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Statt Stadtteilpark: Grüne für autofreie Shakespearestraße

Die Chancen auf den von Anwohnern geforderten Stadtteilpark im Zentrum-Süd stehen schlecht. Die Grünen schlagen jetzt stattdessen vor, aus der Shakespearestraße eine „Coole Straße“ nach dem Vorbild Wiens zu machen – ohne Autoverkehr und Parkplätze, dafür mit breiten Gehwegen, Bäumen und Sitzbänken.

Die Online-Petition zur Gestaltung eines „Stadtteilparks im Zentrum-Süd“ befindet sich noch im Verfahren. Ein Verwaltungsstandpunkt ist bislang nicht veröffentlicht.  Ein Verwaltungsstandpunkt ist inzwischen veröffentlicht. Dennoch: Aufgrund mehrerer Faktoren ist davon auszugehen, dass das die Stadt das Anliegen abweisen wird  Wie erwartet, hat die Verwaltung das Vorhaben abgelehnt – nicht zuletzt wegen des bestehenden Baurechts der LWB. Insgesamt fehlte auch die politischen Unterstützung der Stadtratsfraktionen, auch wenn sich der der Stadtrat mit der Petition noch nicht offiziell befasst hat.

Shakespearestraße umgestalten

In Erwartung dieses Ergebnisses haben die Grünen am Mittwoch eine alternative Idee ins Gespräch gebracht, um für mehr Natur- und Freiflächen im Zentrum-Süd zu sorgen. Grünen-Stadtrat Tim Elschner erklärt den Vorschlag in einer Pressemitteilung so: „Der Straßenraum Shakespearestraße – zwischen Bernhard-Göring-Straße und Karl-Liebknecht-Straße und Shakespeareplatz – soll zu einer Straße mit Aufenthaltsqualität, das heißt mit Aufenthalts- und Nutzungsmöglichkeiten für alle Menschen, umgestaltet werden.“

Shakespearestraße in Leipzig
So sieht die Shakespearestraße heute aus. (Foto: Grüne Leipzig)

Sitzbänke statt Stellplätze

Was umständlich und abstrakt klingt, ist bei konkreter Ansicht für Leipziger Verhältnisse ziemlich revolutionär: Die Grünen wollen die Shakespearestraße weitegehend autofrei machen. Statt Stellplätzen für Pkw soll es Sitzbänke, Bäume, Beete und Fahrradgaragen geben.

Deutlich werden diese Vorstellungen anhand der Beispiele, die von den Grünen genannt werden. So verweist die Partei etwa auf Diskussionen in Berlin-Pankow, wo der bekannte Stadtplaner Martin Aarts Entwürfe zum Umbau mehrerer Straßen vorgelegt hat (siehe Titelfoto). Genaueres dazu lässt sich in einem Artikel der „Berliner Zeitung“ nachlesen.

Der Vorschlag eines Stadtplaners zeigt eine Straße in Berlin mit vielen Bäumen und Sitzmöglichkeiten, aber wenigen Autos.
Vorschlag des Stadtplaners Martin Aarts für die Wolfshagener Straße in Berlin-Pankow. Nach diesem Vorbild könnte nach Vorstellung der Leipziger Grünen auch die Shakespearestraße umgestaltet werden. (Visualisierung: MLA+)

Vorbild Wien

Als zweites positives Exempel nennen die Grünen die österreichische Hauptstadt Wien. Dort gibt es derzeit 18 temporäre und 4 dauerhaft umgestaltete sogenannte „Coole Straßen“. Diese sorgten laut Mitteilung der Grünen im Sommer für Abkühlung und schafften außerdem Freiraum für die Wienerinnen und Wiener. In diesen „Coolen Straßen“ herrscht nach Darstellung auf der Website der Stadt Wien ebenfalls ein Fahr-, Halte- und Parkverbot für Autos. Die Verwaltung dort spricht von einem „Erfolgskonzept“.

Viel Unterstützung für Petition

Der Wunsch nach mehr Grünflächen im Quartier ist jedenfalls offenbar groß. Die Petition der Anwohnerinitiative haben inzwischen fast 1.300 Bürger unterschrieben. Die Petition zählt damit zu den erfolgreichsten, die online je bei der Stadtverwaltung gestartet wurden.

Wie es bei dem Thema weitergeht, hängt zunächst vom Petitionsausschuss ab. Wenn ein Standpunkt der Verwaltung zu dem Anliegen vorliegt, macht der Ausschuss  Er muss dem Stadtrat nun einen Vorschlag zum Umgang mit der Angelegenheit machen. Der Stadtrat entscheidet dann, ob und inwieweit er die Petition berücksichtigen will. An dieser Stelle wird dann sicherlich auch über den Änderungsantrag der Grünen debattiert werden.

Park-Initiative kritisiert Grüne

Den Vorschlag der Grünen bezeichnete die Stadtteilpark-Initiative als „schräge Idee“. Die Grünen wollten „im wörtlichen Sinn die bisherigen Nutzer und Anwohner samt ihrer Gärten und Spielplätze (bzw ohne diese) auf die Straße setzen“, schrieben die Anwohner bei Facebook. Fledermäuse, Vögel, Igel, Insekten und Bienen hätten ihren Lebensraum bereits verloren. „Eine Umweltschutzpartei hätte dies nicht zugelassen.“

Anmerkung: Der Text wurde am 28.07. mit dem Verwaltungsstandpunkt und einer Reaktion der Stadtteilpark-Initiative aktualisiert.

Urheberrecht: Die Visualisierungen zur Stadtplanung in Berlin-Pankow stammen vom Stadtplanungsbüro MLA+/Martin Aarts. Die Grünen in Berlin-Pankow genehmigten freundlicherweise die Veröffentlichung. 

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