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Vor 100 Jahren starb Karl Liebknecht

Karl Liebknecht

Am 15. Januar vor 100 Jahren ermordeten Freikorps-Soldaten Karl Liebknecht. Der Name des Politikers ist untrennbar mit der Leipziger Südvorstadt verbunden. Eine Demo läuft ihm zu Ehren am Dienstagabend über die Karl-Liebknecht-Straße. In Erinnerung bleibt Liebknecht vor allem als Kriegsgegner und Antimilitarist.

Auch 100 Jahre nach seinem Tod ist Karl Liebknecht in seiner Geburtsstadt Leipzig gegenwärtig. Dafür sorgt im Leipziger Süden allein schon die nach ihm benannte Straße, die alle nur Karli nennen. Vielen ist dabei möglicherweise gar nicht bewusst, dass Liebknecht selbst an der Straße wohnte, die damals noch profan Südstraße hieß. Im Haus mit der heutigen Nummer 69 lebte Liebknecht zusammen mit seiner Mutter und seinen Geschwistern von 1881 bis 1889. Zuvor war sein berühmter Vater, der Ur-Sozialdemokrat Wilhelm Liebknecht, aus Leipzig ausgewiesen worden. An den berühmten Bewohner erinnert heute noch eine Gedenktafel.

Gedenktafel am ehemaligen Wohnhaus von Karl Liebknecht.
Gedenktafel am ehemaligen Wohnhaus von Karl Liebknecht in der heutigen Karl-Liebknecht-Straße. (Foto: Karli.blog/Alexander Laboda)

Geboren wurde Liebknecht ebenfalls in der Nähe. In der Braustraße 15 lebten die Familie ab 1867. Heute hat ist es nach den Liebknechts benannt. Der Stadtverband der Linken hat dort seine Geschäftsstelle. Erst im Dezember kamen die Enkeltöchter Karl Liebknechts sogar zu einem Besuch vorbei, wie etwa die Leipziger Internet-Zeitung berichtete.

Liebknecht-Haus in der Braustraße.
Liebknecht-Haus in der Braustraße. (Foto: Karli.blog/Alexander Laboda)

Demo und Museumsführung

Die Leipziger haben den berühmten Arbeiterführer nicht vergessen. Für den Dienstagabend meldete die Linke bei der Stadt einen Aufzug unter dem Titel „Ehrung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht“ an. Etwa 100 Teilnehmer werden erwartet. Die Demo beginnt ab 18 Uhr an der Rosa-Luxemburg-Büste in der Gustav-Freytag-Straße und führt über die Karli zum Liebknecht-Haus in der Braustraße. Im Anschluss ist dort noch eine „Diskussionsveranstaltung zum 100. Jahrestag der Gründung der KPD und der Rolle von Liebknecht und Luxemburg in der Novemberrevolution“ geplant, wie die Linke auf ihrer Website ankündigt.

Auch das Stadtgeschichtliche Museum begeht den Gedenktag in besonderer Weise. Unter der Überschrift „Vom ‚Revoluzzer‘ zum Märtyrer. Karl Liebknecht (1871–1919)“ findet ebenfalls am Dienstag ab 18 Uhr eine Führung statt. Dr. Johanna Sänger, Kuratorin für Stadt- und Landesgeschichte ab 1800, berichtet über das Leben und den Tod Karl Liebknechts. Bei der Führung durch die ständige Ausstellung werden auch authentische Dokumente und Kleidung als seltene und nur kurzzeitig ausgestellte Erinnerungsstücke an Karl Liebknecht präsentiert. Treffpunkt ist die 2. Etage. Der Eintritt ist frei.

Erinnerung an Antimilitaristen

Der Gedenktag lädt selbstverständlich dazu ein, sich mit der Geschichte und dem politischen Vermächtnis von Liebknecht auseinanderzusetzen. Für Prof. Dr. Klaus Kinner steht dessen historische Bedeutung außer Frage: „In Erinnerung bleibt in erster Linie sein antimilitärischer Kampf. Er hat sich als Kriegsgegner im Reichstag gegen den imperialistischen ersten Weltkrieg gewandt und wurde dafür inhaftiert“, erklärt der Wissenschaftler im Gespräch mit dem Karli.blog. Nach dem Krieg seien Liebknecht und Rosa Luxemburg die entscheidenden Kräfte für die Trennung der Linken gewesen. Kinner, der im Zentrum-Süd wohnt, erforschte bis 1990 an der Universität Leipzig die Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung.

Heimtückisch ermordet

Liebknechts und Luxemburgs Tod sind eng verknüpft. Beide galten als Rädelsführer des Spartakusaufstandes vom Januar 1919 – einem blutigen Höhepunkt der deutschen Revolution von 1918/19. Nach dem Aufstand suchte die SPD-geführte provisorische Reichsregierung mit Hilfe von Freikorps-Soldaten nach den Arbeiterführern. Angehörige der Garde-Kavallerie-Schützen-Division unter der Leitung Hauptmann Waldemar Pabsts fanden Liebknecht und Luxemburg. Beide wurden verschleppt, gefoltert und anschließend heimtückisch ermordet. Die Rolle der SPD ist in diesem Zusammenhang bis heute umstritten.

Am 15. Januar wurde Karl Liebknecht im Berliner Tiergarten mit drei Schüssen aus nächster Nähe getötet. Luxemburg wurde am selben Tag ebenfalls erschossen und ihre Leiche hinterher in den Landwehrkanal geworfen.

Wer mehr über dieses Kapitel deutscher Geschichte wissen möchte, findet Informationen zum Beispiel beim „Lebendigen Museum Online“ vom Deutschen Historischen Museum oder bei der Bundeszentrale für politische Bildung.

Titelbild: G. G. Bain/Library of Congress, circa 1914
Weitere Fotos: Karli.blog/Alexander Laboda

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