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Schweinefleisch-Streit um zwei Kitas im Leipziger Süden

Eine Scheibe Wurst aus Schweinefleisch.

Zwei Kindertagesstätten im Zentrum-Süd haben Schweinefleisch vom Speiseplan genommen. Weil die „Bild“-Zeitung am Dienstag groß darüber berichtete, streitet Deutschland nun über die Maßnahme. Nationalistische Politiker sprechen von „kultureller Unterwerfung“; Vertreter der Linken sehen eine „aufgeblähte Debatte mit islamfeindlichem Zug“.

Um zwei benachbarte Kitas in der Lößniger Straße im Leipziger Zentrum-Süd gibt es seit gestern deutschlandweit Aufregung. Wie zunächst die „Bild“-Zeitung am Dienstag schrieb, wollte die Leitung der Einrichtungen Schweinefleisch vom Speiseplan der Kinder nehmen. Wie das Blatt weiter berichtete, solle dies „aus Respekt vor einer sich verändernden Welt“ geschehen. Konkret solle Rücksicht auf zwei muslimische Mädchen im Alter von zwei und drei Jahren genommen werden. Zitiert wurde der Leiter der Kitas, Wolfgang Schäfer.

Der Bericht löste eine Welle der Empörung aus. Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) äußerte sich gegenüber der Zeitung mit den Worten:

„Alle anderen, die auch mal gerne Schweinefleisch essen, für die Essgewohnheiten anderer in Mithaftung zu nehmen, ist nicht förderlich für ein gedeihliches Zusammenleben.“

AfD: Mettbrötchen normal in Deutschland

Beatrix von Storch, stellvertretende Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, griff die Meldung auf und sprach von „kultureller Unterwerfung“. Wörtlich teilte von Storch mit: „Mettbrötchen, Schweineschnitzel und nicht-halal Gummibärchen sind normal in Deutschland, alles andere ist nicht normal und wird auch mit der AfD niemals die Norm werden. Und wer sich nicht an unsere Leitkultur anpassen mag oder kann, darf seine Gewohnheiten und Normen gerne leben – aber eben nicht bei uns.“

CDU: Verbot ist falscher Weg

Auch die CDU Sachsen griff das Thema im Wahlkampf zur Landtagswahl auf. Generalsekretär Alexander Dierks schrieb bei Twitter: „Das Verbot von Schweinefleisch an zwei Leipziger Kitas ist inakzeptabel.“ Selbstverständlich solle und könne niemand gegen seinen Willen gezwungen werden, etwas Bestimmtes zu essen. „Aber ein Verbot ist der falsche Weg.“

Zwischenzeitlich war „Schweinefleisch“ der meistkommentierte Hashtag bei Twitter. Tausende Menschen empörten sich . Auf der anderen Seite empörten sich wiederum viele Politiker und Bürger über die Empörung.

Grüne: Keine Bärchenwurst-Kontrollen

Martin Meißner, designierter Grünen-Stadtrat, konterte die Mitteilung der sächsischen CDU bei Twitter. Schweinefleisch werde nicht verboten, sondern lediglich vom Speiseplan genommen. „Von einer Kontrolle der Frühstücksdosen nach Bärchenwurst“ sei nichts zu lesen gewesen. Die sächsische Landessprecherin der Grünen, Christin Melcher, warf der CDU vor, das Geschäft der AfD zu betreiben. Leipzig zeige, wie interkulturelles Miteinander gehen könne.

Linke: Aufgeblähte Debatte

Juliane Nagel, Stadträtin der Linken im Leipziger Süden und Landtagsabgeordnete, bezeichnete den Schritt der beiden Kitas als richtig. Sie teilte mit:

„Die Kita-Leitungen sind diesen nicht aus Spaß, Sensationslust oder Schikane gegenüber nicht-muslimischen Kindern gegangen, sondern beweisen im Gegenteil interkulturelle Sensibilität.“

Außerdem sagte Nagel, die Aufregung würde wohl nicht so groß sein, wenn aus christlicher Tradition heraus am Karfreitag kein Fleisch gereicht würde. „Insofern ist in dieser aufgeblähten Debatte ein klar islamfeindlicher Zug zu erkennen.“

