Alle Artikel Relevant

Schweinefleisch-Streit: Familie protestierte vorab gegen Kita-Entscheidung

Nach dem Streit um Schweinefleisch im Konfuzius-Kindergarten ist die Polizei mit einem Einsatzfahrzeug präsent.

Die Leitung der beiden Leipziger Kitas, in denen Schweinefleisch vom Speiseplan genommen werden sollte, hat vorab kritische Hinweise aus der Elternschaft abgeblockt. Das berichtet eine betroffene Familie dem Karli.blog. Derweil wurde eine rechte Demonstration vor den beiden Kitas wieder abgesagt.

Im Streit um die Streichung von Schweinefleisch von den Speiseplänen zweier Kitas im Leipziger Süden hat sich eine betroffene Familie an den Karli.blog gewandt. Sie berichtet, dass es nach der Ankündigung der Kita-Leitung kritische Hinweise der Elternschaft gegeben habe. Diese seien aber nicht erst genommen worden. Vielmehr habe der Träger die Eltern vor vollendete Tatsachen gestellt und in keiner Weise einbezogen.

Eltern nicht beteiligt

Konkret legte die Familie, die namentlich nicht genannt werden möchte, dem Karli.blog eine E-Mail an die Kita-Leitung vor. Darin kritisierte sie unter anderem, dass die Entscheidung ohne Beteiligung der Eltern getroffen wurde. Außerdem bat die Familie darum, die Gründe für die Entscheidung genauer zu erklären. Mutter und Vater brachten darüber hinaus zum Ausdruck, dass sie großen Wert auf die Religionsfreiheit legen, aber ein Verzicht auf Schweinefleisch allein aus diesem Grunde als falsch verstandene Toleranz ansehen. Sehr gerne könne man aber grundsätzlich über eine bessere Ernährung in den Kitas sprechen.

Auf das Schreiben reagierte die Kita-Leitung nach Angaben der Familie erst nach mehr als einer Woche. In diesem Gespräch habe die Leitung auf das „Seelenheil muslimischer Kinder“ verwiesen, wie später auch im Bericht der „Bild“. Hierzu hätten die Eltern, die sich selbst als liberal bezeichnen, bemerkt, dass eine solche Begründung „von Rechtsaußen massiv missbraucht werden könnte“.

Der Leiter der beiden Kitas, Wolfgang Schäfer, hatte der Deutschen Presse-Agentur zu Beginn der Berichterstattung gesagt, dass eine Mehrheit der Eltern die Entscheidung begrüßt habe.

Poggenburg-Demo abgesagt

Derweil kündigte sich zumindest bis zum Donnerstag der befürchtete Missbrauch von Rechtsaußen an. Ex-AfD-Politiker André Poggenburg und seine Splitterpartei „Aufbruch deutscher Patrioten Mitteldeutschland“ (AdPM) meldeten zunächst für Freitag eine Kundgebung vor den beiden Einrichtungen in der Lößniger Straße an. Das Motto sollte lauten: „Keine Indoktrination und Islamisierung an Kitas und Schulen“. Am späten Donnerstagabend sagte Poggenburg die Demo jedoch wieder ab.

Gegen die Kundgebung hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits ein Bündnis organisiert. Linke Gruppen meldeten eine Gegendemonstration an. Anwohner riefen im Zentrum-Süd und der Südvorstadt mit Aushängen zum Gegenprotest auf. Auf Zetteln stand unter anderem zu Lesen: „Bitte zeigt morgen laut, dass rechte Patrioten in unserer Nachbarschaft und unserem Viertel nicht willkommen sind!“.

Auf einem Aushang fordern Anwohner zum Gegenprotest gegen André Poggenburg und seine Partei auf.
Aushang im Zentrum-Süd am Donnerstagabend. Foto: Karli.blog/Alexander Laboda

0 Kommentare zu “Schweinefleisch-Streit: Familie protestierte vorab gegen Kita-Entscheidung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.