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Polizeihubschrauber in Leipzig bis Ende Juni 44 Mal im Einsatz

Polizeihuschrauber der Bereitschaftspolizei Sachsen

Viele Menschen im Leipziger Süden sind zunehmend genervt von Polizeihubschraubern. Nach offiziellen Angaben des sächsischen Innenministeriums hat die Zahl der Helikoptereinsätze jedoch nicht zugenommen. Allerdings fliegen Polizeihubschrauber in Leipzig rechnerisch im Schnitt jeden Tag eine halbe Stunde.

Seit Monaten wächst im Leipziger Süden der Unmut über den Einsatz von Polizeihubschaubern. Nachlesen lässt sich das etwa bei Twitter, wo sich zahlreiche Nutzer genervt zeigen vom Lärm, der ihnen nach eigenen Angaben den Schlaf raubt. „Fast jede Nacht zwischen Leuschnerplatz und Cospudener See. Manchmal der einzige Hubschrauber im deutschen Luftraum. Es nervt so…“, schrieb zum Beispiel am 20. Juli eine Nutzerin. Viele weitere Beschwerden lassen sich mit Kombinationen entsprechender Schlagworte leicht finden.

Doch haben die Hubschraubereinsätze der Polizei in Leipzig tatsächlich zugenommen? Nein, zumindest nicht nach Angaben des Sächsischen Innenministeriums. Wie aus Antworten auf mehrere Anfragen der Linksfraktion im Landtag hervorgeht (Drucksache 7/2731, Drucksache 6/18214), ist die Anzahl der Hubschraubereinsätze im Vergleich zum vergangenen Jahr sogar leicht rückläufig.

Polizeihubschrauber 94 Stunden in Betrieb

Vom 1. Januar bis zum 30. Juni dieses Jahres waren die Polizeihubschrauber demnach 44 Mal auf Anforderung der Polizeidirektion Leipzig im Einsatz. Die Zahl der Betriebsstunden, also annäherungsweise die Zeit in der Luft, summiert sich laut der Daten im ersten Halbjahr auf über 94. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren die Polizeihubschrauber nach Angaben des Ministeriums aber sogar 48 Mal für die PD Leipzig im Einsatz. Betriebsdauer: über 100 Stunden.

Laut wie ein Güterzug

Doch wieso haben viele Bürgerinnen und Bürger trotzdem den Eindruck, dass sie ständig das Rotorengeräusch der Polizeihubschrauber hören? Zunächst mag das daran liegen, dass die Maschinen tatsächlich oft im Einsatz sind. Wenn man oben genannte Zahl für das erste Halbjahr auf die Tage runterrechnet (94 Betriebsstunden geteilt durch 182,5 Tage), ergibt sich rechnerisch eine tägliche Einsatzdauer am Leipziger Himmel von über einer halben Stunde. Bedenkt man nun weiter, dass ein Hubschrauber laut der Website fluglärm-portal.de in zwanzig Metern Entfernung so laut ist wie ein vorbeifahrender Güterzug, dann ist das eine extreme Lärmbelästigung – auch wenn der Abstand im realen Einsatz wesentlich größer ist.

Häufung der Einsätze in Mai und Juni

Die jüngsten Beschwerden könnten außerdem auf einen weiteren Faktor zurückzuführen sein: die Häufung der Einsätze in den vergangenen Monaten. Über die Hälfte der vom Innenministerium genannten Flüge der Polizeihubschrauber im ersten Halbjahr fanden in den Monaten Mai und Juni statt. Vom 10. bis 12. Mai war ein Helikopter zum Beispiel an drei aufeinanderfolgenden Tagen für insgesamt fünf Stunden im Einsatz; vom 16. bis 18. Juni ebenfalls an drei Tagen nacheinander für mehr als sieben Stunden.