Drohungen und Polizeischutz

Grünen-Politiker Jürgen Kasek veröffentlichte in seinem Blog den Gastbeitrag eines betroffenen Vaters. Dieser schrieb, es sei eben nicht gesund, jeden Tag Fleisch zu essen. Aus diesem Grund halte er die Entscheidung der Kita, auf Schweinefleisch zu verzichten, für richtig. Das gelte aber nicht für die Begründung für den Verzicht. Zugleich verurteilte der Vater das Niveau der öffentlichen Debatte. „Man kann darüber diskutieren, ob die Entscheidung einer Leipziger Kita auf Schweinefleisch zu verzichten, richtig ist. Was man nicht diskutieren kann ist, dass es angestachelt durch Rechte, Morddrohungen gibt und die Kitas durch die Polizei geschützt werden müssen.“

In der Tat rückte am Dienstag die Polizei in der Lößniger Straße an und postierte sich mit einem Einsatzwagen vor den beiden Kitas. Ein Sprecher der Polizei sagte, dies geschehe, um „mögliche Gefahren abzuwehren“. Ein Mitarbeiter einer der Kitas berichtete gegenüber der „Leipziger Volkszeitung“ von Drohungen gegenüber der Einrichtung.

Vorerst weiter mit Schweinefleisch

„Überwältigt von der ganzen Sache“, hat der Kita-Leiter Wolfgang Schäfer den Schweinefleisch-Beschluss „angesichts der massiven Kritik“ am Dienstagabend ausgesetzt, wie mehrere Medien berichteten. Im kommenden Kindergartenjahr solle das Thema bei Elternabenden nochmals ausführlich diskutiert werden.

Einige betroffene Eltern äußerten sich am Dienstag gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Ein Vater sagte: „Wir finden die Entscheidung prinzipiell gut“. Er sei bereits vor etwa zwei Wochen per Schreiben über die Pläne informiert worden. Die Mutter einer Vierjährigen bezeichnete die Debatte als „absurd“. Ihre Tochter merke sowieso nicht, ob sie Schweinefleisch esse oder nicht.

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4 Kommentare zu “Schweinefleisch-Streit um zwei Kitas im Leipziger Süden

  1. Die Empörung über das Thema Schweinefleisch in besagter Kita ist sicherlich übertrieben.
    Leider ist dies nur die Spitze des Eisberges über die eigentlichen Vorgänge in dieser Einrichtung.
    Wobei Mitarbeitern und Leitungen hier ausdrücklich kein Vorwurf gemacht werden kann, denn es steht und fällt ausdrücklich mit Herrn S., welcher nicht gerade durch seine Führungsqualitäten glänzt.
    In beiden Kitas haben in den letzten Jahren die Führungskräfte teilweise monatlich gewechselt, da sie untern den Stimmungen und Entscheidungen den Herrn S. gelitten haben.
    Ein normaler Betrieb mit 300 Kindern wird durch die wöchentlichen Richtungswechsel immens erschwert. Dies gipfelte nun in der deutschlandweiten Schweinefleischdebatte.
    Des Weiteren wurde die Zusammenarbeit mit chinesischen Studentinnen seitens China aufgekündigt, nicht ohne Grund.
    Erzieherinnen und Mitarbeiterinnen sind ein Spielball der Launen des Trägers, welcher es seit Jahren nicht schafft beide Kitas vernünftig und gesetzeskonform zu führen.

    Schlussendlich wäre es erfreulicher gewesen, wenn die Bildzeitung oder vielleicht auch der Karli Blog das Brennglas auf die eigentlichen Probleme der Kitas richten würden.

  2. Klaus drehmann

    Es sollte den „Flüchtenden“ bzw. geplanten Neubürger erklärt werden, dass in D eine Esskultur herrscht, in der Schweinefleisch ein fester Bestandteil ist.
    Evtl. dürfte daher D für einige Viele, dass falsche Zielland sein

    • Alexander Laboda

      Guten Tag, bei der gesamten Geschichte geht es nicht um Asylsuchende. Wenn Sie pauschal gegen Flüchtlinge hetzen wollen, tun Sie das bitte bei der „Bild“-Zeitung, aber nicht in meinem Blog. Danke.

  3. Eine Leserin

    Danke für dieses klare Statement @karli.blog!

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