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Carsharing: Fehlende Parkflächen bremsen TeilAuto aus

TeilAuto-Fahrzeuge in Leipzig.

Immer mehr Menschen in Leipzig nutzen Carsharing. Nach Angaben des Anbieters TeilAuto könnten es jedoch deutlich mehr sein, wenn genügend Stellplätze vorhanden wären. Besonders in den Gründerzeitvierteln, etwa in der Südvorstadt, hemme der Platzmangel das Wachstum. Um das Problem zu lösen, will die Stadtverwaltung im kommendem Jahr öffentliche Parkplätze in Carsharing-Stellplätze umwandeln.

In Leipzig fehlen vielerorts Stellflächen für das Carsharing. „Wir werden nicht durch fehlende Nachfrage ausgebremst, sondern durch den verfügbaren Platz“, sagt TeilAuto-Geschäftsführer Michael Creutzer im Gespräch mit dem Karli.blog. Die Südvorstadt, in der die Firma ihre Geschäftsstelle hat, seien die Schwierigkeiten besonders groß: „Wir hätten in der Südvorstadt gerne noch viel mehr Stationen. Aber es gibt einfach keinen Platz. Außerdem verlieren wir dort zunehmend Flächen, weil diese bebaut werden.“

Kritische Lage für TeilAuto in Gründerzeitvierteln

Eine ähnliche Lage sei auch in den anderen Gründerzeitvierteln der Stadt zu beobachten, etwa in Gohlis, dem Waldstraßenviertel oder Schleußig. Dort gäbe es jeweils wenig Platz, aber vergleichsweise viele TeilAuto-Kunden. Deren Zahl steige außerdem stetig. „In ganz Leipzig haben wir einen jährlichen Zuwachs an Neukunden von zehn bis zwölf Prozent“, berichtet Geschäftsführer Creutzer. Aktuell zählt das Unternehmen 12.000 angemeldete Nutzer.

Michael Creutzer, Geschäftsführer von TeilAuto
Michael Creutzer, Geschäftsführer von TeilAuto. (Foto: Karli.blog/Alexander Laboda)

Aus Sicht von TeilAuto könnte das Problem relativ leicht behoben werden. Die Stadt müsste öffentliche Parkplätze in Stellplätze für Carsharing umwandeln. Doch dafür fehle die gesetzliche Grundlage. TeilAuto-Chef Creutzer erklärt: „Der Bund hat vergangenes Jahr das sogenannte Carsharinggesetz beschlossen. Seitdem wäre es möglich, Carsharing zu bevorrechtigen. Das muss aber in Sachsen noch in Landesrecht überführt und anschließend in Leipzig auf kommunaler Ebene beschlossen werden.“ Exklusive Parkflächen für das Carsharing im öffentlichen Raum gibt es bisher nur auf Grundlage von Modellprojekten. Ein Beispiel dafür findet sich etwa am Südplatz direkt neben dem Imbiss Burgermeister.

Stadt kündigt Carsharing-Stellplätze für 2019 an

Die Leipziger Stadtverwaltung wollte bereits bis Ende vergangenen Jahres ein Carsharing-Konzept vorstellen. „Neue Stationen auch im öffentlichen Straßenraum“ sollten damit ermöglicht werden, hieß es in einer Mitteilung von Juni 2017. Bislang geschah jedoch nichts. Auf Nachfrage des Karli.blog nennt Michael Jana, Leiter des Verkehrs- und Tiefbauamtes, „kapazitäre Gründe“ für den Verzug. Inzwischen befinde sich das Konzept jedoch im „verwaltungsinternen Abstimmungsprozess“. Jana kündigt an:

„Es ist davon auszugehen, dass das Carsharing-Konzept dem Stadtrat im Herbst vorgestellt werden kann.“

Eine Ausweisung erster stationsgebundener Carsharing-Stellplätze im öffentlichen Raum sei „im nächsten Jahr realistisch“.

Der Stadt sind die aktuellen Engpässe bewusst. Amtsleiter Jana erklärt: „Die Dringlichkeit neuer Stellflächen für die stationsbasierten Angebote nimmt mit dem insbesondere durch Lückenbebauungen verlorengehenden Flächen auf privaten Grundstücken und durch das Wachstum der Carsharingnutzung deutlich zu. Dies betrifft insbesondere dichtbebaute gründerzeitliche Stadtviertel.“ Eine Schätzung über die Anzahl der benötigten Stellplätze will die Stadt mit dem Carsharing-Konzept abgeben.

Ein Carsharing-Auto ersetzt mehrere private Pkw

Sowohl die Stadtverwaltung als auch TeilAuto verweisen auf verschiedene Studien, wonach ein Carsharing-Fahrzeug jeweils mehrere private Pkw ersetze, die dann auch keine Parkflächen mehr besetzten. Laut TeilAuto sei davon auszugehen, dass ein Carsharing-Auto den Verkehr um etwa sechs bis acht Privatfahrzeuge entlaste. Einige Untersuchungen gingen sogar von stärkeren Effekten aus. Die Stadtverwaltung sieht weitere positive Folgen. Carsharing-Flotten würden etwa gute Voraussetzungen für den „Einsatz von umweltfreundlichen Fahrzeugen beziehungsweise den Einsatz von Elektroautos“ bieten.

Reserviert-Schild der Firma TeilAuto
Mehrere Studien belegen, dass durch Carsharing die Zahl privater Pkw sinkt. Theoretisch müssten also mehr Parkplätze zur Verfügung stehen, wenn mehr Flächen für Carsharing reserviert werden. (Foto: Karli.blog/Alexander Laboda)

Laut Zahlen des Kraftfahrzeugbundesamtes waren 2017 in Leipzig gut 255.000 Autos gemeldet. Dem stehen nach Angaben von TeilAuto aktuell 350 Carsharing-Fahrzeuge gegenüber. In der Südvorstadt sind es 26, im Zentrum-Süd 36 und in Connewitz 13.

Die Gesamtzahl der Carsharing-Fahrzeuge erhöht sich noch einmal durch 100 Pkw, die zum TeilAuto-Projekt „Cityflitzer“ gehören. Dabei handelt es sich um ein sogenanntes Free-Floating-Angebot, das dieses Jahr startete. Die „Cityflitzer“ sind nicht an eine Station gebunden, sondern können im  Stadtgebiet auf allen Parkplätzen abgestellt werden. Die Kosten für die Nutzung sind im Vergleich zu den stationsgebundenen Autos höher. Teilauto-Geschäftsführer Creutzer zieht bislang eine positive Bilanz: „Wir haben bei Cityflitzer bislang eine sehr gute Auslastung und können uns auch hier vorstellen, die Flotte aufzustocken.“

Cityflitzer in Leipzig
Die „Cityflitzer“ von TeilAuto müssen nicht an einer bestimmten Station abgegeben werden, sondern dürfen überall abgestellt werden. (Foto: Karli.blog/Alexander Laboda)

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