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Stadt pflanzt mehr als 60 Straßenbäume in der Südvorstadt

Bauzaunumrandung an einem Straßenrand.

Einige Straßen der Südvorstadt werden in den kommenden Wochen und Monaten grüner. Die Verwaltung lässt im Stadtteil ab sofort insgesamt 66 neue Straßenbäume pflanzen. Für die eigenen Ansprüche und den Leipziger Umweltbund Ökolöwe sind das viel zu wenige.

In keinem anderen Stadtteil werden in bis Jahresende so viele neue Straßenbäume gepflanzt wir in der Südvorstadt. In der Kantstraße haben die Arbeiten am Mittwoch begonnen. Eine Firma setzt dort zwischen August-Bebel-Straße und Karl-Liebknecht-Straße 13 neue Bäume.

Gegrabenes Loch am Straßenrand, in dem Erde zu sehen ist.
Baustelle in der Kantstraße: Die Löcher sind schon mal da, fehlen noch die Bäume. (Foto: Karli.blog/Alexander Laboda)

Die größte Veränderung erwartet aber die Anwohner der Kochstraße. 48 junge Bäume sollen dort in den kommenden Wochen zwischen Scharnhorststraße und Scheffelstraße gepflanzt werden.

Außerdem bekommt noch die Steinstraße neues „Straßenbegleitgrün“, wie es im Amtsdeutsch heißt. Zwischen Kochstraße und „Karli“ sind fünf Baumpflanzungen vorgesehen.

Weniger Parkplätze

Das neue Grün sorgt bei einigen Autofahrern möglicherweise für Frust. Denn die Bäume werden in der Regel nach dem sogenannten „Zwickauer Modell“ gesetzt. Das bedeutet, dass sie auf der Fahrbahn und nicht auf dem Gehweg platziert werden. Parkfläche geht entsprechend verloren. Die Stadt spricht von einer „Belebung und Aufwertung der Straßenabschnitte“.

So sieht die Angelegenheit auch der Leipziger Umweltbund Ökolöwe. „Die Baumstandorte unterteilen die sich am Straßenrand befindlichen Parkplätze und lockern somit das Straßenbild auf“, schreiben die Umweltschützer in einer Mitteilung. Der Ökolöwe wünscht sich darüber hinaus ein noch viel größeres Engagement der Stadt bei der Begrünung der Straßen. „Das ist ein guter Anfang, aber noch lange nicht genug!“, schreiben die Aktivisten.

Tausend Kilometer ohne Straßenbäume

Der Umweltbund verweist darauf, dass noch immer 64 Prozent der Leipziger Straßen komplett baumlos seien. Dies entspreche einer Strecke von über 1.100 Kilometer beziehungsweise ungefähr der Entfernung zwischen Leipzig und Paris. „Seit Jahren fordert der Ökolöwe, dass die Verpflichtung aus dem Luftreinhalteplan, 1.000 neue Straßenbäume pro Jahr zusätzlich zu pflanzen, endlich umgesetzt wird. Diese Zahl wurde seit 2009 noch nie erreicht!“, bemängelt die Organisation.

Ein neu gepflanzter Baum in der Kochstraße in Leipzig.
Junger Straßenbaum in der Kochstraße, für den Bürger eine Patenschaft übernommen haben. (Foto: Karli.blog/Alexander Laboda)

Die Stadt ist selbst mit dem Status Quo unzufrieden. Eine Analyse zeige, „dass Leipzigs Straßenbaumbestand trotz des Images einer grünen Stadt eher kritisch zu betrachten ist“. Es gäbe zwar etwa 56.000 Straßenbäume in Leipzig, es könnten aber potentiell 45.000 mehr sein. Bereits seit 2016 wird deshalb an einem Straßenbaumkonzept gearbeitet, mit dem Ziel, „deutlich mehr zusätzliche Straßenbäume im Jahr zu pflanzen als bisher“. Ende 2017 sollte das Konzept im Stadtrat verabschiedet werden. Aktuell strebt die Verwaltung einen Beschluss im Jahr 2018 an. Im Ratsinformationssystem ist momentan aber keine entsprechende Vorlage zu finden.