13 Einsätze bei Versammlungen und Veranstaltungen

Darüber hinaus hängt der Unmut der Bürgerschaft sicherlich mit den Einsatzzwecken zusammen. Allzu oft ist der Polizeihubschrauber im Leipziger Süden bei friedlichen Versammlungen und Demonstrationen im Einsatz. Auch das belegen die Angaben des Innenministeriums. Demnach waren Helikopter im ersten Halbjahr 2020 insgesamt 13 Mal bei Versammlungen beziehungsweise Veranstaltungen in der Luft. 21 Mal halfen die Hubschrauber den Angaben zufolge bei der Fahndung. Dem Einsatzanlass „Kriminalitätsbekämpfung“ wurden nur zwei Einsätze zugeordnet. Die übrigen Flüge fanden angeblich statt wegen einer „aktuellen Gefahren- und Schadenslage“ oder für den „Umweltschutz“ (jeweils 4 Einsätze).

Polizei rechtfertigt sich

Kritik an den Einsätzen tritt die sächsische Polizei bei Twitter regelmäßig entgegen. „Wenn unsere Hubschrauber in der Luft sind, hat dies Gründe, für die wir uns nicht entschuldigen“, schrieb das Social-Media-Team beispielsweise schon im September 2019. Manchmal verweist die Landespolizei bei Nachfragen außerdem darauf, dass ihre Hubschrauber gar nicht im Einsatz seien, sondern es sich möglicherweise um Helikopter der Bundespolizei handele.

Die Polizeihubschrauberstaffel bemüht zur Selbstbeschreibung übrigens einen Militärtheoretiker. Auf der Website der Staffel steht ganz oben ein Zitat des Generals Carl von Clausewitz (1780 – 1831): „Wer die Höhen besitzt, beherrscht die Tiefen.“

Quelle des Titelbildes: Polizei Sachsen 

4 Kommentare zu “Polizeihubschrauber in Leipzig bis Ende Juni 44 Mal im Einsatz

  1. Steile These: Ein Großteil der Einsätze im Vorjahr fand vermutlich vor, während und nach Fußballspielen statt. Diese Einsätze gab es in diesem Jahr dann wegen Corona seit März nicht mehr. Unter dem Licht sind die 44 Einsätze dann eben doch ein realer Anstieg. Zudem ist ein Samstagnachmittags kreisender Hubschrauber zwar auch nervig, aber längst nicht so nervig wie ein montagnachts über Wohngebiet fliegender. Ich frage mich eh, wieso die Polizei nicht viel mehr auf Drohnen setzt – inbesondere bei Demos.

  2. Mit Blick auf die „Drucksache 7/2731, Drucksache 6/18214“ muss ich Ayke Recht geben, es bleibt die Frage offen, wann die Hubschrauber in diesem Jahr geflogen sind. Die wenigsten Menschen fühlen sich tagsüber von einem Hubschrauber belästigt, während nachts um 3 Uhr es der halben Stadt den Schlaf raubt.
    Dem sächsischen Freund und Helfer würde es auch gut zu Gesicht stehen ein wenig Empathie und Bürgernähe zu zeigen anstatt wie ein beleidigtes Alphamännchen sich nicht entschuldigen zu wollen: vgl.:
    „Wenn unsere Hubschrauber in der Luft sind, hat dies Gründe, für die wir uns nicht entschuldigen“.

  3. „Im Vergleich zum Vorjahr“ ist ein wahrlich schlechter Vergleich, da auch im Vorjahr bereits sehr zahlreiche nächtliche, schlafstörende Einsätze geflogen wurden ohne Großveranstaltungen. Was wegen Demos und Fußballspielen 2015 begonn, ist jetzt nerviger Standard ohne demo und ohne Fußballspiel. Im Zentrum fühlt man sich ebenso stark belästigt und um seinen schlaf beraubt. Und zudem kostet dieses Gedonner in einer Werktagnacht einen jeden Bürger Geld.

  4. Es sind vor allem die Hubschrauber der Bundespolizei, die regelmäßig nachts über dem Leipziger Osten kreisen und dabei einen Höllenlärm produzieren. Grund dieser Einsätze ist fast immer die Überwachung des Bahngeländes wegen Graffitisprayern.. Das steht doch in keinem Verhältnis zu der massiven Ruhestörung durch die Hubschrauber.

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