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Oberbürgermeisterwahl: Leipziger Süden wählte Burkhard Jung

Grafik zu den Ergebnissen der Oberbürgermeisterwahl in Leipzig in den einzelnen Ortsteilen.

Bei der Oberbürgermeisterwahl hat Amtsinhaber Burkhard Jung im ersten Wahlgang gegen Sebastian Gemkow verloren. Im Leipziger Süden weicht das Ergebnis allerdings stark vom stadtweiten Resultat ab. Dort sprachen sich die Wähler eindeutig für Jung aus. Im zweiten Wahlgang Anfang März könnte der Süden seinen Wunschkandidaten noch bekommen – wenn Grüne und Linke ihn unterstützen.

Der Leipziger Süden hat sich bei der Oberbürgermeisterwahl deutlich für Amtsinhaber Burkhard Jung ausgesprochen. In der Südvorstadt, Connewitz und im Zentrum-Süd erreichte der SPD-Kandidat jeweils Stimmanteile von über 30 Prozent. CDU-Kandidat Gemkow kam dort jeweils nur auf Ergebnisse zwischen 18 und 25 Prozent.

Südvorstadt: AfD-Kandidat mit schlechtestem Ergebnis

In der Südvorstadt etwa beträgt der Vorsprung von Jung vor Gemkow fast 15 Prozentpunkte. Gemkow landete hier lediglich auf Platz drei hinter Grünen-Kandidatin Katharina Krefft und nur knapp vor Linken-Kandidatin Franziska Riekewald. Außerdem bemerkenswert: AfD-Kandidat Christoph Neumann erzielte in der Südvorstadt stadtweit sein schlechtes Ergebnis mit 3,1 Prozent.

Connewitz: Riekewald vor Gemkow

In Connewitz landete Sebastian Gemkow noch abgeschlagener auf dem dritten Platz. In der Linken-Hochburg bekam stattdessen Franziska Riekewald mit 26,8 Prozent die zweitmeisten Stimmen hinter Burkhard Jung mit 31,2 Prozent.

Zentrum-Süd: Gemkow vergleichsweise knapp hinter Jung

Einen relativ knappen Vorsprung hat Jung vor Gemkow im Zentrum-Süd. Dort liegen die Kandidaten sieben Punkte auseinander. Der amtierende Oberbürgermeister erhielt dort 33,1 Prozent; Sachsens neuer Wissenschaftsminister kam auf 26,1 Prozent.

Gesamtes Stadtgebiet: Gemkow holt alle Außenbezirke

Stadtweit sieht die Lage wie gesagt anders aus. 4.114 Stimmen lag Gemkow am Sonntagabend nach der Auszählung vor Jung. Der CDU-Kandidat holte praktisch in sämtlichen äußeren Bezirken die Mehrheit. Oft erzielte er sogar Ergebnisse jenseits der 40-Prozent-Marke. In seinem stärksten Wahlbezirk Burghausen-Rückmarsdorf kam Gemkow sogar auf 50,9 Prozent.

Rechenspiele vor dem 2. Wahlgang

Für den zweiten Wahlgang am 1. März heißt das alles aber recht wenig. Denn strukturell gibt es keine konservative Mehrheit in Leipzig. Das konservative bis rechtsradikale Lage von CDU, FDP und AfD erhielt in der Summe 41,5 Prozent der Stimmen. Das linke Lager von SPD, Linken und Grünen kommt zusammen auf einen Anteil von 55,3 Prozent.

Entscheidend wird also sein, welche Kandidaten im zweiten Wahlgang der Oberbürgermeisterwahl nochmals antreten. Insbesondere in Richtung von Katharina Krefft und Franziska Riekewald wurden bereits am Sonntagabend Stimmen laut, zugunsten von Burkhard Jung zu verzichten.

Forderungen aus den eigenen Reihen

Diese Stimmen kommen auch aus dem eigenen Lager. So twitterte etwa Grünen-Stadtrat Jürgen Kasek: „Das progressive Lager muss jetzt miteinander reden über Inhalte, über Gemeinsamkeiten über ein liberales Leipzig. Tut man es nicht, könnte es ein böses Erwachen geben.“

Ähnlich lässt sich ein Tweet von Linken-Stadträtin Juliane Nagel deuten. Sie schrieb: „Tja, symbolischer Erfolg von Gemkow, der im Wahlkampf Positionen vertreten hat, die die CDU NICHT vertritt. Aber mit insgesamt 55 Prozent für r2g ein guter Wind für den 2. Wahlgang!“

Entsprechende Aufforderungen kamen sofort auch aus der SPD. Irena Rudolph-Kokot, stellvertretende Leipziger Parteivorsitzende, twitterte: „Aber klar ist nun auch, dass schwarz-blau im 2. Wahlgang paktieren werden. #R2G Parteien müssen dringend miteinander reden, sonst wird es schwarz in #Leipzig.“

SPD-Stadträtin Christina März schrieb: „Das Wahlergebnis zeigt, dass jetzt die linke Parteien zusammen für ein progressives Leipzig einstehen müssen. Ich hoffe die Kolleginnen ziehen die entsprechenden Konsequenzen.“

2. Wahlgang: Entscheidungen im Laufe der Woche

Die Angesprochenen selbst wollen sich zunächst innerhalb ihrer Parteien abstimmen. Franziska Riekwald kündigte eine Sondersitzung ihrer Partei für Dienstag an. Bei den Grünen war zunächst eine Mitgliederversammlung für Donnerstag vorgesehen. Kandidatin Katharin Krefft sagte allerdings am Montag der „Leipziger Volkszeitung“: „Mit meinem Ergebnis habe ich jetzt eher keine Position, um im zweiten Wahlgang noch einmal anzutreten. Wir werden bis zum Freitag allerdings auch noch viele Gespräche führen, vor allem auch bezüglich einer anderen Kultur der Zusammenarbeit in der Stadt.“

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