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Jugendparlament: Annelie und Tony machen vielleicht bald Stadtpolitik

Tony Marggraf und Annelie Berger

In Leipzig leben immer mehr junge Menschen unter 21 Jahren. Umso wichtiger ist die Wahl für das Jugendparlament, die vom 25. März bis 1. April stattfindet. Der Karli.blog hat mit zwei Kandidaten aus dem Leipziger Süden gesprochen – und Jugendliche getroffen, die klare politische Vorstellungen haben.

Beim Treffen mit dem Karli.blog lernen sich Annelie Berger und Tony Marggraf zum ersten Mal kennen. Schon bald könnten die beiden Schüler jedoch deutlich mehr Zeit miteinander verbringen. Die 16-jährige Connewitzerin und der 17-Jährige aus dem Zentrum-Süd kandidieren für das Leipziger Jugendparlament, das ab Montag in einer Online-Abstimmung neu gewählt wird. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass beide den Einzug schaffen. Lediglich 34 Kandidaten bewerben sich für die 20 Parlamentssitze.

Auch wenn es ihre eigenen Erfolgsaussichten schmälern würde – Annelie und Tony bedauern, dass es nicht noch mehr Kandidaten gibt. Fehlendes Engagement ihrer Altersgenossen ist sogar Antrieb für ihre eigenen Kandidaturen. Annelie erklärt:

„Unter uns Jugendlichen wird schon viel über Politik gesprochen. Da wird gemeckert, es müsste doch so oder so sein. Ich finde aber, dann muss man auch selbst in Aktion gehen und sagen: Wer, wenn nicht ich?“

Diese Frage hat sich auch Tony gestellt: „Ich habe seit einem Vierteljahr über die Kandidatur nachgedacht, weil ich eigentlich schon ziemlich viel um die Ohren habe und auch nicht so der Typ bin, der sich in den Vordergrund stellt. Aber ich finde es wichtig für das Jugendparlament zu kandidieren, weil viele andere sich eben nicht engagieren.“

Jugendparlament mit weitgehenden Rechten

Tatsächlich hält sich das Interesse am Jugendparlament unter den jungen Leipzigern bisher in Grenzen. Bei der Abstimmung 2017 beteiligten sich nur etwa 5,4 Prozent der wahlberechtigten 14- bis 21-Jährigen. Dabei soll das Jugendparlament, das 2015 erstmals gewählt wurde, nach Vorstellung des Rathauses eine „Stimme für die Jugend“ sein.

Dafür wurde das JuPa, wie es auch genannt wird, mit weitgehenden Rechten ausgestattet. So kann das Parlament über den Jugendbeirat Anträge in den Stadtrat einbringen, mit denen sich dann Kommunalpolitiker und Verwaltung auseinandersetzen müssen. Ebenfalls über den Jugendbeirat können die jungen Abgeordneten ein Rederecht in der Ratsversammlung wahrnehmen.

Mehr Grün und Treffpunkte

Annelie Berger
Wünscht sich mehr Grün in der Stadt: Annelie Berger. (Foto: Karli.blog/Alexander Laboda)

Annelie will diese Möglichkeiten nutzen. Ihr Interesse an Politik stieg vor allem im vergangenen Jahr immer mehr. „Ich habe mich viel mit klimapolitischen Themen beschäftigt und wollte mich dann auch irgendwo engagieren. Ich bin dann Greenpeace beigetreten und habe dort auch zum ersten Mal vom Jugendparlament gehört“, erzählt die Schülerin des Humboldt-Gymnasiums. Einen weiteren Schub hätten dieses Jahr die „Friday-for-Future“-Proteste gegeben.

Entsprechend will sich Annelie im Jugendparlament für ein gutes Verhältnis zwischen Stadt und Natur einsetzen: „Ich fände es zum Beispiel gut, wenn es noch mehr Fahrradbügel, aber auch Hochbeete und Dachgärten gäbe. Außerdem wäre es schön, wenn es für Jugendliche mehr Plätze gäbe, an denen sie sich treffen können.“

Nahverkehr und Schulausstattung verbessern

Tony hat ebenfalls konkrete politische Vorstellungen: „Ich interessiere mich für städtischen Bauvorhaben und möchte zum Beispiel gerne etwas gegen den Wohnungsmangel machen“, sagt der Gymnasiast, der zur Louise-Otto-Peters-Schule geht. Auch andere sozialpolitische Themen treiben ihn um, zum Beispiel wenn es um die Ausstattung von Schulen in wohlhabenderen und ärmeren Stadtvierteln geht. Da herrsche nicht immer Chancengleichheit.

