die Angebotsmieten stiegen im untersuchten Zeitraum auf ein Niveau zwischen 7,50 und 8,39 Euro. Nirgends außerhalb des Zentrums sind Wohnungen damit im Durchschnitt so teuer wie in der Südvorstadt. Über die Mieten in Neubauten macht der Bericht auf Ebene der einzelnen Stadtteile keine Angaben.

Noch mehr Miete müssen die Menschen unter anderem im Zentrum-Süd bezahlen. Dort lag die durchschnittliche Nettokaltmiete 2017 zwischen 6,50 und 6,79 Euro. Die durchschnittliche Angebotsmiete betrug 7,50 bis 8,39 Euro. Der Anstieg ist ähnlich wie in der Südvorstadt.

Weniger dynamisch verlief die Entwicklung den Angaben zufolge in Connewitz. Dort ging die durchschnittliche Nettokaltmiete im Bestand überraschenderweise sogar leicht zurück – von 6,00 bis 6,39 Euro im Jahr 2015 auf 5,65 bis 5,99 Euro im Jahr 2017. Die Angebotsmieten wurden aber auch hier teuer und stiegen von 6,10 bis 6,59 auf 6,60 bis 7,49 Euro.

Starkes Bevölkerungswachstum

Verantwortlich für den Anstieg der Mieten ist das Verhältnis von Angebot und Nachfrage. In Leipzig leben immer mehr Menschen bei nur langsam zunehmendem Wohnungsangebot. Laut den neuesten Angaben der Stadt lebten 2018 in Leipzig 596.517 Menschen, rund 45.000 mehr als 2014. Das entspricht einem Anstieg von gut acht Prozent.

Baustelle für neue Wohnungen an der August-Bebel-Straße
Baustelle an der August-Bebel-Straße: Die wenigen neuen Wohnungen in Leipzig werden teuer vermietet. (Foto: Karli.blog/Alexander Laboda)

In den südlichen Stadtteilen nahm die Bevölkerung ebenfalls kräftig zu. In der Südvorstadt lebten 2018 rund 25.800 Menschen, gut 1.500 mehr als 2014. Ein Zuwachs von 6,3 Prozent. Noch stärker war der Anstieg im Zentrum-Süd mit etwa 8,6 Prozent. Dort leben aktuell knapp 13.400 Menschen, rund 1.000 mehr als 2014. In Connewitz nahm die Bevölkerung zwischen 2014 und 2018 um ungefähr 800 Personen auf 18.900 zu.

Der Wohnungsbau hinkt dem Anstieg hinterher. Allein von 2017 auf 2018 wuchs die Leipziger Bevölkerung um 6.000 Menschen. Durch Neubau und Sanierung entstanden laut dem „Monitoringbericht Wohnen“ im Jahr 2017 aber nur rund 1.650 neue Wohnungen. Gut die doppelte Anzahl wäre nötig gewesen, da statistisch etwa 1,75 Personen einen Haushalt bilden.

Geringer Leerstand, wenige Umzüge

Das alles bleibt nicht ohne Auswirkungen. Der marktaktive Leerstand, also der Anteil der am Markt verfügbaren Wohnungen, liegt inzwischen bei unter zwei Prozent, was unter Experten als kritische Größe gilt. 2012 lag die Quote noch bei 6,8 Prozent.

Außerdem hat die Umzugsquote innerhalb der Stadt deutlich abgenommen. 2017 wechselten nur noch 8,7 Prozent der Leipziger ihre Wohnung. 2007 lag der Wert noch bei 10,4 Prozent. Oder anders ausgedrückt: Wer nicht umziehen muss, der tut es häufig auch nicht mehr.

SPD will Mietpreisbremse für Leipzig

Wohnungen und Mieten stehen bereits seit Jahren auf der politischen Agenda. Die Veröffentlichung des Monitoring-Berichts nahm am Wochenende die Leipziger SPD zum Anlass für einen erneuten Vorstoß. Sie fordert in einer Pressemitteilung die Einführung der Mietpreisbremse in Leipzig. Henrik Fischer, Sprecher des Arbeitskreises Umwelt und Stadtentwicklung, wird dort mit den Worten zitiert:

„Wir fordern die sofortige Aktivierung der Mietpreisbremse für Leipzig, alles andere geht an der Realität vorbei!“

Die Mietpreisbremse müsste die Landesregierung in Dresden beschließen. Dort sitzt die SPD mit am Kabinettstisch, macht aber die CDU dafür verantwortlich, dass die Mietpreisbremse noch nicht eingeführt wurde. Fischer: „Diese CDU-Politik schadet allen, die eine neue Wohnung suchen, beispielsweise Familien, die zum Umzug gezwungen sind“.

Auch die Leipziger Linke fordert in ihrem aktuellen Kommunalwahlprogramm übrigens die Einführung der Mietpreisbremse in Leipzig. Andere Parteien haben sich dazu (noch) nicht positioniert.

Kappungsgrenze hält Anstieg kaum auf

Bei Mieterhöhungen gilt in Leipzig derzeit schon eine sogenannte abgesenkte Kappungsgrenze, die Vorstufe der Mietpreisbremse. Bei bestehenden Mietverträgen dürfen Mieten nur noch um maximal 15 Prozent innerhalb von drei Jahren bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete erhöht werden. Mit diesem Instrument wird folglich der Anstieg der Mieten im Bestand gesenkt.

Das hat auf die Angebotsmieten nur geringe indirekte Effekte. Wie schnell die Mieten steigen  zeigt ein Blick in die einschlägigen Wohnungsportale. „Immobilienscout24“ gibt für das Jahr 2018 in der Südvorstadt eine Durchschnittsmiete von 8,36 Euro an. „Immowelt“ meldet für Februar 2019 sogar eine durchschnittliche Kaltmiete pro Quadratmeter von 8,80 Euro.

2 Kommentare zu “Mieten in der Südvorstadt steigen kräftig

  1. Peter Komarowski

    Danke für die Zahlen. Wieder mal ein Beleg für die gefühlte Realität. In meinem Umfeld in der Südvordtadt steigt nicht nur die Durchschnittsmiete durch viele Luxus-Neubauten, auch die Bestandsmieten. Die Miete meiner direkten Nachbarin im Haus beispielsweise wurde vergangenes Jahr um zehn Prozent erhöht, wegen „gestiegener Lebensqualität“. Ich blieb bislang verschont, weil meine Wohnung offenbar einen anderen Eigentümer hat. Mal gucken, wie lange noch.

  2. Der Anstieg der Angebotsmieten hat mit der Modernisierung der Wohnungen und Verbesserung der Lebensqualität zu tun. Ich finde es toll, daß noch so viel gebaut wird, die Wohnqualität steigt und Leipzig immer attraktiver wird. Sobald die Mietendeckelung kommt ist das vorbei.

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