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Stadtratswahl: Leipziger Süden bleibt rot

Die Linke hat ihre Mehrheit im Leipziger Süden bei der Stadtratswahl verteidigt. Spitzenkandidatin Juliane Nagel holte persönlich die mit Abstand meisten Stimmen aller Kandidaten in der Stadt. Grüne und AfD legen deutlich zu. Die SPD stürzt ab.

Die Linken sind bei der Stadtratswahl im südlichen Wahlkreis 4, zu dem die Südvorstadt und Connewitz gehören, die mit Abstand stärkste Kraft geworden. Nach Auszählung aller Stimmen erreichte die Linke 30,4 Prozent. Zweitstärkste Partei sind die Grünen mit 23,4 Prozent. Dahinter folgen CDU mit 12,3 und SPD mit 12 Prozent. Die AfD erreichte 8,8 Prozent. Die PARTEI bekam 4,9 Prozent der Stimmen. Die übrigen Parteien liegen darunter.

Das vorläufige Wahlergebnis im Wahlkreis 4 in Leipzig. Quelle: Stadt Leipzig

AfD legt bei Stadtratswahl auch im Süden deutlich zu

Gegenüber der Stadtratswahl von 2014 gewinnt die AfD am stärksten hinzu. Sie steigerte ihr Ergebnis im Leipziger Süden um 5,2 Prozentpunkte. Die Linke kann drei Punkte zulegen. Die PARTEI legt um 1,6 Prozentpunkte zu. Auch die Grünen verzeichnen ein leichtes Plus von 1,1.

Großer Verlierer ist die SPD. Sie fällt um über sieben Prozentpunkte. Auch die CDU verliert mehr als vier Prozentpunkte. Schlechter als vor fünf Jahren schneiden auch FDP und Piraten ab.

Juliane Nagel mit Traumergebnis

Beim Blick auf die Stimmanteile der einzelnen Kandidaten wird deutlich, dass die Linke ihr gutes Ergebnis auch Spitzenkandidatin Juliane Nagel zu verdanken hat. Nagel bekam 16.491 Stimmen. Die Zweitplatzierte, Grünen-Kandidatin Gesine Märtens bekam „nur“ ungefähr halb so viele Stimmen, nämlich 8.773. Auf Platz drei landete Roland Ulbrich von der AfD mit 6.301 Stimmen knapp vor Christopher Zenker (SPD) mit 6.283 und Karsten Albrecht (CDU) mit 6.240 Stimmen. Dahinter folgt Thomas Kumbernuß von Die PARTEI mit 5.159.

Aus dem Leipziger Süden schaffen damit folgende Kandidaten den Sprung in den Stadtrat:

  • Linke: Juliane Nagel, Marco Götze, Adam Bednarsky
  • Grüne: Gesine Märtens; Norman Volger, Sophia Kraft
  • SPD: Christopher Zenker
  • CDU: Karsten Albrecht
  • AfD: Roland Ulbrich
  • Die PARTEI: Thomas Kumbernuß

Juliane Nagel: „Ihr seid wahnsinng.“

Juliane Nagel schrieb in einer ersten Reaktion bei Twitter: „Ihr seid wahnsinnig. Stay rude, rebell and #antifascist! Jetzt erst recht. Nehme dieses Mandat und diesen Auftrag dolle ernst“.

Linken-Kandidat Adam Bednarski sagte dem Karli.blog: „Das ist ein starkes Ergebnis der Linken im Süden. Man sieht einen großen Unterschied zum Europawahlergebnis. Das bedeutet, dass wir das Ergebnis einer couragierten Arbeit im Stadtrat verdanken. Und natürlich auch dem Super-Ergebnis von Juliane Nagel.

Stadtweit wurde die Linke mit 21,4 Prozent ebenfalls stärkste Partei, knapp vor den Grünen mit 20,7. Großes Thema war aber der Zuwachs der AfD, die ihr Ergebnis von 2014 stadtweit auf 14,9 Prozent mehr als verdoppeln konnte. Adam Bednarski sagte dazu: „Leipzig ist nicht gekippt im Gegensatz zu anderen sächsischen Großstädten und dem gesamten Land. Wir müssen nun beweisen, dass es anders geht.“

Das vorläufige Wahlergebnis der Stadtratswahl in Leipzig 2019. Quelle: Stadt Leipzig

Mehrheit links der Mitte

Grünen-Kandidatin Gesine Märtens zeigte sich im Gespräch mit dem Karli.blog froh, dass die „informelle Mehrheit links der Mitte“ in Leipzig bestehen geblieben ist. Es sei ein Riesen-Erfolg, fast gleichauf mit den Linken vorne zu liegen. Auch Märtens betrachtete den Wahlerfolg der AfD aber mit Sorge. „Es muss uns zu denken geben, dass im Leipziger Süden mit Roland Ulbrich ein Kandidat vom rechten Rand der AfD den Einzug in den Stadtrat geschafft hat.“

Gesine Märtens: „Es muss uns zu denken geben, dass im Leipziger Süden mit Roland Ulbrich ein Kandidat vom rechten Rand der AfD den Einzug in den Stadtrat geschafft hat.“

Ulbrich selbst gab sich am Wahlabend zurückhaltend. „Ich bin erleichtert, dass es geklappt hat“, sagte er dem Karli.blog. „Im Stadtrat werden meine Hauptthemen jetzt Ordnung und Sicherheit sein“. Mit Blick auf den Zuwachs der AfD in der gesamten Stadt sagte er: „Wir können den Finger jetzt besser in die Wunde legen und auch in den Ausschüssen besser mitarbeiten.“

Roland Ulbrich: „Wir können den Finger jetzt besser in die Wunde legen.“

Konsterniert zeigte sich SPD-Kandidat Christopher Zenker: „Für die SPD ist das Ergebnis eine Katastrophe. Mit meinem persönlichen Ergebnis könnte ich noch ganz zufrieden sein, aber darüber kann ich mich an einem solchen Abend nicht freuen.“

 

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