Tony Marggraf
Möchte einen besseren Nahverkehr und mehr bezahlbare Wohnungen: Tony Marggraf (Foto: Karli.bog/Alexander Laboda)

Darüber hinaus wünscht sich Tony, der Chefredakteur einer Schülerzeitung ist, mehr öffentlichen Nahverkehr und mehr Radwege: „Die Linie 89, die ich auch täglich nutze, fährt zum Beispiel nur alle 15 Minuten. Das verstehe ich nicht. Und da gibt es mit Sicherheit viele Stellen, wo der ÖPNV verbessert werden könnte.“

Seine ersten politischen Erfahrungen hat Tony übrigens bei den Jusos gesammelt, der Jugendorganisation der SPD. Das würde er aber ungern überbewertet wissen: „Ich habe festgestellt, dass man da schnell mit vielen Vorurteilen konfrontiert wird. Ich finde auch nicht alles gut, was die Partei so macht“, sagt er.

Zahl Jugendlicher und junger Erwachsener wächst

Beiden Kandidaten ist der Hinweis wichtig, dass sie gerne auch Ideen von ihren Altersgenossen übernehmen, um diese dann zu vertreten. Annelie sagt stellvertretend: „Ich bin absolut offen für Vorschläge von anderen. Für mich geht es darum, dass man Leipzig gemeinsam jugendfreundlicher macht.“

Wie wichtig dieses Angebot ist, zeigt ein Blick in die Statistik. Jugendliche und junge Erwachsene sind eine immer größere Gruppe in Leipzig. Das Durchschnittsalter in der Stadt sinkt. Die Zahl der 14- bis 21-Jährigen, die das Jugendparlament vertreten soll, ist in den vergangenen zwei Jahren um 8.000 Personen gestiegen. 46.000 junge Leipzigerinnen und Leipziger sind bei der anstehenden Abstimmung wahlberechtigt.

Viele Forderungen auf die Tagesordnung gesetzt

Dass die Jugendlichen Interessen formulieren können, haben die Abgeordneten des Jugendparlaments in den vergangenen zwei Jahren unter Beweis gestellt. Die jungen Leipziger setzen eine Reihe von Themen auf die politische Agenda, zum Beispiel mehr Weihnachts- und Geburtstagsgeld für Jugendliche in Wohngruppen, Pfandringe an Mülleimern oder jüngst die Forderungen nach einem Fahrradparkhaus am Hauptbahnhof und legalen Flächen für Open-Air-Partys.

Eine Vielzahl von Anträgen ist derzeit noch im politischen Verfahren. Doch einige Ideen der Jugendlichen wurde vom Stadtrat schon beschlossen, unter anderem die Einführung von  Fahrradstraßen im Musikerviertel, 500 zusätzliche Papierkörbe an LVB-Haltestellen, ein Programm für mehr Schmetterlingswiesen oder dass für den Schulsport nur noch fair produzierte Bälle angeschafft werden.

Eine Übersicht über alle Anträge und Beschlüsse des Jugendparlaments gibt es hier.

Vier Kandidaten für das Jugendparlament im Süden

Welche Forderungen das nächste Jugendparlament erhebt, hängt selbstverständlich vom Wahlergebnis ab. Hier muss fairerweise darauf hingewiesen werden, dass neben Annelie und Tony noch zwei weitere Jugendliche aus dem Leipziger Süden für das Jugendparlament kandidieren: Leon Schleinitz und Friedrich Finkenstein. Informationen zu den einzelnen Kandidaten gibt es im Überblick auf dieser Seite Internetseite der Stadt.

Abgestimmt wird bis zum 1. April online. Wahlberechtigt sind alle Leipzigerinnen und Leipziger zwischen 14 und 21 Jahren, die seit mindestens drei Monaten in der Stadt wohnen. Die Nationalität spielt keine Rolle. Alle Wahlberechtigten haben drei Stimmen, die sie frei auf die Kandidaten verteilen können.

Annelie und Tony können ihre eigenen Wahlchancen nur schwer einschätzen. Beide wollen vor allem an ihren Schulen für sich werben. Sie haben außerdem Freunde und ihre jeweiligen Schülerräte angesprochen, um ihre Kandidatur und die Wahl als solche bekannt zu machen. Tony wünscht sich vor allem eines: „Es sollen möglichst viele wählen gehen.“

Tony Marggraf und Annelie Berger
Tony Marggraf und Annelie Berger sind zwei von ingesamt vier Kandidaten, die sich im Süden für das Jugendparlament bewerben. (Foto: Karli.blog/Alexander Laboda)

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