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In der Südvorstadt leben wenige Migranten und Ausländer

Eine Deutschlandfahne an einem Wohnhaus.

In der Leipziger Südvorstadt und Connewitz wohnen im Verhältnis wesentlich weniger Migranten und Ausländer als in anderen Stadtteilen. Der Leipziger Migrantenbeirat macht dafür auch Rassismus und Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt verantwortlich.

Im Leipziger Süden leben unterdurchschnittlich wenige Ausländer und Menschen mit Migrationshintergrund. Das geht aus Statistik „Migrantinnen und Migranten in Leipzig 2018“ (Faltblatt als PDF) hervor, die von der Stadtverwaltung kürzlich veröffentlicht wurde. Demnach lag der Anteil der Migranten im gesamten Stadtgebiet Ende 2017 bei durchschnittlich 14,1 Prozent. In der Südvorstadt beträgt der Anteil jedoch lediglich 11,1 Prozent und in Connewitz 8,1 Prozent. Nur im Zentrum-Süd leben mit einem Anteil von 15,5 Prozent überdurchschnittlich viele Menschen mit einer Migrationsgeschichte.

Stadtteil Menschen mit Migrations-hintergrund Darunter
Ausländer
Anteil von Menschen mit Migrations-hintergrund in Prozent Anteil
von Ausländern
in Prozent
Südvorstadt 2.814 1.581 11,1 6,2
Zentrum-Süd 2.047 1.252 15,5 9,5
Connewitz 1.527 881 8,1 4,7
Leipzig insgesamt 83.406 56.011 14,1 9,5

Viele Migranten in wenige Ortsteilen

Die Zahl der Migranten ist allerdings in vielen Leipziger Stadtteilen unterdurchschnittlich. Grund dafür ist, dass in einigen Quartieren besonders viele Menschen wohnen, deren Wurzeln außerhalb Deutschlands liegen. Am höchsten ist der Anteil der Migranten in Volkmarsdorf (41,1), dem Zentrum-Südost (37,1) und Neustadt-Neuschönefeld (36,2).

Der Leipziger Migrantenbeirat sieht in der ungleichen Verteilung von Einwanderern, ihren Nachkommen und Ausländern im Stadtgebiet kein schwerwiegendes Problem. Özcan Karadeniz, stellvertretender Vorsitzender des Beirats, sagt gegenüber dem Karli.blog aber, dass dies kein Idealzustand sei: „Es ist leider eine Utopie, dass sich die gesellschaftliche Diversität auch räumlich abbildet. Zu diesem Zustand werden wir nicht kommen.“

Migrantenbeirat beklagt Diskriminierung

Politische Plakate in der Südvorstadt in Leipzig.
Politische Plakate an einer Wand des Feinkost-Geländes in der Südvorstadt. (Foto: Kalri.blog/Alexander Laboda)

Für Karadeniz steht andererseits fest, dass Migranten und Ausländer auf dem Wohnungsmarkt diskriminiert werden. „Da müssen wir uns nicht vormachen. Wenn sich zum Beispiel eine syrische Familie um eine Wohnung bewirbt und gleichzeitig wollen da auch ein paar Studenten mit elterlichen Bürgschaften einziehen, dann ist ziemlich klar wofür sich der Vermieter entscheidet.“ Das sei auch in der vermeintlich links-liberalen Südvorstadt und im antifaschistischen Connewitz die Regel. „Die Diskrepanz zwischen dem Selbstbild und dem tatsächlichen Handeln ist schmerzhaft, wenn das einem klar wird. Meist passieren solche Prozesse aber unbewusst.“

Eine Untersuchung des Antidiskriminierungsbüros Sachsen (ADB) belegt diese Einschätzungen. Demnach erleben Menschen mit Migrationsgeschichte und Geflüchtete bei der Wohnungssuche und -vergabe in 60 Prozent der Fälle rassistische Diskriminierung. Konkret reichen die Erfahrungen von der direkten Ablehnung über rassistische Zuschreibungen bis hin zu Alibiaussagen, wie zum Beispiel das eine Wohnung schon vermietet sei.

Knallharter Konkurrenzkampf

Migrantenvertreter Özcan Karadeniz macht gleichwohl deutlich, dass die Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt nur ein Faktor unter mehreren ist. Ein weiterer wichtiger Grund für die ungleiche Verteilung von Migranten und Ausländern im Stadtgebiet sei, dass bestimmte Stadtteile eine Sogwirkung entfalten, eben weil dort bereits viele Menschen der gleichen Herkunft wohnen. Außerdem gäbe es auf dem Wohnungsmarkt inzwischen einen knallharten Konkurrenzkampf. Karadeniz sagt:

„In der Südvorstadt ist die Gentrifizierung in vollem Gange – und da sind eben Migranten, aber auch Alleinerziehende und kinderreiche Familien die ersten Verlierer.“

Von der Stadt wünscht sich Özcan Karadeniz stärkere Anstrengungen, um die soziale Durchmischung generell zu fördern. „Ich bin da jetzt kein Experte, aber ich bin überzeugt, dass es hier viele Möglichkeiten gibt. Ein Anfang wäre zum Beispiel, dass man bei Neubauten häufiger eine Quote für Sozialwohnungen einführt. Es müsste auch grundsätzlich mehr öffentlichen Raum geben, an dem Begegnungen überhaupt stattfinden können.“

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