Geld von Firmen und Bürgern

Ein wichtiger Punkt sind offenbar die Kosten. Die aktuellen Baumpflanzungen wären ohne finanzielle Hilfe nicht möglich gewesen. Wie die Stadt mitteilte, fördert die Stiftung des Versicherungskonzerns Allianz jeden neuen Baum mit einer Spende von 1.000 Euro.

Bürger sind ebenfalls schon seit vielen Jahren aufgerufen, Geld für Bäume zu spenden oder sogar eine Patenschaft zu übernehmen. Informationen zur Aktion „Baumstarke Stadt“ gibt es hier.

Connewitz ist 2019 dran

2019 gehen die Baumpflanzungen im Leipziger Süden übrigens weiter. Dann bekommt Connewitz ein Dutzend neue Bäume. Vier Stück werden in der Gustav-Freytag-Straße  zwischen Windscheidstraße und Kochstraße platziert, acht Bäume in der Scheffelstraße zwischen Windscheidstraße und Kochstraße.

3 Kommentare zu “Stadt pflanzt mehr als 60 Straßenbäume in der Südvorstadt

  1. Finde ich sehr gut. Bäume sind auf jeden Fall wichtiger als Parkplätze. Die Leute sollten mehr Straßenbahn und S-Bahn fahren.

    • Hallo Marcus, ich bin Pendler im Dreischicht Rhythmus und muß jeden Tag nach Zwickau. Mehr Straßenbahn und Fahrrad paßt nicht auf alle, daher bitte nicht alle pauschalisieren.
      Die Straßenbäume sind leider nicht bis zu Ende gedacht. Bäume auf die Straße zu pflanzen ist in meinen Augen nicht sehr weit gedacht. Auf der einen Seite die Lückenbebauung in Leipzig vorantreiben und dann jammern, das zu wenig Grün vorhanden ist. Hier beißt die Katze sich in den Schwanz. Manche Seitenstraßen sind schon so eng, das kaum LKWs oder Müllabfuhr aneinander vorbeikommen. Bei Umleitungen von den Öffentlichen Busen wird es dann demnächst noch enger zugehen. Ich wohne in einer Straße mit Gefälle. Bei den gepflanzten Laubbäumen müßte eigentlich ein neuer Hydrant davor gesetzt werden. Aber darauf wird verzichtet. Der nächste Starkregen im Herbst wird dann das Ergebnis der Aktion ans Licht bringen.
      Herzlichen Glückwunsch!

  2. Ich bin von den Pflanzungen in die Straße nicht begeistert. Im Endeffekt hat man hier perspektivisch zu kurz gedacht.
    Eine Straße ist und bleibt ein Infrastrukturprojekt und ist für Landschafts und Gartengestaltung nicht unbedingt geeignet. Wenn die Räume bzw. Kapazitäten vorhanden wären, kann man darüber eventuell nachdenken in der Gestaltung etwas zu bewirken. Dies war zu Kaisers Zeiten noch gut möglich. Da wurden noch Alleen oder Straßen mit Mittelstreifen angelegt.
    Doch heute in der engen Bebauung als Alternative Bäume in die Straße zu pflanzen, ist voll daneben. Wir entwickeln uns langsam in Richtung Elektromobilität. Ab 2022 wird in manchen deutschen Automobil Werken nur noch rein elektrisch produziert und ich frage mich, wann die Stadt endlich reagiert und Ladesäulen in die Wohngebiete so integriert, wie sie dies derzeit mit den Straßenbäumen macht. Wahrscheinlich ist, das man irgendwann wieder die Bäume entfernt und statt dessen Ladestationen aufstellt. Wenn man sich von den Verbrennermotoren verabschieden will und eine saubere Stadt haben will, muß man agieren und nicht reagieren, wenn es dann bereits wieder zu spät ist und sich erneut den Unmut der Bürger auflädt.
    Ein weiteres Problem sehe ich auch bei Umzügen ins Dachgeschoss, die bis dahin noch mit Liften durchgeführt werden konnten.
    Aber auch der Einsatz von Rettungskräften seitens der Feuerwehr mit langen Löschzügen oder das Bergen von Übergewichtigen mit Hilfe eines Liftes durch das Fenster wird hier stark erschwert oder gar komplett eingeschränkt.
    Ich hoffe die Verantwortlichen sind sich dessen bewusst.

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