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Stickoxide verhindern größere Tempo-30-Zone in der Bernhard-Göring-Straße

Autofahrer dürfen auf einem großen Teil der Bernhard-Göring-Straße bald nur noch 30 Kilometer pro Stunde fahren. Ab Mitte 2019 soll auf dem Abschnitt zwischen Kurt-Eisner-Straße bis zum Wiedebachplatz in Connewitz ein Tempolimit gelten. Ein weiterer Ausbau der Tempo-30-Zone stadteinwärts scheitert jedoch paradoxerweise an zu hohen Stickoxidwerten, wie der Karli.blog exklusiv erfahren hat.

Bei Autos führt eine niedrigere Fahrgeschwindigkeit in der Regel zu einem geringeren Schadstoffausstoß. Deshalb klingt diese Meldung kurios: In der Südvorstadt in Leipzig sorgen zu hohe Stickoxidwerte dafür, dass die geplante Tempo-30-Zone in der Bernhard-Göring-Straße nicht ausgeweitet werden kann. Wie die Stadtverwaltung auf Anfrage des Karli.blog mitteilte, liegt das am „engen Wechselverhältnis“ mit der Arthur-Hoffmann-Straße.

Knackpunkt Arthur-Hoffmann-Straße

Die Lage ist kompliziert: Die Stadt möchte demnach die Bernhard-Göring-Straße gerne „in ihrer gesamten Länge in eine Tempo-30-Zonenregelung einbeziehen“. Dazu müsste sie jedoch die parallel verlaufene Arthur-Hoffmann-Straße in beide Richtungen öffnen. Dies würde dort aber zu mehr Verkehr und einer Überschreitung der Grenzwerte für die Luftqualität führen. Ralf Barwik, stellvertretender Leiter des Verkehrs- und Tiefbauamtes, erklärt dazu schriftlich:

„Im Ergebnis der Untersuchung ist leider festzustellen, dass durch die geplante Maßnahme die Grenzwerte für Stickoxide punktuell in der Arthur-Hoffmann-Straße nicht eingehalten werden können. Aus diesem Grund ist eine Einbeziehung der Bernhard-Göring-Straße im nördlichen Abschnitt in eine Tempo-30-Zonenregelung derzeit nicht möglich.“

Dabei hat die Stadt bereits viel Arbeitskraft investiert. Die Planer untersuchten verschiedene Verkehrsmodelle, führten ein „straßenverkehrsbehördliches Anhörungsverfahren“ für die Ampelanlage an der Kreuzung von Arthur-Hoffmann- und Kurt-Eisner-Straße durch und prüften die notwendigen Änderungen der Beschilderung und Markierungen. Auch mit den Leipziger Verkehrsbetrieben stimmte man sich ab – alles vorerst vergebens aufgrund der Messungen des Umweltamtes.

Ralf Barwik vom Verkehrsamt gibt die Hoffnung jedoch nicht auf und schreibt weiter: „Perspektivisch wird allerdings an einer Verkehrsberuhigung des nördlichen Abschnitts der Bernhard-Göring-Straße festgehalten.“ Dazu müssten jedoch die Stickoxidwerte in der Arthur-Hoffmann erst einmal sinken. Das ist nur denkbar durch sauberere Motoren, weniger Verkehr oder beides.

Fahrradstraße rückt in weite Ferne

Radverkehr
Radverkehr auf der Karli. (Foto: Karli.blog/Alexander Laboda)

Vorläufig unmöglich wird damit auch, dass Fahrradfahrer die Bernhard-Göring-Straße in naher Zukunft in beide Richtungen nutzen können. Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau (parteilos) hatte dies bereits 2015 versprochen, wie damals die „Leipziger Volkszeitung“ berichtete. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) in Leipzig hatte die Forderung zuletzt erneuert, um die Karl-Liebknecht-Straße vom stark gestiegenen Radverkehr zu entlasten. Die Stadtverwaltung sieht jedoch keinen Handlungsbedarf. Es sei durch die „sukzessive Erweiterung der Radverkehrsanlagen“ in den vergangenen Jahren gelungen, die Bedingungen für den Radverkehr auf der Karli zu verbessern und die Sicherheit zu erhöhen. Weiter schreibt Ralf Barwik vom Verkehrs- und Tiefbauamt:

„Insofern besteht keine Notwendigkeit und daher auch keine Absicht, die Karl-Liebknecht-Straße vom Radverkehr zu entlasten.“

Tempo 30 in südlichen Teil der Bernhard-Göring-Straße

Derweil laufen bei der Stadt die Planungen dafür, den Verkehr in der südlichen Bernhard-Göring-Straße zu beruhigen. „In Abhängigkeit der für die Umsetzung von Tempo-30-Zonen zur Verfügung stehenden Haushaltmittel“ soll 2019 ein Tempolimit auf dem Abschnitt zwischen Kurt-Eisner-Straße und dem Wiedebachplatz in Connewitz eingeführt werden.

Verkehr auf der Bernhard-Göring-Straße in Leipzig.
Hier könnte bereits dieses Jahr Tempo 30 gelten: Die Bernhard-Göring-Straße auf Höhe der Kurt-Masur-Schule. (Foto: Karli.blog/Alexander Laboda)

Die umfangreichen Arbeiten dazu sollen frühestens im zweiten Quartal beginnen. Für die Tempo-30-Zone auf der immerhin rund 1,3 Kilometern langen Strecke müssen laut Verkehrsamt Vorfahrtsregelungen und eine Einbahnstraßenregelung aufgehoben werden, „was nur mit großem Aufwand an De

markierung bzw. Markierung umgesetzt werden kann.“ Außerdem soll im genannten Abschnitt künftig nur noch senkrecht geparkt werden, was ebenfalls die Markierung großer Sperrflächen notwendig mache.

Tempolimit vor Kurt-Masur-Schule

Noch in diesem Jahr soll dessen ungeachtet vor der Kurt-Masur-Schule eine provisorische Tempo-30-Zone eingerichtet werden. Die Eltern der Grundschüler hatten sich vehement dafür eingesetzt.

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